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Themenseite - Industriepolitik

Leitmärkte mit Zukunftspotential

Einleitung

Quelle: mauritius images/Cultura/Monty Rakusen

© mauritius images/Cultura/Monty Rakusen

Technischer Fortschritt und demografischer Wandel werden auch in den kommenden Jahren den Bedarf an Gesundheitsleistungen weiter steigen lassen. Hieraus resultiert ein erhebliches Wachstumspotenzial nicht zuletzt für die Bereiche Medizintechnik und Pharma.

Die deutsche Medizintechnikindustrie ist eine traditionsreiche Zukunftsbranche, die sich durch innovative Technologien, umfangreiches Systemwissen in Medizin und Technik, hohe Wachstumsraten und wesentliche Beiträge für eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung auszeichnet. Beispiele für Spitzenmedizintechnik aus Deutschland sind Elektrodiagnosegeräte, Röntgenapparate, Sterilisiergeräte, aber auch Rollstühle, zahnmedizinische Instrumente sowie ophthalmologische Instrumente.

Im Rahmen des Gesundheitsforschungsprogramms ist die Medizintechnik Bestandteil der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Das in Deutschland vorhandene und in seiner Bedeutung zunehmende Systemwissen in Medizin und Technik ist Grundlage einer erfolgreichen Entwicklung auf den weltweiten Märkten. Voraussetzung für den Erhalt von Innovationskraft und Investitionsbereitschaft der deutschen Medizintechnikindustrie sind die Stärkung wettbewerblicher Strukturen im Gesundheitswesen sowie neue Wege bei der Finanzierung der Gesundheitsausgaben.

Mit Forschungsausgaben von mehr als 10 Prozent des Umsatzes gehört die pharmazeutische Industrie eindeutig zu den zukunftsorientierten Branchen in Deutschland. Hohe Forschungsausgaben der pharmazeutischen Unternehmen sind aber auch zwingend erforderlich. Denn für die Entwicklung eines neuen Arzneimittels mit neuem Wirkstoff, das es zur Zulassung schafft, sind nach Branchenschätzung Ausgaben von 1 bis 1,6 Milliarden US-Dollar erforderlich. Hierbei sind die fehlgeschlagenen Projekte ebenso eingerechnet wie die Kapitalisierungskosten. Manche Kritiker halten dies zwar für zu hoch, sehen die Kosten aber immer noch bei deutlich dreistelligen Millionenbeträgen.

Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft werden Demenzerkrankungen (Altersdemenz) zur großen Herausforderung. Allein bei der häufigsten Demenzform, der Alzheimer-Erkrankung, rechnen Experten mit einer Verdoppelung der Patientenzahl auf 1,8 Millionen bis 2050. Arzneimittel, die das Fortschreiten der Krankheit hinauszögern, sind dringend notwendig. Die forschende Pharmaindustrie ist hier aktiv; sie hat in Deutschland mehrere auf Alzheimer spezialisierte Labors.

Da die Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln aufwändig, langwierig, kostenintensiv und mit hohem Risiko behaftet ist, benötigt die Pharmaindustrie in Deutschland verlässliche Rahmenbedingungen, welche den Innovationsprozess unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken. Hinsichtlich der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen gilt auch hier: mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen und eine nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung schaffen gute Bedingungen für Arzneimittelentwicklungen und Investitionen der pharmazeutischen Industrie.

Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen läuft derzeit der so genannte Pharma-Dialog - eine Gesprächsreihe der Bundesregierung mit den Arzneimittelherstellern, der Wissenschaft und der Gewerkschaft IG BCE. Ziel des Pharma-Dialogs ist es, den Pharmastandort Deutschland in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion zu stärken.

Individual- und Warenverkehr werden weiter zunehmen; allein die Güterverkehrsleistung soll sich Studien zufolge zwischen 2004 und 2025 um 70 Prozent erhöhen. Mit zunehmendem Verkehr wachsen aber auch die umwelt- und klimapolitischen Herausforderungen. Für die im Bereich des Fahrzeugbaus gut aufgestellte deutsche Industrie eröffnen sich hier vielfältige Entwicklungspotentiale.

Elektromobilität birgt eine wirtschaftlich und gesellschaftlich große Chance, weil mit dieser neuen Mobilitätstechnologie ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung von Emissionen geleistet werden kann und neue Wertschöpfungsketten entstehen. Seit Anfang dieses Jahres befindet sich die Elektromobilität in Deutschland gemäß dem Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität (NEP) des Jahres 2009 in der Phase des Markthochlaufs. Das gemeinsame Ziel der Bundesregierung mit der Industrie ist es, im Jahr 2020 sowohl Leitmarkt als auch Leitanbieter für Elektromobilität zu sein. Das auch von der Industrie getragene Ziel, eine Million Fahrzeuge bis 2020 auf Deutschlands Straßen zu bringen, wurde im Koalitionsvertrag bekräftigt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gestaltet die Elektromobilität mit einer auf Energie- und Ressourceneffizienz ausgerichteten Industriepolitik, insbesondere durch entsprechende gesetz­liche Rahmenbedingungen. Das BMWi wird in diesem Jahr eine Reihe von rechtlichen Maßnahmen auf den Weg bringen, um Elektromobilität und deren Ladeeinrichtungen als einen wichtigen Baustein im Strommarktdesign zu verankern. Voraussichtlich im Sommer wird die Ladesäulenverordnung in Kraft treten.

Nach wie vor ist es erforderlich, die Aktivitäten zu For­schung und Entwicklung staatlich zu unterstützen, um die Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität am Standort zu sichern. Insbesondere die technologieorientierten Förderprogramme auf dem Gebiet der Elektromobilität schaffen die Voraussetzungen für Wachstum und Arbeitsplätze. An der Entwicklung und Etablierung der Elektromobilität sind Unternehmen unterschiedlicher Industriebranchen beteiligt, darunter viele Weltmarktführer in ihren jeweiligen Segmenten. Auch bei der Elektro­mobilität wollen wir leitender Produktionsstandort werden. Dazu haben nicht zuletzt die Schaufenster Elektromobilität beigetragen, die zur Vernetzung der beteiligten Unternehmen und der Wissenschaft und zur Sichtbarkeit des Themas für die Öffentlichkeit beigetragen haben.

Leistungsfähige Industrie- und Forschungsstrukturen in der Luftfahrt sind unabdingbare Voraussetzung dafür, dass die beteiligten Unternehmen ihre Wettbewerbsposition weiter sichern und ausbauen können und Deutschland auf europäischer Ebene seine Position als Technologieführer halten kann.

In der Raumfahrt spielen Navigations- und Positionierungsanwendungen eine zentrale Rolle für die Vernetzung von Verkehrsbereichen. Durch die rasch anwachsende Zahl von Anwendungsfeldern nimmt die satellitengestützte Navigation für viele andere Wirtschaftszweige einen zunehmend höheren Stellenwert ein. Beispielsweise wird das amerikanische GPS (Global Positioning System) schon heute als hochgenaues Zeitsignal zur Synchronisation von Computernetzwerken, Mobiltelefonnetzen und Kraftwerken für Energieanbieter genutzt. Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo wird eine unabhängige und zivile europäische Alternative zu GPS bieten und Europa einen Technologievorsprung im globalen Wettbewerb verschaffen. Galileo ist für alle beteiligten Staaten ein wegweisendes Vorhaben mit großem wirtschaftlichem Potenzial in allen Bereichen des Verkehrswesens - der Luftfahrt, der Schifffahrt und dem Landverkehr, aber auch in der Geodäsie, der Landwirtschaft und nicht zuletzt in der Raumfahrt selbst. Deutschland trägt dem Rechnung, indem es bei Galileo eine Führungsrolle übernimmt und somit die Rahmenbedingungen schafft, die nationale Unternehmen zu gefragten Kooperationspartner macht.

Die deutsche Schiffbau- und Schiffbauzulieferindustrie ist ein Hightech-orientierter Wirtschaftszweig mit großem Know-how und enormer Innovationskraft. Wegen des Anstiegs des Verkehrsaufkommens und des daraus resultierenden verstärkten Gütertransports hat sie auch auf den See- und Wasserwegen eine große Bedeutung für die weltweit eingebundene deutsche Wirtschaft. Die Schiffbauindustrie ist konsequent auf Hochtechnologie ausgerichtet, hat eine hohe Systemkompetenz und zeichnet sich durch eine verstärkte Hinwendung zum Spezialschiffbau aus. Der Einsatz innovativer technischer Lösungen wird im Schiffbau angesichts klima- und umweltschutzpolitischer Anforderungen künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Der Schlüssel zur Zukunft des Schiffsbaus in Deutschland liegt daher weiterhin im Bereich von Forschung, Entwicklung und Innovation - nur so kann die Branche ihre technologische Spitzenposition langfristig sichern.

Die Bundesregierung fördert den Bereich Mobilität und Verkehrstechnologien im Rahmen verschiedener Programme.

Weiterführende Informationen

Eine sichere und wirtschaftliche Energieversorgung ist das Rückgrat jeder modernen Volkswirtschaft. Die Entwicklung effizienter und CO2-armer Energietechnologien ist vor dem Hintergrund der energie- und klimapolitischen Herausforderungen  deshalb eine vorrangige Aufgabe.

Aber auch der Schutz der Umweltmedien (Luft, Wasser, Boden) durch die Nutzung modernster Technologien ist für die deutsche Industrie von besonderer Bedeutung.

Inzwischen werden schätzungsweise 5,7 Prozent der Industrieproduktion im Bereich der Umweltschutzgüter erwirtschaftet. Die Basis dafür sind oft mittelständisch geprägte Unternehmen.

Durch den Einsatz innovativer Umwelt- und Klimaschutztechnologien werden zukunftsorientierte Arbeitsplätze in der deutschen Industrie geschaffen und gesichert. Die Entwicklung und Erprobung innovativer Technologien ist ein wichtiges Wirtschaftsfeld der Zukunft, welches es zu besetzen gilt. Die Bundesregierung fördert deshalb die Umwelttechnik im Rahmen der Hightech-Strategie.

Deutsche Produkte zählen z.B. in den Bereichen Kraftwerkstechnik, erneuerbare Energien, Energieeffizienztechnik und Umwelttechnologie international zur Spitze. Neue Chancen ergeben sich hier nicht zuletzt durch die anstehende weltweite Modernisierung der Energieversorgung. Dies gilt insbesondere für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien wie Windenergie und Geothermie, aber auch für den Bau neuer energieeffizienter Kraftwerke sowie den energieeffizienten Neu- und Umbau industrieller Anlagen insgesamt.

Einen wichtigen Wirtschaftsfaktor im Bereich des Klima- und Umweltschutzes stellt die satellitengestützte Erdbeobachtung dar. Die Anwendungen von Erdbeobachtungssatelliten reichen von der Erstellung und Aktualisierung von Landkarten, über Umwelt-, Wetter- und Klimabeobachtung bis hin zur Unterstützung humanitärer Hilfsaktionen. Dieses breite Anwendungsspektrum satellitengestützter Erdbeobachtung ist nicht nur für die Forschung sondern zunehmend auch für die Wirtschaft unentbehrlich. Viele der hochinnovativen Raumfahrttechnologien (z. B. SAR-Radarinstrumente (Synthetic Aperture Radar)), die für Erdbeobachtungssatelliten und deren Instrumente bzw. Kameras erforderlich sind, werden an deutschen Standorten entwickelt und gebaut. Deutsche Unternehmen beginnen sich darüber hinaus im weltweiten Datenvertrieb in führender Rolle zu platzieren.

Das Thema Klimaschutz besitzt auch für die Bauwirtschaft ein großes Potential. Angesichts der tendenziell steigenden Energiepreise ist zu erwarten, dass Energieeffizienz steigernde Maßnahmen bei der Sanierung von Altbauten, bei öffentlichen und gewerblichen Bauten sowie beim Wohnungsneubau verstärkt nachgefragt werden.

Bei der Wasser- und Abwassertechnologie nimmt Deutschland  im weltweiten Vergleich eine Spitzenstellung ein. So werden in Deutschland modernste Wasseraufbereitungs- und Abwasserreinigungstechnologien  entwickelt, die es ermöglichen, zur Lösung weltweit bestehender Wasserprobleme beizutragen. Mit den modernen Membrantechnologien lässt sich nicht nur energieeffizient Meerwasser entsalzen, sondern auch aus häuslichen Abwässern sauberes Wasser z. B. für die Landwirtschaft und prinzipiell sogar für Trinkwasser zurückgewinnen.

Auch bei der Nutzung von Abfällen als Ressource ist Deutschland weltweit führend. Regelungen zur Produktverantwortung und zur Kreislaufführung von Wertstoffen, aber auch eine steigende Nachfrage nach Sekundärrohstoffen, haben zur Entwicklung hochmoderner Entsorgungstechnologien beigetragen. Anlagen zur Sortierung von Abfällen und zum Recycling von Wertstoffen zählen ebenso wie moderne Müllverbrennungsanlagen mit anspruchsvoller Filtertechnik oder deutsches Know-how bei der Deponierung zum - auch international - erfolgreichen Angebot der Entsorgungsbranche. Die EU-weite Umsetzung der neuen Abfallrahmenrichtlinie und der weltweit zunehmende Rohstoffhunger werden diese Entwicklung zukünftig noch weiter verstärken.

Die fortschreitende Digitalisierung der Industrie, die auch als vierte industrielle Revolution oder "Industrie 4.0" beschrieben wird, führt durch eine immer engere Verzahnung von Produktion und Produkten mit Hilfe modernster IuK-Technik zu weitreichenden Veränderungen der Produktionsprozesse. Beispiele sind Produktionsmaschinen, die bei sich selbst drohende Störungen erkennen, bevor sie auftreten, oder Werkstücke, die ihren eigenen Produktionsprozess steuern. Angesichts der deutschen Technologieführerschaft im Maschinen- und Anlagenbau ("Fabrikausrüster der Welt") und weitere komplementäre Kernkompetenzen, z. B. in der Elektrotechnik, liegen in diesem Bereich große Chancen für die deutsche Industrie.

Industrie 4.0 ist vor diesem Hintergrund ein zentrales Thema der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Mit den beiden Förderprogrammen "Autonomik für die Industrie 4.0" und "Smart Service Welt" stellt das BMWi knapp 100 Millionen Euro bereit, um Forschung und Entwicklung für wichtige Innovationen im Bereich Industrie 4.0 voranzubringen.

Auf der HANNOVER MESSE 2015 erfolgte der offizielle Auftakt der von Politik, Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft und Gewerkschaft getragenen Plattform Industrie 4.0. Mit dieser erweiterten Plattform will die Bundesregierung gemeinsam mit den übrigen Partnern und Akteuren die Chancen der Digitalisierung der Wirtschaft aktiv nutzen. Nach erfolgreicher Arbeit der Verbändeplattform Industrie 4.0 von BITKOM, VDMA und ZVEI wird das Thema in der neuen Plattform Industrie 4.0 auf eine breitere politische und gesellschaftliche Basis gestellt und sowohl thematisch als auch strukturell neu ausgerichtet. Die Leitung der neuen Plattform Industrie 4.0 übernehmen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka unter Mitwirkung von Spitzenvertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaft und Wissenschaft.

Fortschritte im Bereich der Werkstoffe sind wesentliche Voraussetzung für viele Produkt- und Systeminnovationen.

Die Chemie als "Wissenschaft der Stoffe" ist sowohl Hersteller als auch Anwender neuer Werkstoffe. Die chemische Industrie spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer Werkstoffe in der gesamten Wertschöpfungskette. Neue Technologien und Produkte sind oftmals mit der Entwicklung und dem Einsatz neuer Materialien und Werkstoffe verbunden. Das reicht von der Entwicklung von Beschichtungen, Farben und Lacken, Katalysatoren für einen effizienten und nachhaltigen Produktionsprozess über Hochleistungsmaterialien für eine effiziente Energieversorgung und Speicherung, pharmazeutischen Wirkstoffen oder Diagnoseverfahren bis hin zum Recycling und Wiederverwendung dieser Stoffe. Dementsprechend erstrecken sich die Einsatzgebiete der neuen Werkstoffe von der Bauwirtschaft, dem Automobilbereich über den IuK- und Energiebereich, bis hin zu alltäglichen Verbraucherprodukten und dem Recyclingbereich. Auch wenn nicht immer unmittelbar sichtbar, sind es insbesondere neue Werkstoffe der chemischen Industrie, die die Produktion effizienter und nachhaltiger und das Leben einfacher machen.

Ein wichtiger Anwendungsbereich für neue Werkstoffe ist der Sektor Bauen und Wohnen, der erheblichen Anteil am Material- und Ressourcenverbrauch in Deutschland hat und einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz - etwa im Hinblick auf das Ziel einer CO2-neutralen und klimaangepassten Stadt - leisten kann.

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