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Themenseite - Konventionelle Energieträger

Atom-U-Boot-Abrüstungsprojekt

Einleitung

Russisches Atom-U-Boot

© BMWi

BMWi-Atom-U-Boot-Entsorgungsprojekt bei Murmansk: Vorzeigeprojekt in der Globalen Partnerschaft und wichtiger Beitrag für die deutsch-russische strategische Zusammenarbeit.

Die Projektergebnisse sind im Abschlussbericht „Sichere Entsorgung von Atom-U-Booten der Russischen Föderation“ dokumentiert, der am 1. Juni 2017 veröffentlicht wurde.

Die G8-Staaten verabschiedeten auf ihrem Gipfel in Kananaskis/Kanada im Juni 2002 die Initiative der „Globalen Partnerschaft gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und –materialien“. Diese soll terroristische Zugriffe auf Nuklearmaterial und Massenvernichtungswaffen sowie deren Verbreitung (Proliferation) verhindern. Vereinbart wurde, über einen Zeitraum von 10 Jahren bis zu 20 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen, um konkrete Projekte, vorrangig für die Abrüstung in Russland, zu verwirklichen. Russland hatte sich im Rahmen der Globalen Partnerschaft verpflichtet, die Vernichtung von Chemiewaffen, die Abrüstung und die sichere Entsorgung von außer Dienst gestellten Atom-U-Booten der russischen Seestreitkräfte entscheidend voranzubringen. Die auf dem Weltwirtschaftsgipfel 2002 in Kananaskis vereinbarten Richtlinien legen die Rahmenbedingungen fest und sind Grundlage für Verhandlungen über konkrete Abkommen zu neuen Projekten. Deutschland sagte seine Beteiligung an der Globalen Partnerschaft in Russland mit bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar an drei Programmen zu.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi, jetzt: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) übernahm die Realisierung des Großprojektes zur Atom-U-Boot-Entsorgung im Nordwesten Russlands (600 Millionen Euro). Das Auswärtige Amt koordiniert Projekte zur Chemiewaffenvernichtung und zum physischen Schutz von Nuklearmaterialien (600 Millionen Euro).

Alle ca. 150 russischen atombetriebenen U-Boote, für die ca. 50 km nördlich von Murmansk in der Saida-Bucht die Zwischenlagerung ermöglicht wird, gehören zur Nordmeerflotte, deren Stützpunkt im Bereich von Murmansk liegt. Dieses Gebiet ist durch den Golfstrom auch im Winter weitgehend eisfrei, wodurch es für Russland eine besondere strategische Bedeutung besitzt. Die Nordmeerflotte wurde seit dem Ende des Kalten Krieges aus Alters- und Kostengründen sowie aufgrund von Abrüstungsverpflichtungen (insbesondere aufgrund des Start II-Abkommens) zu einem großen Teil stillgelegt.

Zu Zeiten der Sowjetunion war die Nordmeerflotte die mit Abstand größte U-Boot Flotte der Welt, die ca. 2/3 aller sowjetischen atombetriebenen U-Boote umfasste; noch heute befinden sich hier Schätzungen zufolge ca. 20 Prozent aller Kernreaktoren weltweit. Die übrigen russischen Atom-U-Boote gehören zur Pazifikflotte.

Fast ein Drittel der weit über 350.000 Einwohner von Murmansk sind bei der Marine beschäftigt. In der Stadt, die nördlich des Polarkreises ca. 1.600 Kilometer von Moskau entfernt liegt, herrschen extreme Bedingungen aufgrund einer monatelangen Frostperiode, Temperaturen bis zu max. -50°C und Polarnächten..

Durch das raue Klima in der Saida-Bucht, die Gezeiten, die eine starke Tiefenflut mit sich bringen, und den Eisgang besteht bis jetzt die Gefahr, dass die Atom-U-Boote beziehungsweise einzelne Sektionen untergehen und dadurch Radioaktivität entweichen kann. Dies hätte nicht absehbare Konsequenzen für das ökologische Gleichgewicht der Region.

Daneben ist die sichere Zwischenlagerung der Atom-U-Boote auch von zentraler Bedeutung für die Ziele der Globalen Partnerschaft. Erst die Schaffung des Langzeitzwischenlagers an Land auf der Betonplatte in der Saida-Bucht ermöglicht die Sicherstellung des Kernbrennstoffs und Zerlegung weiterer Atom-U-Boote. Dadurch wird die sichere Kontrolle über Kernbrennstoffe gewährleistetet und das Proliferationsrisiko beseitigt. Bei der Entsorgung der Kernbrennstoffe der Atom-U-Boote wird Russland im Rahmen der erweiterten Globalen Partnerschaft durch Großbritannien, Frankreich, die USA, Norwegen und Kanada unterstützt.

Mit Abschluss des Projekts konnte nun ein einwandfreier Umweltzustand in der Saida-Bucht hergestellt und das durch die außer Dienststellung von Atom-U-Booten bestehende Proliferationsrisiko beseitigt werden.

Aus Kostengründen sowie in Erfüllung internationaler Abrüstungsverträge begann in der Russischen Föderation in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei den Seestreitkräften die groß angelegte Außerdienststellung von Atom-U-Booten.

Im Norden Russlands wurden 150 Atom-U-Boote außer Dienst gestellt, wovon über 120 bereits zu so genannten 3er-Reaktorsektionen beziehungsweise zu mehrere Sektionen umfassenden Reaktorblöcken zerlegt wurden und sich schwimmend in der Saida-Bucht oder in den Werften befanden. Außerdem sollten auch 25 nukleare Überwasserschiffe (Kreuzer, Serviceschiffe usw.) entsorgt werden.

Die schwimmende Zwischenlagerung von Reaktorsektionen und ganzen Atom-U-Booten stellte langfristig ein erhebliches Risiko für die Sicherheit der Bevölkerung und der Umwelt dar. Ziel des deutsch-russischen Projektes war die Sicherung von Nuklearmaterial, die Herstellung eines ökologisch einwandfreien Zustandes in der Saida-Bucht und die Verhinderung der Proliferation von Nuklearmaterial aus Waffen und Kernbrennstoff. Mit dem Projekt sollte die Voraussetzung geschaffen werden, dass 150 Atom-U-Boot-Reaktorsektionen in einem Langzeitzwischenlager über mindestens 70 Jahre sicher gelagert werden können. Außerdem sollten in einem neu zu errichtenden Entsorgungszentrum sämtliche bei der Entsorgung der Atom-U-Boote und weiterer radioaktiver Objekte der Nordwestregion Russlands anfallenden insbesondere schwach- und mittelradioaktiven Abfälle fachgerecht behandelt und sicher gelagert werden.

Nach rund 70 Jahren ist die Radioaktivität der Reaktorsektionen soweit abgeklungen, dass eine Zerlegung und Konditionierung der Komponenten für eine Endlagerung erfolgen kann.

In Anwesenheit vom ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Wladimir Putin wurde am 9. Oktober 2003 ein Abkommen zwischen dem damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) der Bundesrepublik Deutschland sowie dem ehemaligen Ministerium der Russischen Föderation für Atomenergie (Minatom, heute Rosatom: Föderale Agentur für Atomenergie) über die Hilfeleistung bei der Eliminierung der von der Russischen Föderation zu reduzierenden Atomwaffen durch Entsorgung der von den Nördlichen Seestreitkräften Russlands außer Dienst gestellten Atom-Unterseeboote unterzeichnet. Deutschland sagte Projektmittel in Höhe von 600 Millionen Euro zu.

Weiterführende Informationen

Die allesamt abgeschlossenen Projektinhalte waren:

  • Die Errichtung eines landgestützten Langzeitzwischenlagers für 150 Atom-U-Boot-Reaktorsektionen und 25 nukleare Objekte von Überwasserschiffen (z. B. Kreuzer und Serviceschiffe). Die Reaktorsektionen sollen für rund 70 Jahre dort zwischengelagert werden.
  • Die Errichtung eines regionalen Entsorgungszentrums für radioaktive Abfälle in der Saida-Bucht.
  • Die Verbesserung der technischen Infrastruktur der Nerpa-Werft für die Atom-U-Boot-Zerlegung und die Formierung von Reaktorsektionen.
  • Die Herstellung eines ökologisch sauberen Zustandes in der Saida-Bucht.

Die Kosten des Großprojektes belaufen sich auf 590 Millionen Euro im Zeitraum von 2003 bis Ende 2016 und blieben damit im vereinbarten Finanz- und Zeitrahmen.

Die Errichtung des Langzeitzwischenlagers in der Saida-Bucht beinhaltete sämtliche Planungs- und Projektierungsarbeiten, die Herstellung der äußeren Infrastruktur, der Betonlagerplatte (5,5 ha, Dicke zwischen 80 und 120 cm mit starker Bewehrung) mit Gleisen und Kanalisation, die Errichtung eines Dockanlegers, den physischen Schutz (die Umschließung), Straßen, Wachtürme, eine Reparaturhalle für Atom-U-Boot-Sektionen sowie alle erforderlichen Nebengebäude. Für das Langzeitzwischenlager und die Nerpa-Werft wurde zudem ein neues Schwerlasttransportsystem für Atom-U-Boot-Reaktorsektionen an Land sowie ein elektronisches Kontrollsystem für radioaktive Abfälle entwickelt und geliefert. Mit Hilfe dieses Systems wird die ständige Kontrolle und Nachverfolgung des radioaktiven Bestandes sichergestellt. Die Fertigstellung aller Komponenten des Langzeitzwischenlagers ist Mitte 2011 (Projektphase 1) abgeschlossen worden. Im Langzeitzwischenlager mit 175 Stellplätzen für Reaktorsektionen von Atom-U-Booten und radioaktiven Sektionen von Serviceschiffen sind derzeit bereits etwa 100 belegt (Stand: Juni 2017).

Das Projekt hat zentrale Bedeutung für die Abrüstung russischer Atom-U-Boote im Nordwesten Russlands, da nur mit Schaffung des Langzeitzwischenlagers die Lagerkapazitäten für Reaktorsektionen geschaffen und nur so die Atom-U-Boot-Zerlegung zügig weitergeführt werden kann.

Außerdem wurde am Standort des Langzeitzwischenlagers in der Saida-Bucht ein regionales Entsorgungszentrum für alle bei der Entsorgung der Atom-U-Boote und weiterer maritimer radioaktiver Objekte anfallenden radioaktiven Abfälle errichtet. Mit dem Entsorgungszentrum in der Saida-Bucht wurde die Entsorgungskette der Atom-U-Boote im Nordwesten Russlands vollständig geschlossen.

Insgesamt sollen 90.000 m3 schwach- und mittelradioaktive Abfälle von den verschiedensten militärischen Standorten der Nordmeerflotte erfasst, verarbeitet und gelagert werden.

Das Entsorgungszentrum beinhaltet einen Konditionierungs- und Lagerkomplex für Annahme, Dekontamination, Konditionierung und Verpackung von radioaktiven Materialien sowie zur Freimessung von Material, das nach Behandlung dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden kann. Es wurde in Anlehnung an das Zwischenlager Nord des Entsorgungswerks für Nuklearanlagen GmbH (EWN, früher: Energiewerke Nord GmbH) in Lubmin errichtet. Das Regionale Entsorgungszentrum wurde Ende 2015 in Betrieb genommen und kontinuierlich die Entsorgungskapazitäten hochgefahren. Die Auflösung der Baustelleneinrichtung und der mobilen Bautechnik sowie Gewährleistungsansprüche des russischen Betreibers dauerten bis Ende 2016 (Projektphase 2).

Weiterführende Informationen

  • Infografik - Konventionelle Energieträger

    Infografik: Schema des Langzeitzwischenlagers und einer U-Boot-Zerlegung

    Öffnet Einzelsicht
  • Infografik - Konventionelle Energieträger

    Infografik: Schema des Langzeitzwischenlagers und regionales Entsorgungszentrum

    Öffnet Einzelsicht

Die Organisation und das Management des deutsch-russischen U-Boot-Projektes war in drei Ebenen gegliedert.

1. Abkommensebene

Ein Gemeinsamer Lenkungsausschuss (GLA) zwischen dem Rosatom und dem BMWi entscheidet über Grundsatzfragen der Projektdurchführung.

2. Projektleitungsebene

Auf deutscher Seite führte das Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN, früher: Energiewerke Nord GmbH) aus Mecklenburg-Vorpommern als eines der kompetentesten Unternehmen für den Rückbau kerntechnischer Anlagen im Auftrag des BMWi die Projektleitung durch. Auf russischer Seite ist das RNZ "Kurtschatov-Institut" für den Bau des Langzeitzwischenlagers in der Saida-Bucht sowie die Schiffsreparaturwerft "Nerpa" für die Atom-U-Boot-Zerlegung zuständig. In viermonatigem Abstand tagte hierzu der Gemeinsame Technische Ausschuss (GTA). Entscheidungen wurden nur im Konsens mit bindender Wirkung getroffen. Die deutsche Projektleitung hat alle Verträge geschlossen, die Zahlungsbedingungen gestaltet und die Mittel zur Finanzierung der Arbeiten freigegeben.

3. Ausführungsebene

Deutsche und russische Unternehmen erbrachten auf der Grundlage der Verträge Lieferungen und Leistungen. In die Vertragsbeziehungen zu russischen Auftragnehmern war die jeweilige russische Projektleitung eingebunden. Die abgeschlossenen Verträge basierten auf Ausschreibungen und die darin festgelegten Erfüllungsetappen wurden durch die EWN festgelegt. Die deutsche Projektleitung und die der russischen Seite entwickelten gemeinsam die Konzepte, führten das Projektmanagement hinsichtlich der Projektierung und Auftragsvergabe an deutsche und russische Firmen durch, überwachten den Bau und nahmen gemeinsam die erbrachten Lieferungen und Leistungen ab.

Aufgrund der zwischen der deutschen und russischen Seite vereinbarten Projektstruktur erfolgte durch die EWN grundsätzlich erst die Bezahlung, wenn EWN die erbrachten Leistungen an den russischen Realisierungsorten des Projektes abgenommen und als erfüllt bewertet hatte. Die EWN war 14-tägig vor Ort vertreten. Der geregelte Zutritt von Vertretern der deutschen Seite in das militärische Sperrgebiet (Nerpa-Werft und Saida-Bucht), festgelegt im Abkommen vom 9. Oktober 2003, war damit Voraussetzung für die kontinuierliche Abnahme vor Ort und den stetigen Projektfortschritt.

Neben der Kontrolle durch das BMWi erfolgte auch ein zusätzliches unabhängiges Monitoring zu technischen und finanziellen Aspekten durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin (nur zeitweilig) und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Chemnitz. Dieses System gewährleistete eine ausschließlich zweckgebundene und wirtschaftliche Verwendung der Projektmittel.

Weiterführende Informationen

Im Rahmen der im Juni 2002 vereinbarten „Globale Partnerschaft gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und -materialien“ hat die Bundesrepublik Deutschland das Projekt „Sichere Entsorgung von Atom-U-Booten der Russischen Föderation“ übernommen und in enger Kooperation zwischen deutschen und russischen Partnern unter der Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums Ende 2016 erfolgreich abgeschlossen.

Deutschland stellte für die Entsorgung russischer Atom-U-Boote mit folgenden Teilprojekten 600 Millionen Euro zur Verfügung: Verbesserung der Infrastruktur der „Nerpa-Werft“ (Zeitraum 2003–2010, ca. 71 Millionen Euro), die Errichtung eines Langzeitzwischenlagers für Reaktorsektionen von Atom-U-Booten in der Saida-Bucht (Zeitraum 2004–2011, ca. 228 Millionen Euro), die Herstellung eines ökologisch unbedenklichen Zustandes in der Saida-Bucht (Zeitraum 2005–2006, ca. 2 Millionen Euro), die Errichtung eines Regionalen Entsorgungszentrums in der Saida-Bucht (Lagerkapazität 100.000 m³) (Zeitraum 2006–2016, ca. 279 Millionen Euro) sowie die Unterstützung der U-Boot-Entsorgung in Fernost-Russland (Zeitraum 2006–2016, ca. 6,3 Millionen Euro). Die mit dem bilateralen Abkommen festgelegten Projektaufgaben wurden termingerecht und im Kostenrahmen umgesetzt.

Mit dem Langzeitzwischenlager und dem Entsorgungszentrum zur Behandlung und Lagerung von radioaktiven Abfällen in der Nähe von Murmansk ist das Risiko der Verbreitung von Kernmaterialien und radioaktiven Materialien sowie von Umweltschäden erheblich reduziert worden.

Dieses deutsch-russische Großprojekt wird innerhalb der Globalen Partnerschaft als Modell- und Vorzeigeprojekt angesehen und bildet einen wesentlichen Baustein für die Abrüstung von Atom-U-Booten im Nordwesten Russlands. Dies verdeutlicht der von der Europäischen Bank für Wiederaufbau (EBRD) in London aufgestellte Entsorgungsplan für alle nuklearen Altlasten in Nordwestrussland (Strategischer Masterplan II).

Weiterführende Informationen

Projektergebnisse

Weiterführende Informationen

Infografiken

  • Infografik - Konventionelle Energieträger

    Infografik: Strategischer Masterplan II der Europäischen Bank für Wiederaufbau (SMP II)

    Öffnet Einzelsicht
  • Infografik - Rüstungsexportkontrolle

    Infografik: Organigramm des deutsch-russischen U-Boot Projektes

    Öffnet Einzelsicht

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