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Themenseite - Normen und Standards

Standards und Wettbewerb

Einleitung

Netzwerk zu Standards und Wettbewerb; Quelle: iStock.com/Marcello Bortolino

© iStock.com/Marcello Bortolino

Standardisierung und Interoperabilität in den Informations- und Telekommunikationstechnologien (IKT) sind für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) von strategischer Bedeutung. Wer Standards entwickeln und durchsetzen kann, verschafft sich Vorsprünge im internationalen Wettbewerb. Das Bundeswirtschaftsministerium setzt auf offene Standards und Interoperabilität, damit nicht nur die Funktionsfähigkeit komplexer IKT-Systeme, sondern auch der ungehinderte Zugang zu den IKT-Märkten und damit ein fairer Wettbewerb gewährleistet sind. Das BMWi unterstützt daher die Verbreitung von Interoperabilität und offenen Standards. Mit dem Aufbau und dem Betrieb von standardisierten Testumgebungen und anderen Einrichtungen zur Prüfung der Interoperabilität von IKT-Systemen strebt das Bundeswirtschaftsministerium eine - auch internationale - Vorreiterrolle bei der Entwicklung und Verbreitung der hierzu erforderlichen Technologien an.

Standards

Standards können ihre wettbewerbsfördernde Wirkung nur dann entfalten, wenn die Verfahren zu ihrer Anerkennung transparent sind, allen Interessierten zugänglich gemacht werden sowie von allen Beteiligten getragen und unter fairen Bedingungen entwickelt und praktiziert werden. Wettbewerbsbehinderungen durch möglicherweise an dem Standard bestehende Schutzrechte (IPR) sind dabei auszuschließen bzw. diese Mitwettbewerbern unter fairen Lizensierungsbedingungen (FRAND) zugänglich zu machen. 

Die Bundesregierung unterstützt den Einsatz offener Standards in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Offene Standards ermöglichen das Zusammenwirken verschiedener Technologien und Komponenten in vernetzten Systemen, z.B. in cyber-physischen Systemen (CPS) oder der Industrie 4.0, und erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft insgesamt, insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen, auf den internationalen Märkten.

Interoperabilität

Eine der Hauptbarrieren für die Funktionsfähigkeit komplexer IKT-Systeme und für den Wettbewerb in der IKT-Branche insgesamt ist die mangelnde Interoperabilität der jeweils beteiligten Einzelkomponenten. Begünstigt durch dieses Defizit werden i.d.R. die Anbieter, deren Systeme den Markt bestimmen. Hier ist Interoperabilität ein wichtiger Mechanismus, bestehende wirtschaftlich-technische Abhängigkeiten vor allem für die deutsche, vorwiegend mittelständische Softwareindustrie abzubauen und Kosten für Lizenzen zu senken. Aber auch durch die Implementierung von Schnittstellen können Produkte fachübergreifend eingesetzt werden und dadurch neue Impulse in der herkömmlichen Industrie schaffen. 

Für die öffentliche Verwaltung ist Interoperabilität ein geeignetes Instrument, durch mehr Wettbewerb die Kosten der Beschaffung von IKT-Produkten und -Dienstleistungen zu verringern, da sich die Zahl der Auswahlalternativen am Markt durch Interoperabilität erhöht. 

Open Source

Open Source Software (OSS) hat sich zu einer neuen, praxistauglichen und wettbewerblichen Alternative auf den Softwaremärkten entwickelt. Durch OSS wird der Wettbewerb mit herkömmlichen Lizenzmodellen gestärkt und die Konzentrationswirkung auf bestimmte Hersteller verringert. Neben den ökonomischen Aspekten ist die überprüfbare Sicherheit ein wesentlicher Vorteil der OSS. Erst durch öffentlich einsehbare Quellcodes ist es möglich, eventuelle Sicherheitslücken zu entdecken und zu beheben. Das dient nicht nur der Zuverlässigkeit bzw. Betriebssicherheit der IKT, sondern insbesondere auch dazu, das Vertrauen der Verbraucher und der Industrie in die zunehmend digitalisierte Welt zurück zu gewinnen.

Nach seiner dynamischen Entwicklung während der letzten Jahre steht das Internet heute vor seinen nächsten Evolutionsschritten. Neue Anwendungsfelder wie das Internet der Dinge, das Internet der Dienste oder Smart Home und Smart Metering enthalten enorme Potenziale für Wirtschaft und Verbraucher, die es für mehr Wachstum und Beschäftigung in Deutschland zu heben gilt. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist insbesondere eine quasi unbegrenzte Anzahl von Adressen des Internetprotokolls. Das gegenwärtig noch überwiegend eingesetzte Internetprotokoll Version 4 (IPv4) genügt dieser Anforderung nicht mehr, da die dort originär vorhandenen Adressvorräte - vor allem mit Blick auf die neuen Anwendungsfelder - nur noch sehr begrenzt verfügbar sind.

Mit der Einführung des Nachfolgeprotokolls IPv6 kann diese Problematik gelöst werden, indem für jede Anwendung und jedes Gerät im Internet eine Internetadresse eindeutig zugeordnet werden kann. Gleichzeitig wird es damit möglich, das dem Internet ursprünglich zugedachte Ende-zu-Ende-Paradigma wiederherzustellen. Dies eröffnet Chancen für neue Geschäftsmodelle, insbesondere für eine übergreifende Vernetzung von Produzenten, Prozessen und Produkten, den cyber-physischen Systemen (CPS) oder für die Industrie 4.0. Denn IPv6 erlaubt es, jedes CPS weltweit eindeutig anzusprechen. Gleichzeitig darf jedoch der Blick auf die Datensicherheit nicht verloren gehen; IPv6 bedarf hier entsprechender Sicherungsmechanismen.

Gegenwärtiger Stand der Umstellung auf IPv6

Weltweit hat die Umstellung auf den neuen Internetstandard IPv6 längst begonnen. Vorreiter waren Asien und die USA, inzwischen ist die Umstellung auch in Europa angelaufen. IPv6-Tage in den Jahren 2011 und 2012 haben Verfügbarkeit und Stabilität des neuen Internetprotokolls demonstriert. Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland hier gute Fortschritte bei der Nutzung des IPv6-Protokollstandards erreicht hat und stabile, technische Lösungen inzwischen verfügbar sind. Jedoch stehen offenbar die Unternehmen in Deutschland dem Thema IPv6 noch zurückhaltend gegenüber, dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Firmen. Die insgesamt noch unüberschaubare Lage in Deutschland kann auf vielfältige Einflussfaktoren und unterschiedliche Interessenlagen der mit dem Internet und seinen Anwendungen befassten Akteure zurückgeführt werden.

Zum aktuellen Stand der Einführung des Internetprotokollstandards IPv6 in der deutschen Wirtschaft hat die Unternehmensberatung Cassini Consulting Frankfurt GmbH eine Befragung unter deutschen Unternehmen mit insgesamt 834 Teilnehmern aus allen Branchen durchgeführt. Wesentliches Ergebnis der Umfrage ist, dass bereits ein Drittel der befragten Unternehmen Erfahrungen mit der Einführung von IPv6 hat und davon die Hälfte IPv6 flächendeckend einsetzt. Weitere Einzelheiten sind in der Studie "IPv6-Strategien in deutschen Unternehmen (PDF 808)", die von Cassini am 24. Oktober 2014 in Frankfurt/Main der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, verfügbar.

Ausblick und weiteres Vorgehen zu IPv6 in Deutschland

Angesichts dieser noch heterogenen Lage beim Übergang auf den neuen IPv6-Standard hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Januar 2012 den Workshop "Das Internetprotokoll Version 6 (IPv6) - Chancen und Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland" veranstaltet. Ziel des IPv6-Workshops war es, einen Beitrag zur Identifizierung und Klärung zentraler Fragestellungen beim Übergang auf den IPv6-Standard zu leisten, insbesondere

  • einen Überblick über alle Aktivitäten - einschließlich des aktuellen Umstellungsstandes - im Bereich IPv6 in Deutschland zu geben,
  • die Auswirkungen der IPv6-Umstellung auf die künftigen technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen für den IKT-Standort Deutschland auszuloten und
  • eine Plattform zum Austausch wichtiger Akteure im Bereich IPv6 in Deutschland zu bilden.

Die Ergebnisse dieses Workshops sind in einem Abschlussbericht des Bundeswirtschaftsministeriums zusammengefasst und mit den Diskussionsthesen verfügbar. An der Umsetzung der auf dem Workshop identifizierten und unverändert aktuellen Handlungsempfehlungen wird von den Akteuren in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung sowie Forschung weiter gearbeitet.

Unterstützung für Unternehmen

Das Bundeswirtschaftsministerium hat mit dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) am Fraunhofer-Institut FOKUS gemeinsam einen Workshop "IPv6 - Chancen und Herausforderungen für Unternehmen (KMU)" am 27. Mai 2014 im BMWi durchgeführt. Unternehmen, IT-Dienstleistern und ihren Verbänden wurde öffentlich verfügbares Informationsmaterial zur IPv6-Einführung vorgestellt, wie die Informationen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder Materialien zur Einführung von IPv6 in der öffentlichen Verwaltung. In Arbeitsgruppen wurden die spezifischen Bedürfnisse von Unternehmen bei einem Umstieg auf den Internetprotokollstandard IPv6 diskutiert und analysiert, um darauf aufbauend zielgruppenspezifische Informationsmaterialien zu IPv6 für kleine und mittlere Unternehmen weiterzuentwickeln. Die Materialien des Workshops und eine umfangreiche Linkliste zu IPv6-Informationen finden sich hier.

Publikationen

Workshop

  • Veranstaltung -

    Veranstaltung: IPv6 - Chancen und Herausforderungen für Unternehmen (KMU)

    27.05.2014
    Berlin

    Öffnet Einzelsicht

Der Beirat für Standardisierung in der Informations- und Kommunikationstechnologie (BSIKT) ist ein beratendes und meinungsbildendes Gremium zu Fragen der Normung und Standardisierung, dies vor allem zur Wahrnehmung der Mitgliedschaften des Bundeswirtschaftsministeriums und der Bundesnetzagentur in der Internationale Fernmeldeunion (ITU-T) und im European Telecommunications Standards Institute (ETSI) aber auch im Hinblick auf Entwicklungen in anderen Normungs-, Standardisierungs- und Spezifikationsorganisationen.

Die Wurzeln des BSIKT reichen zurück bis in die Zeit des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation. Der BSIKT wurde 1992 als Beirat für Standardisierung in der Telekommunikation und für Funkfragen (BSTF) gegründet. Seit 2011 trägt er den Namen Beirat für Standardisierung in der Informations- und Kommunikationstechnologie (BSIKT).

Aktuelle Themen:

  • Referenzierungen in Normen und Standards
  • Transparenz zu Standardisierungsaktivitäten im Bereich e-energy/smartgrid

Der BSIKT arbeitet mit dem FOCUS.ICT des Deutschen Instituts für Normung e.V. (DIN) zusammen. FOCUS.ICT ist ein Präsidialausschuss des DIN und umfasst die projektbezogene Umsetzung der Deutschen Normungsstrategie im ICT-Bereich. Der BSIKT nimmt an den Sitzungen des FOCUS.ICT teil.

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