Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

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  • Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung. Im Jahr 2017 nahm das Bruttoinlandsprodukt stärker zu als in den vorangegangen Jahren. Auch im vierten Quartal entwickelte sich das BIP ordentlich.
  • Die Auftragseingänge in der Industrie erzielten im Dezember neue Rekordwerte. Die Produktion hat sich im Dezember leicht verringert, bleibt aber in der Tendenz ebenfalls aufwärtsgerichtet.
  • Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte war im vierten Quartal weniger dynamisch als in den Vorquartalen. Die Anschaffungsneigung der Konsumenten und die Stimmung im Handel bleiben aber positiv.
  • Die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften in weiten Teilen der Wirtschaft sorgt für eine Beschäftigung auf Rekordniveau und in manchen Regionen für Vollbeschäftigung. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind weiterhin rückläufig. Herausforderungen beispielsweise beim Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit bleiben bestehen.

Das Bruttoinlandsprodukt ist im Jahr 2017 preisbereinigt um 2,2 Prozent und damit stärker als in den fünf vorangegangen Jahren gewachsen. [1] Allerdings hat zum Jahresende 2017 die konjunkturelle Dynamik geringfügig nachgelassen. Mit 0,6 Prozent nahm das Bruttoinlandsprodukt im Jahresschlussquartal 2017 etwas weniger zu als im leicht abwärts revidierten Vorquartal (+0,7 Prozent), wuchs damit aber immer noch ordentlich. [2] Hierzu hat beigetragen, dass die Produktion in der Industrie im vierten Quartal weniger stark expandierte als zuvor und der Bau anscheinend an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Getragen wurde das Wachstum im vierten Quartal vor allem vom Außenhandel und den Investitionen in Ausrüstungen. Die sehr aufgehellten Stimmungsindikatoren und die rege Nachfrage aus dem Ausland nach deutschen industriellen Gütern deuten aber darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft gut in das Jahr 2018 startet. Bei weiter gestiegener Kapazitätsauslastung in der Industrie sollte die hohe Auslandsnachfrage auch die heimischen Investitionen in Ausrüstungen stimulieren. In Anbetracht guter außenwirtschaftlicher Rahmenbedingungen einschließlich eines günstigen Finanzierungsumfelds dürfte sich der solide Aufschwung auf einer breiten binnen- und außenwirtschaftlichen Basis fortsetzen. Allerdings wird in einigen Segmenten des Arbeitsmarktes die Knappheit an Fachkräften spürbarer.

Die Weltwirtschaft entwickelt sich weiter dynamisch. Die weltweite Industrieproduktion lag im November 2017, dem aktuellsten vorliegenden Wert, um 3,3 Prozent und der Welthandel um 3,8 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr. Die globalen Stimmungsindikatoren spiegeln Optimismus wider. Von der US-amerikanischen Steuerreform dürften national zusätzliche konjunkturelle Impulse ausgehen. Auf längerfristige Sicht muss sich erweisen, ob die Reform auch Wachstumswirkungen entfaltet und wie sie sich auf den internationalen Standortwettbewerb auswirkt. In den Industriestaaten insgesamt setzte sich der konjunkturelle Aufschwung fort. Im Euroraum und in den Vereinigten Staaten nahm das BIP im vierten Quartal jeweils um 0,6 Prozent zu. In Japan war im dritten Quartal ein Plus von 0,6 Prozent ermittelt worden. Von den Schwellenländern verzeichnen China und Indien weiter eine starke wirtschaftliche Entwicklung und Russland und Brasilen haben ihre Rezession überwunden. Angesichts des stärkeren Wachstums in großen Wirtschaftsräumen dürfte sich die Weltkonjunktur im laufenden Jahr 2018 insgesamt weiter leicht beschleunigen.

Die verbesserten außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stützen die deutschen Ausfuhren. Nach der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank nahmen die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen im Dezember 2017 in jeweiligen Preisen leicht um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat ab. Im weniger schwankungsanfälligen Quartalsvergleich hat sich der Zuwachs auf 2,6 Prozent ausgedehnt. Die Einfuhren sanken im Dezember ebenfalls leicht (-0,2 Prozent). Im Quartalsvergleich ergab sich aber auch bei den Einfuhren ein Anstieg um 2,4 Prozent. Der Leistungsbilanzüberschuss im Gesamtjahr 2017 lag etwas unter dem Niveau des Vorjahres. Die positiven Signale der nationalen Indikatoren zur Außenwirtschaft deuten auf eine weitere Expansion der deutschen Exporte hin.

Die Industrieproduktion ging im Dezember leicht zurück (-0,7 Prozent). Im vierten Quartal insgesamt konnte die Industrie jedoch einen soliden Anstieg um 0,9 Prozent verbuchen. Die Auftragseingänge haben am Ende des Jahres wieder deutlich angezogen (Dezember: +3,8 Prozent) und erreichten einen neuen Rekordwert. Die positive Entwicklung lässt sich insbesondere bei den Investitionsgütern beobachten. Im Schlussquartal 2017 legten die Auftragseingänge um 4,2 Prozent zu. Vor allem die rege Nachfrage aus dem Euroraum sorgte für volle Auftragsbücher und gute Stimmung in den Unternehmen. Die deutsche Industrie dürfte stark in das Jahr 2018 starten.

Der private Konsum bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur, aktuelle Indikatoren deuten aber weiterhin auf eine etwas nachlassende Wachstumsdynamik hin. Die Umsätze im Einzelhandel sind im Dezember um 1,9 Prozent zurückgegangen und stagnierten damit im vierten Quartal. Die Zahl der Neuzulassungen von Kraftfahrzeugen ist demgegenüber sowohl im vierten Quartal 2017 als auch im Januar deutlich höher als vor einem Jahr. Insgesamt bleibt die Stimmung im Handel ausgesprochen gut. Das ifo Geschäftsklima für den Einzelhandel hat sich im Januar zwar geringfügig verschlechtert, befindet sich jedoch weiterhin über seinem langjährigen Durchschnitt.

Die positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt hielten an. Im gesamten Jahresverlauf 2017 stieg die Beschäftigung saisonbereinigt von Monat zu Monat an, während sich die Arbeitslosigkeit saisonbereinigt fast jeden Monat verringerte. Im Dezember 2017 erhöhte sich die Erwerbstätigkeit saisonbereinigt um 67.000 Personen. Die Entwicklung bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verläuft noch dynamischer. Die einschlägigen Frühindikatoren von BA, ifo und IAB signalisieren, dass die anhaltend hohe Nachfrage nach Arbeitskräften in weiten Teilen der Wirtschaft anhalten wird. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Januar leicht unterstützt durch die milde Witterung saisonbereinigt um 25.000; sie liegt nach Ursprungszahlen unter 2,6 Millionen Personen. Zukünftig könnte sich der von den Arbeitsagenturen prognostizierte leichte Abbau der Arbeitslosigkeit etwas verlangsamen, da mehr Personen mit Migrationshintergrund auf den Arbeitsmarkt drängen. Zudem bleiben ungeachtet der jüngsten positiven Entwicklungen weitere Herausforderungen, wie die Eindämmung der Langzeitarbeitslosigkeit und die höhere Arbeitslosigkeit in strukturschwachen Gebieten, bestehen.

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Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der März-Ausgabe des Monatsberichts „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 10. Kalenderwoche 2018 auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 14. Februar 2018 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Daten.
[2] Schnellmeldung des statistischen Bundesamtes zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2017 vom 14. Februar 2018.