Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

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  • Die deutsche Wirtschaft hat ihr kräftiges Wachstumstempo im zweiten Quartal nahezu beibehalten. Die Impulse kamen von der binnenwirtschaftlichen Seite.
  • Das Wachstum im Produzierenden Gewerbe bleibt in der Tendenz spürbar aufwärtsgerichtet, auch wenn es im Juni seine Erzeugung etwas einschränkte. Das Geschäftsklima in der Wirtschaft ist ausgezeichnet.
  • Die Verbraucherpreise haben sich vor dem Hintergrund stabiler Energiepreise normalisiert. Die Kauflaune der Verbraucher bleibt dennoch ungebrochen.
  • Der Beschäftigungsaufbau setzt sich weiter fort. Auch Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind in der Tendenz rückläufig. Dennoch bleiben strukturelle Herausforderungen am Arbeitsmarkt zu bewältigen.

Der wirtschaftliche Aufschwung der deutschen Wirtschaft setzte sich im zweiten Vierteljahr 2017 mit fast unveränderter Dynamik kräftig fort. [1] Wachstumstreiber war die Binnenwirtschaft. Vor allem die privaten und die staatlichen Konsumausgaben nahmen zu. Aber auch die Investitionen in Ausrüstungen und in Bauten wurden ausgeweitet. Die Stimmung in der Wirtschaft ist ausgezeichnet. Das ifo Geschäftsklima für die Gewerbliche Wirtschaft erreichte im Juli ein Allzeithoch seit der Wiedervereinigung. Auch der IHS Markit Einkaufsmanager-Index strahlt Zuversicht aus. Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe ist im Juni nach fünf Monaten mit Zuwächsen zwar leicht zurückgegangen, bleibt in der Tendenz aber deutlich aufwärtsgerichtet. Die ansteigenden Aufträge in der Industrie deuten auf ein Produktionswachstum auch im dritten Vierteljahr hin. Die Beschäftigung nahm im Juni weiter kräftig zu, auch wenn die Dynamik der Monate um den Jahreswechsel nicht erreicht wurde. Die positive Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung stützt den Einzelhandel und den privaten Konsum insgesamt. Die deutschen Ausfuhren profitieren von der leichten Belebung des Welthandels. Allerdings wurde im zweiten Quartal die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund des gleichfalls starken Importwachstums per Saldo vom Außenhandel etwas gebremst.

Die Weltwirtschaft entwickelte sich im ersten Halbjahr 2017 robust. Die globale Industrieproduktion ist seit Oktober 2016 aufwärtsgerichtet. Die Dynamik in den asiatischen Schwellenländern ist hoch, aber auch in den entwickelten Volkswirtschaften kam Fahrt auf. Die globalen Stimmungsindikatoren zeigen einen zunehmenden Optimismus. Die Konjunkturerwartungen für den Euroraum haben sich weiter aufgehellt. In den Vereinigten Staaten hat sich das Wachstum nach dem schwachen ersten Quartal normalisiert. Das Wirtschaftswachstum in Japan ist im zweiten Quartal überraschend hoch ausgefallen. Von den Schwellenländern verzeichnete China wieder ein stabileres Wachstum. Mit den anziehenden Rohstoffpreisen hat Russland die Rezessionsphase überwunden und Brasilen dürfte dies im laufenden Jahr ebenfalls gelingen. Insgesamt wird daher das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr höher ausfallen als im Vorjahr. Der IWF, wie andere Organisationen zuvor, erwartet in seinem Ausblick vom Juli weiterhin ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,5 %.

Die deutschen Ausfuhren bleiben in der Tendenz aufwärtsgerichtet. Nach vorläufigen Ergebnissen aus der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank gingen die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen im Juni 2017 in jeweiligen Preisen zwar um 1,7 % gegenüber dem Vormonat zurück. Im aussagekräftigeren Quartalsvergleich legten sie jedoch um 0,9 % zu. Die Einfuhren sanken im Juni mit 4,7 % deutlicher als die Ausfuhren. Im Quartalsvergleich kam es zu einem Anstieg um +1,8 %, womit sie sich hier stärker als die Ausfuhren erhöhten. Der seit Mitte 2016 andauernde Trend leicht sinkender Leistungsbilanzüberschüsse setzte sich fort. Die nationalen Indikatoren zur Außenwirtschaft sowie die weltwirtschaftliche Belebung lassen eine weitere moderate Expansion der deutschen Exporte erwarten.

Die deutsche Industrie zeigt sich in einer guten Verfassung. Die Produktion ist im Juni im Vergleich zum Vormonat zwar um 1,4 % gesunken, zuvor war sie jedoch fünf Mal in Folge gestiegen. Daher ist in der Quartalsbetrachtung (+1,3 %) die Dynamik so hoch wie schon im ersten Quartal. Die Belebung erfasst nahezu alle Wirtschaftsbereiche. Die positiven Umsatzzahlen bestätigen dieses Bild. Die Frühindikatoren lassen weiteres Wachstum erwarten, z.B. erreichte das ifo Geschäftsklima historische Höchststände. Auch die Auftragseingänge scheinen nicht mehr nur seitwärts zu verlaufen, sodass die Industriekonjunktur in den nächsten Monaten spürbar aufwärtsgerichtet bleiben dürfte. Die Bauproduktion bewegt sich am aktuellen Rand den statistischen Daten zufolge auf hohem Niveau eher seitwärts, hat aber wohl auch im zweiten Quartal insgesamt einen Wachstumsbeitrag geliefert. Angesichts des baufreundlichen wirtschaftlichen Umfelds bleibt die Stimmung in der Branche überdurchschnittlich gut, wobei auch die Geschäftserwartungen wieder zuversichtlicher gesehen werden.

Angesichts der positiven Beschäftigungsentwicklung und der in der Gesamtschau positiven Einkommensentwicklung stellt der private Konsum auch im zweiten Quartal 2017 einen wesentlichen Pfeiler der Konjunktur dar. Die Umsätze im Einzelhandel sind im Juni um 1,1 % gestiegen. Für das zweite Quartal ergibt sich damit ein deutliches Plus von 1,4 %. Die Erlöse im Kfz-Handel nahmen im Mai um 3,1 % zu und entwickeln sich in der Tendenz ebenfalls positiv. Die Normalisierung der Verbraucherpreise, die im Juli 1,7 % über dem Vorjahresniveau lagen, scheint die Kauflaune der Verbraucher nicht zu bremsen. Das Konsumklima kletterte im August auf einen neuen Rekordstand und auch die Stimmung unter den Einzelhändlern ist überdurchschnittlich gut.

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich insgesamt weiterhin positiv und auch der Ausblick stimmt zuversichtlich. Der monatliche Anstieg der Erwerbstätigkeit ist seit Februar etwas schwächer als in den drei Monaten zuvor. Im Juni erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen im Inland saisonbereinigt um 46.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen waren fast 44,4 Mio. und damit 1,5 % mehr Personen als vor einem Jahr erwerbstätig. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im Mai (+75.000 Personen), nach schwächeren Zuwächsen im März und April, wieder stärker als die Erwerbstätigkeit. In nahezu allen Wirtschaftsbereichen werden Mitarbeiter gesucht. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind im Juli mit Beginn der Sommerferien leicht angestiegen. Nach den Ursprungszahlen waren knapp 2,52 Mio. Personen arbeitslos gemeldet, 143.000 weniger als vor einem Jahr. Bereinigt um die Saisoneffekte waren Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung jedoch etwas niedriger als im Juni. Die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes insgesamt darf aber nicht über die bestehenden Herausforderungen hinwegtäuschen. So sind die regionalen Unterschiede bei der Arbeitslosigkeit weiterhin sehr groß. Zudem stellen der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit, von der im Juli noch immer knapp 900.000 Personen betroffen waren, sowie die Integration der Flüchtlinge nach wie vor erhebliche Herausforderungen dar.

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Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der September-Ausgabe des Monatsberichts „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 35. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 15. August 2017 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Daten.