Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage.

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  • Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Aufschwung im zweiten Quartal fort.
  • Die Industrie weitete die Erzeugung den vierten Monat in Folge aus. Die Erzeugung im Baugewerbe hält ihr Niveau nach den deutlichen Zuwächsen in den Vormonaten. Das Geschäftsklima in der Wirtschaft befindet sich auf Rekordniveau.
  • Der Beschäftigungsaufbau setzt sich dynamisch fort. Angesichts der weiter zurückgehenden Arbeitslosigkeit verläuft die Reallohnentwicklung vergleichsweise schwach und die Zahl der atypisch Beschäftigten bleibt hoch.
  • Die privaten und staatlichen Konsumausgaben nehmen auch real spürbar weiter zu.

Die deutsche Wirtschaft setzt auch im zweiten Vierteljahr 2017 ihren Aufschwung fort. [1] Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe stieg im April erneut an und übertraf das gute Ergebnis des ersten Quartals. Die Beschäftigung nimmt weiter schwungvoll zu. In nahezu allen Wirtschaftsbereichen werden neue Stellen geschaffen. Nachfrageseitig wird die wirtschaftliche Dynamik zuletzt vor allem von den Investitionen getragen, aber auch die privaten und staatlichen Konsumausgaben stützen weiterhin das Wachstum der deutschen Wirtschaft. Die leichte weltwirtschaftliche Belebung unterstützt die Exportentwicklung und liefert bei schwächer zunehmenden Importen zusätzliche Wachstumsimpulse.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich insgesamt etwas aufgehellt. Die weltweite Industrieproduktion ist weiter aufwärtsgerichtet, was vor allem auf die Schwellenländer zurückgeht. Die Konjunkturerwartungen für den Euroraum haben sich zuletzt etwas aufgehellt. Trotz eines schwachen ersten Quartals 2017 dürfte das Bruttoinlandsprodukt in den USA im laufenden Jahr stärker zunehmen als im Vorjahr. Das Wirtschaftswachstum in Japan bleibt moderat. Von den Schwellenländern verzeichnete China zuletzt wieder ein konstantes Wachstum, mit den anziehenden Rohstoffpreisen dürften auch Russland und Brasilien ihre Rezessionen verlassen und in diesem Jahr ein positives Wirtschaftswachstum erzielen. Insgesamt wird daher das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr etwas höher ausfallen als im Vorjahr. Die OECD etwa erwartet in ihrer Prognose vom Juni ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,5 %, wobei die Prognose seit Jahresbeginn etwas angehoben wurde.

In dem sich leicht belebenden globalen Umfeld bleiben die deutschen Ausfuhren aufwärtsgerichtet. Zwar blieben nach den vorläufigen Ergebnissen aus der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank die Ausfuhren an Waren und Dienstleistungen im April 2017 auf Vormonatsniveau (+0,0 %), im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich nahmen sie aber nominal um 2,4 % zu. Die Einfuhren stiegen im April um 0,4 %. Im Dreimonatsvergleich erhöhten sie sich nominal etwas weniger stark als die Ausfuhren um 0,9 %. Der seit Mitte 2016 andauernde Trend sinkender Leistungsbilanzüberschüsse setzt sich damit weiter fort. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die nationalen Indikatoren zur Außenwirtschaft deuten weiter auf eine moderate Expansion der deutschen Ausfuhren hin.

Das Produzierende Gewerbe dehnte im April (+0,8 %) seine Produktion aus. Die Industrie (+0,4 %) produzierte den vierten Monat in Folge mehr als im Vormonat. Getragen wurde dies im April durch Produktionszuwächse bei den Herstellern von Vorleistungsgütern (+1,0 %) und Investitionsgütern (+0,3 %). Die Bauproduktion hingegen (-0,1 %) bewegte sich nach einem sehr kräftigen Zuwachs im ersten Quartal weitgehend seitlich. Insgesamt erhöhte sich auch im Dreimonatsvergleich die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe gegenüber dem Vorzeitraum kräftig um 2,3 %. Die Industrieproduktion nahm um 1,8 % und die Bauproduktion um 8,8 % zu. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe waren im April eher schwach (-2,1 %), was auf den geringen Umfang an Großaufträgen zurückgeführt werden kann. Im Dreimonatsvergleich hingegen entwickelten sich die industriellen Auftragseingänge leicht positiv (+0,8 %). Insgesamt deuten die Auftragseingänge, die nochmals verbesserten Stimmungsindikatoren sowie die Beschäftigungsentwicklung im Verarbeitenden Gewerbe auf eine weiter aufwärtsgerichtete Industriekonjunktur hin. Im Baugewerbe sollte sich angesichts der unterstützenden Rahmenbedingungen, der Auftragssituation und des guten Geschäftsklimas die dynamische Konjunktur ebenfalls fortsetzen.

Der private Konsum bleibt trotz der Normalisierung bei den Verbraucherpreisen weiterhin sehr robust. Im April sind die Umsätze im Einzelhandel geringfügig gesunken, sie sind dennoch höher als im Durchschnitt des ersten Quartals und 2 % stärker als vor einem Jahr. Die Umsätze im Kfz-Handel entwickeln sich in der Tendenz weiter dynamisch. Nach einem sehr kräftigen Anstieg im Februar um 3,0 % sind die Umsätze mit Kfz im März nur leicht um 0,4 % gesunken. Der Private Konsum sollte weiter robust expandieren. So hat sich z. B. auch die Stimmung der Verbraucher im Mai erneut verbessert.

Am Arbeitsmarkt setzte sich die positive Gesamtentwicklung fort. Die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahmen weiter kräftig zu. Im April erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen im Inland saisonbereinigt um 31.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen waren 44,0 Mio. bzw. 1,5 % mehr Personen als vor einem Jahr erwerbstätig. Noch deutlicher nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu. Im März wurde der Vorjahresstand um 2,4 % überschritten. In nahezu allen Wirtschaftsbereichen entstehen derzeit zusätzliche Stellen. Die Frühindikatoren deuten weiterhin auf eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften hin. Die Arbeitslosigkeit sank im Mai saisonbereinigt um 9.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen ging die Arbeitslosigkeit auf knapp 2,5 Mio. Personen zurück. Vor einem Jahr wurden im Mai noch 166.000 Arbeitslose mehr ausgewiesen. Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit dürfte den Frühindikatoren zufolge in den nächsten drei Monaten weiter leicht zurückgehen.

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Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Juli-Ausgabe des Monatsberichts „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“ veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 26. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 12. Juni 2017 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Daten.