Strommasten, Stromnetz zum Thema Reform des Strommarktes.

© BMWi/Holger Vonderlind

Die dänischen und deutschen Ministerien für Wirtschaft und Energie sowie die jeweiligen Regulatoren haben sich darauf verständigt, den Stromhandel zwischen beiden Ländern zu stärken.

In den letzten Jahren konnte nur wenig Strom von Dänemark nach Deutschland gehandelt werden. Grund dafür war, dass der Netzausbau nicht mit dem Ausbau an Erneuerbaren Energien in der Region Schritt halten konnte. Dies hat zu reduzierten Handelskapazitäten geführt.

Dänemark und Deutschland haben sich nun auf eine Lösung geeinigt, die schrittweise wieder mehr Handel zwischen beiden Ländern ermöglicht und gleichzeitig die Netzsicherheit gewährleistet. Langfristiges Ziel der Einigung ist es, die grenzüberschreitenden Leitungen vollständig für Stromhandel zu nutzen, sobald die internen Netzengpässe beseitigt wurden.

Im Übergangszeitraum soll die Handelskapazität zwischen beiden Ländern schrittweise erhöht werden („phase-in-Ansatz“). Dazu wurden sogenannte Mindesthandelskapazitäten vereinbart, die jährlich ansteigen sollen.

Zu der Einigung mit Dänemark erklärte der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Rainer Baake: „Die Einigung mit Dänemark ist ein wichtiger Schritt für den europäischen Binnenmarkt und für die Kooperation mit unseren Nachbarländern. Dänemark ist einer unserer wichtigsten Partner, um die Energiewende und den Binnenmarkt in Europa voran zu bringen. Deshalb ist es besonders erfreulich, dass wir die Situation an der deutsch-dänischen Grenze lösen konnten. Von dieser Einigung gehen zwei wichtige Signale aus: Erstens geht Deutschland die Herausforderungen beim Netzausbau in enger Absprache mit den Nachbarländern an und löst sie nicht zulasten des Handels mit den Nachbarn. Wir müssen sicherstellen, dass sich unsere Nachbarn auf den Handel mit uns verlassen können und wir uns umgekehrt auch auf den Stromhandel mit unseren Nachbarn. Zweitens unternimmt Deutschland enorme Anstrengungen im Netzausbau, um die Energiewende in Deutschland und in Europa voran zu bringen. Aber der Netzausbau braucht Zeit. Diesem Umstand trägt die Einigung Rechnung.“

Der Dänische Minister für Klima, Bau und Energie Lars Christian Lilleholt, sagte zu der Einigung: „Die Einigung ist ein Bekenntnis zur Energieunion auf Basis des Strombinnenmarktes. Dänemark unterstützt die Absicht, einen integrierten Strombinnenmarkt zu errichten, der auf Wettbewerb basiert und darauf, die Ressourcen optimal zu nutzen und Strom frei über die Grenzen handeln zu können. Die Einigung zwischen Dänemark und Deutschland ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Lösung der Herausforderungen, die den Handel zwischen Dänemark und Deutschland beeinträchtigt haben. Aber es ist auch wichtig, dass der Ausbau der Energieinfrastruktur Schritt hält mit der Energiewende und das Potential des grenzüberschreitenden Handels genutzt werden kann. Vor diesem Hintergrund hält Dänemark die Einigung auf ein schrittweises Vorgehen für eine gute Lösung“

Staatssekretär Rainer Baake wies auch auf den Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten Eingung mit Österreich zur Bewirtschaftung der deutsch-österreichischen Grenze hin: „Wir sind dabei, den Stromhandel mit unseren Nachbarn zu verbessern. Dafür ist es wichtig, dass wir alle Grenzen vergleichbar behandeln.“

Die vereinbarte Mindesthandelskapazität an der Deutsch-Dänischen Grenze soll ab Juli 2017 gelten und bis November 2017 schrittweise auf 400 MW ansteigen. Sie soll im Jahr 2018 bei 700 MW liegen. Von Januar bis März 2019 soll sie bei 900 MW liegen und dann auf 1000 MW steigen. Für 2020 wurden eine Mindesthandelskapazität von 1100 MW vereinbart. Dänemark und Deutschland gehen davon aus, dass die Maßnahme nicht mehr als 40 Millionen Euro pro Jahr kosten wird. Sollte sich zeigen, dass diese Kosten überschritten werden, werden sich Dänemark und Deutschland um eine gemeinsame Lösung bemühen.

Sollten die vereinbarten Mindesthandelskapazitäten über das Maß hinaus gehen, das durch das Netz transportiert werden kann, wird ein Gegengeschäft organisiert. So wird ein Minimum an Handel jederzeit gewährleistet, ohne dass die Netze überlastet werden. Mit fortschreitendem Netzausbau in Deutschland werden Netzengpässe reduziert, sodass zukünftig schrittweise mehr Strom über die Grenze gehandelt werden kann.

Die Einigung wird zwischen dem deutschen Bundeswirtschaftsministerium, dem Dänischen Ministerium für Energie, Versorgung und Klima und den beiden Energieregulierungsbehörden Bundesnetzagentur und DERA vereinbart.

Für die Umsetzung sind die insoweit zuständigen Übertragungsnetzbetreiber beider Länder, TenneT und Energienet gemeinsam verantwortlich.

Als nächstes soll die Einigung mit der Europäischen Kommission besprochen werden.

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