Keyvisual Geschichtskommission.

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Die Geschichtskommission beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie übergibt heute ihren Abschlussbericht zur Geschichte des BMWi und seiner Vorgängerinstitutionen an Bundeswirtschaftsminister Gabriel. Die 2011 vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene unabhängige Kommission hat die Geschichte des Ministeriums und der Wirtschaftspolitik in Deutschland in der Zeit von 1917 bis 1990 umfassend aufgearbeitet. Der vorgelegte Bericht umfasst die Gründungsgeschichte des Ministeriums ab 1917, seine Rolle im Dritten Reich und auch die Neuausrichtung im geteilten Deutschland nach 1945. Damit ist dieses Projekt eines der ersten Forschungsvorhaben der Bundesbehörden, das besonders breit, aus einer gesamtdeutschen Perspektive heraus auch die Strukturen in der ehemaligen DDR untersucht hat.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel: "Ich danke der Geschichtskommission für ihre außerordentlich gründliche und an Erkenntnissen reiche Studie. Dabei wird deutlich, wie die furchtbaren Katastrophen in der deutschen Geschichte - zwei verheerende Kriege, das Scheitern der ersten deutschen Demokratie und der nationalsozialistische Völkermord - auch die wirtschaftspolitischen Strategien beeinflusst haben.

Die zwölf Jahre Nazi-Diktatur mit unvorstellbaren Verbrechen und einem verheerenden Krieg bilden dabei den Tiefpunkt. Mitarbeiter des Ministeriums beteiligten sich an der Ausbeutung der besetzten Länder ebenso wie an der Entrechtung und wirtschaftlichen Ausbeutung der jüdischen Minderheit bis hin zur Vernichtung ihrer Existenzgrundlagen. Auch in die Planungen zur Ermordung von dreißig Millionen Menschen im Osten Europas waren Mitarbeiter des Ministeriums verstrickt. Für die meisten Beamten hatte das keine Konsequenzen. Im Gegenteil: Viele der Mitarbeiter des Reichswirtschaftsministeriums tauchen in den Personalverzeichnissen des Bundeswirtschaftsministeriums wieder auf.

Der Bericht zeigt aber auch, dass aus der Katastrophe gelernt wurde. Die Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft wollten eine Ordnung schaffen, in der offener Wettbewerb und soziale Sicherheit in eine Balance kommen. Aus der Sozialen Marktwirtschaft wurde so eine Erfolgsgeschichte der zweiten deutschen Demokratie. Die Väter der Sozialen Marktwirtschaft wollten die Freiheit bewahren und die Demokratie schützen. An diese Tradition sollten wir uns und andere immer selbstbewusst erinnern."

Der Abschlussbericht der Unabhängigen Geschichtskommission wird in vier Bänden unter dem Titel "Wirtschaftspolitik in Deutschland 1917-1990" veröffentlicht. Neben den Mitgliedern der Kommission Professor Albrecht Ritschl, Professor Werner Abelshauser, Professor Stefan Fisch, Professor Dierk Hoffmann und Professor Carl-Ludwig Holtfrerich waren 20 weitere Wissenschaftler als Autoren mit Einzelbeiträgen am Bericht beteiligt; der Präsident des Bundesarchivs, Herr Dr. Hollmann, war zu Fragen des Aktenzugangs beratend eingebunden.

Eine Zusammenfassung des Abschlussberichts finden Sie hier (PDF: 835 KB).