Bundesminister Sigmar Gabriel (Mitte) zur Vorstellung der Herbstprojektion 2016.

Bundesminister Sigmar Gabriel (Mitte) zur Vorstellung der Herbstprojektion 2016

© BMWi/Susanne Eriksson

Die Bundesregierung erwartet in ihrer Herbstprojektion einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von preisbereinigt 1,8 % im Jahr 2016. Im Jahr 2017 wird das Bruttoinlandsprodukt um 1,4 % und im Jahr 2018 um 1,6 % zunehmen. Die Wirtschaftsleistung nimmt im Jahr 2016 voraussichtlich geringfügig stärker und im kommenden Jahr etwas weniger stark zu, als noch im Frühjahr angenommen. Zum relativ kräftigen Wachstum in 2016 haben auch die Anstrengungen zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms sowie der niedrige Ölpreis und Wechselkurs beigetragen. In kalenderbereinigter Betrachtung wird deutlich, dass die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2017 und 2018 etwa entlang ihres Potenzialpfades expandiert. Kalenderbereinigt nimmt das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2016 um 1,8 % und in den Jahren 2017 und 2018 jeweils um 1,6 % zu.

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel: "Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist solide. Die deutsche Wirtschaft behauptet sich damit in einem vor allem außenwirtschaftlich sehr schwierigen Umfeld. Die Weltwirtschaft läuft nach wie vor nicht rund. Hinzu kommen die Folgen der Brexit-Entscheidung, die in weiten Bereichen noch nicht absehbar sind. Kurzfristig sind die konjunkturellen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft aber begrenzt. Dabei gibt es keinen Zweifel: Der Brexit ist für Europa und für Deutschland keine gute Entscheidung, er wird sich mittelfristig auch auf die Wirtschaftsbeziehungen auswirken. Die Unwägbarkeiten sind gestiegen. Auch deswegen bleiben wir bei unserer Projektion dem Vorsichtsprinzip treu und liegen für das laufende Jahr leicht unterhalb der Prognose der Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin erfreulich und unbeeindruckt vom schwachen außenwirtschaftlichen Umfeld. Im Jahr 2018 werden 44,3 Millionen Menschen erwerbstätig sein, noch einmal 1,3 Millionen mehr als noch im Jahr 2015. Die Arbeitslosigkeit wird bis zum Jahr 2018 auf 2,63 Millionen Personen sinken. Dies sind noch einmal etwa 160.000 Arbeitslose weniger als im Jahr 2015. Vor dem Hintergrund der Zuwanderung ist dies keineswegs selbstverständlich. Die steigende Beschäftigung und die gute Lohnentwicklung sorgen bei stabilen Preisen dafür, dass die günstige wirtschaftliche Entwicklung auch bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommt. Unsere wirtschaftliche Stärke hilft uns, die großen Herausforderungen zu meistern, vor denen wir stehen. Sei es, Europa eine neue Wachstumsperspektive zu geben, die Auswirkungen des Brexits zu bewältigen oder um hier bei uns die große Aufgabe anzugehen, Flüchtlinge aus Krisenregionen aufzunehmen, zu integrieren und gleichzeitig die Gesellschaft zusammenzuhalten."

Eckpunkte der Herbstprojektion 2016:

  • In Anlehnung an die Prognosen internationaler Organisationen dürfte das Weltwirtschaftswachstum im diesem Jahr zögerlich bleiben und sich in den kommenden beiden Jahren allenfalls leicht beschleunigen.
  • Der Welthandel expandiert deutlich verhaltener als noch vor der weltweiten Finanzkrise. Das bremst die deutschen Exportmöglichkeiten. Für das laufende Jahr wird mit einem moderaten Zuwachs der Exporte von Waren und Dienstleistungen in Höhe von preisbereinigt 2,3 % und im Jahr 2017 in Höhe von 2,1 % gerechnet. Vor dem Hintergrund etwas verbesserter weltwirtschaftlicher Perspektiven dürften die Exporte im Jahr 2018 mit mit 3,9 % etwas dynamischer zunehmen.
  • Die Importe von Waren und Dienstleistungen werden aufgrund der starken Inlandsnachfrage in den Jahren 2016 bis 2018 etwas kräftiger zunehmen als die Exporte. Vom Außenhandel gehen daher im Projektionszeitraum rein rechnerisch per Saldo in etwa neutrale Impulse aus.
  • Der Saldo der deutschen Leistungsbilanz wird bis zum Jahr 2018 vorwiegend wegen der relativ kräftigen Binnennachfrage um 0,7 Prozentpunkte auf 8,2 % in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt sinken.
  • Die schwache Entwicklung der Weltwirtschaft ist kein ideales Umfeld für Investitionen der exportorientierten Unternehmen in Deutschland. Die Investitionen in Ausrüstungen werden voraussichtlich um 1,4 % in diesem und um 0,7 % im nächsten Jahr daher nur verhalten ausgeweitet. Mit den verbesserten Exportaussichten dürften im Jahr 2018 auch die Ausrüstungsinvestitionen um 2,9 % etwas anziehen.
  • Kräftige Impulse kommen von den Bauinvestitionen insgesamt. Sie werden im Jahr 2016 um 3,3 % und im Jahr 2017 um 2,7 % und im Jahr 2018 um 3,5 % zunehmen. Niedrige Zinsen, die hohe Nachfrage nach Wohnungen und die zunehmenden öffentlichen Investitionen sind die Hauptwachstumstreiber. Die gewerblichen Bauinvestitionen entwickeln sich weiter schwach.
  • Die Rahmenbedingungen für die privaten Haushalte bleiben günstig. Solide Beschäftiungs- und Lohnzuwächse sowie spürbare Rentenerhöhungen ermöglichen bei relativ stabilen Preisen steigende Ausgaben für Wohnbauten und Konsum. Die privaten Haushalte werden im Jahr 2016 real 1,7 % und in den Jahren 2017 und 2018 jeweils 1,3 % mehr konsumieren als im Vorjahr.
  • Die erfreuliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt dürfte anhalten. Dabei wird die Erwerbstätigkeit in diesem Jahr um 515 Tsd., im Jahr 2017 um 420 Tsd. und im Jahr 2018 um 340 Tsd. Personen auf das Rekordniveau von 44,3 Mio. Personen im Jahr 2018 ansteigen.
  • In diesem Jahr wird die Arbeitslosigkeit um 100 Tsd. Personen zurückgehen. Aufgrund der hohen Zuwanderung von Flüchtlingen dürfte sie im Durchschnitt in den kommenden beiden Jahre etwas verlangsamt um jeweils 30 Tsd. Personen sinken.
  • Das Verbraucherpreisniveau wird in diesem Jahr mit 0,4 %, im Jahr 2017 um 1,6 % und im Jahr 2018 um 1,7 % moderat zunehmen.

Die Herbstprojektion der Bundesregierung wurde am 7. Oktober 2016 im interministeriellen Arbeitskreis "Gesamtwirtschaftliche Vorausschätzungen" unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie abschließend beraten. Das Statistische Bundesamt und die Deutsche Bundesbank waren beteiligt.

Die gesamtwirtschaftlichen Eckwerte der Herbstprojektion bilden die Grundlage für die Steuerschätzung vom 2. bis 4. November 2016 in Nürnberg. Als gemeinsamer Orientierungsrahmen dienen sie der Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen.

Eckwerte der Herbstprojektion 2016

Verwendung des Bruttoinlandsprodukts (preisbereinigt) [1]2015201620172018
Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent
Bruttoinlandsprodukt1,71,81,41,6
Konsumausgaben privater Haushalte [2]2,01,71,31,3
Konsumausgaben des Staates2,73,72,31,7
Bruttoanlageinvestitionen1,72,52,03,1
darunter: Ausrüstungen3,71,40,72,9
Bauten0,33,32,73,5
Inlandsnachfrage1,61,91,61,8
Exporte5,22,32,13,9
Importe5,52,53,04,9
Preisentwicklung:
Konsumausgaben privater Haushalte [2]0,60,71,61,7
Bruttoinlandsprodukt2,01,51,71,6
Erwerbstätige (Inland)0,91,21,00,8
nachrichtlich: Verbraucherpreisindex0,30,41,61,7
absolute Werte in Mio. Personen
Erwerbstätige (Inland) 43,143,644,044,3
Arbeitslose (BA)2,792,692,662,63

[1] Bis 2015 vorläufige Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes; Stand: August 2016;
[2] Einschließlich der Organisationen ohne Erwerbszweck.