Planeten zum Thema Raumfahrt.

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Die deutsche Raumfahrtindustrie ist mit Blick auf die zunehmende Kommerzialisierung der Branche gut aufgestellt. Wenn die richtigen Weichen gestellt werden und insbesondere eine stärkere Vernetzung zwischen Raumfahrtakteuren und anderen, weltweit führenden deutschen Branchen erfolgt, kann die deutsche Raumfahrtindustrie wirtschaftlich von dem neuen Trend profitieren. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie zur Kommerzialisierung in der Raumfahrt, deren Ergebnisse das Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen eines Fachworkshops in Bonn vorgestellt hat. Ziel der Untersuchung "NewSpace - Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Raumfahrt und digitaler Wirtschaft. Chancen für Deutschland und Europa in einer vernetzten Welt" war es, die Chancen der deutschen Raumfahrtindustrie vor dem Hintergrund zunehmender Kommerzialisierungstendenzen in der Raumfahrt aufzuzeigen. Unter dem Schlagwort "NewSpace" sind dabei in den letzten Jahren - vor allem in den USA - kommerziell geprägte Geschäftsmodelle, bei denen Dienste und Nutzerangebote im Vordergrund stehen, entstanden.

Die Koordinatorin der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt und parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries, hierzu: "Wir stehen vor neuen, zusätzlichen Herausforderungen in der Raumfahrt. NewSpace hat das Potential, die Raumfahrt nachhaltig zu verändern. Industrie, Wissenschaft und Politik müssen darauf reagieren. Deutschland besitzt exzellentes technologisches Wissen, verbunden mit etablierten Raumfahrtstandorten und innovativem Unternehmergeist - damit verfügen wir über eine gute Ausgangsposition, die es jetzt zu nutzen gilt. Diese Studie zeigt uns auf, wo zusätzliche Chancen für die deutsche Raumfahrt liegen und welche Herausforderungen auf uns zukommen."

Die Experten kommen in der Studie zu dem Ergebnis, dass deutsche Unternehmen gute Chancen haben, um von der Kommerzialisierung wirtschaftlich zu profitieren. Zwar sei das US-NewSpace Modell aufgrund des stark durch Risikokapital geprägten Finanzierungsumfelds nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar. Dennoch sei die deutsche Raumfahrt gut aufgestellt, müsse aber stärker als ein Baustein der globalen digitalen Wirtschaft wahrgenommen werden und sich stärker mit anderen Branchen vernetzen. Die Studie sieht Handlungsbedarf in vier Kategorien und empfiehlt:

  • im Bereich Geschäftsphilosophie mehr Unternehmertum zu wagen und eine konsequente Ausrichtung an neuen Märkten und Kunden vorzunehmen,
  • neue Möglichkeiten für eine lückenlose Finanzierung eines Produktes zu schaffen sowie NewSpace gerechte Finanzierungsformen zu nutzen,
  • im Technologiemanagement die Digitalisierung auf allen Ebenen umzusetzen und
  • im Bereich Regulierung neue Rahmenbedingung zu prüfen, um damit Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Erstellt wurde die Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums durch das Beratungshaus SpaceTec Partners und die Kanzlei BHO Legal.

Der Endbericht der Studie ist hier abrufbar.