Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, hat heute neue Grundsätze der Bundesregierung für die Ausfuhrgenehmigungspolitik bei der Lieferung von Kleinen und Leichten Waffen, dazugehöriger Munition und entsprechender Herstellungsausrüstung in Drittländer (Kleinwaffengrundsätze) veröffentlicht. Die neuen Kleinwaffengrundsätze (PDF: 1,4 MB) treten neben die Politischen Grundsätze der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern vom 19. Januar 2000, die weiterhin anzuwenden sind.

Bundesminister Gabriel: "Bei Rüstungsexporten denken viele zu allererst an U-Boote und Panzer - und nicht an so genannte Kleinwaffen. Dabei sind es Kleinwaffen, die in Bürgerkriegen die meisten Menschenleben kosten. Ihre Stückzahl liegt weltweit sehr viel höher als die anderer Rüstungsgüter. Und natürlich werden Kleinwaffen auch in Diktaturen zur Unterdrückung der Opposition eingesetzt. Auf der anderen Seite werden Kleinwaffen bei legitimen, hoheitlichen Aufgaben, etwa zur Grenzsicherung, als reguläre Ausstattung benötigt. Mit den neuen Kleinwaffengrundsätzen legt die Bundesregierung noch strengere Regeln an die Genehmigung von Exporten dieser besonders sensiblen Waffen an."

Zu den wesentlichen Neuregelungen in den Kleinwaffengrundsätzen gehört das Erfordernis, über die schon jetzt übliche Reexportklausel hinaus in der Endverbleibserklärung die ausdrückliche Zusage zu machen, die Waffen weder an andere Länder noch innerhalb des Empfängerlandes an andere als die genehmigten Empfänger ohne Zustimmung der Bundesregierung weiterzugeben. Eine weitere Neuregelung stellt die grundsätzliche Anwendung des Exportgrundsatzes "Neu für Alt" sowie für Zusatzbeschaffungen dessen Variante "Neu, Vernichtung bei Aussonderung" dar. Danach müssen sich die staatlichen Empfänger verpflichten, die durch die Neubeschaffung zu ersetzenden Waffen zu vernichten. Soll durch die Neubeschaffung ein plausibler Mehrbedarf gedeckt werden und stehen daher keine Altwaffen zur Vernichtung zur Verfügung, muss sich der staatliche Empfänger ersatzweise verpflichten, die neu beschafften Waffen bei ihrer Aussonderung zu vernichten. Außerdem enthalten die Kleinwaffengrundsätze die Festlegung, grundsätzlich keine Genehmigungen für den Aufbau neuer Fertigungslinien von Kleinwaffen in Drittländern zu erteilen. Bestimmte Waffen werden grundsätzlich nicht für private Endempfänger genehmigt.

Zum Begriff der Kleinwaffen gibt es keine international einheitliche Definition. Die neuen Kleinwaffengrundsätze orientieren sich an der Definition im Anhang der Gemeinsamen Aktion der EU vom 12. Juli 2002. Als Kleinwaffen werden danach u. a. Maschinengewehre, Maschinenpistolen, vollautomatische Gewehre sowie halbautomatische Gewehre, wenn sie als Modell für Streitkräfte entwickelt und/oder eingeführt werden, definiert. Zudem werden Scharfschützengewehre und Vorderschaftrepetierflinten ("Pump-Guns") durch die Kleinwaffengrundsätze explizit einbezogen.

Die neuen Kleinwaffengrundsätze finden Sie hier (PDF: 1,4 MB).