Liebe Leserinnen und Leser!

Über fünf Jahre haben die Forscher der Unabhängigen Geschichtskommission des Bundeswirtschaftsministeriums historische Archive durchkämmt, Gespräche mit Zeitzeugen, Experten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt sowie Originaldokumente und bereits existierende Studien ausgewertet. Nun haben sie am 7. Dezember 2016 ihren Abschlussbericht vorgelegt.

Damit ermöglichen die Historiker erstmals einen umfassenden und detaillierten Einblick in die Geschichte des Wirtschaftsministeriums und seiner Vorgängerinstitutionen sowie der deutschen Wirtschaftspolitik - von der Gründungsgeschichte 1917 bis hin zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1990.

Als eines der ersten Forschungsvorhaben der Bundesbehörden nimmt das Projekt dabei eine gesamtdeutsche Perspektive ein und beleuchtet auch die Strukturen in der ehemaligen DDR.

Eindrucksvoll wird deutlich, wie die furchtbaren Katastrophen der deutschen Geschichte - zwei verheerende Kriege, das Scheitern der ersten deutschen Demokratie und der nationalsozialistische Völkermord - mit der Wirtschaftspolitik und ihren Akteuren verbunden waren. Die zwölf Jahre NS-Herrschaft bilden dabei den Tiefpunkt. Mitarbeiter des Ministeriums beteiligten sich an der Ausbeutung der besetzten Länder ebenso wie an der Entrechtung und wirtschaftlichen Ausbeutung der jüdischen Minderheit bis hin zur Vernichtung ihrer Existenzgrundlagen. Auch in die Planungen zur Ermordung von 30 Millionen Menschen im Osten Europas waren Mitarbeiter des Ministeriums verstrickt. Für die meisten Beamten hatte das keine Konsequenzen. Im Gegenteil: Viele der Mitarbeiter des Reichswirtschaftsministeriums tauchten später in den Personalverzeichnissen des Bundeswirtschaftsministeriums wieder auf.

Die Ergebnisse der Unabhängigen Geschichtskommission zeigen aber auch, dass aus der Katastrophe gelernt wurde. Die Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft wollten eine Ordnung schaffen, in der offener Wettbewerb und soziale Sicherheit in eine Balance kommen. Aus der Sozialen Marktwirtschaft wurde so eine Erfolgsgeschichte der zweiten deutschen Demokratie. Die Väter der Sozialen Marktwirtschaft wollten die Freiheit bewahren und die Demokratie schützen. An diese Tradition sollten wir uns und andere immer selbstbewusst erinnern.

Der Abschluss des Forschungsprojektes markiert gleichzeitig auch das Startsignal für den nächsten notwendigen Schritt. Wir beginnen nun, auch die Geschichte der oberen Bundesbehörden im Geschäftsbereich des Bundeswirtschaftsministeriums intensiv zu erforschen. So sollen auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen anschaulichen Zugang zur Geschichte ihrer Behörde bekommen.

Schließlich hilft die Auseinandersetzung mit der Geschichte, das eigene Selbstverständnis im Verhältnis zum jeweiligen Dienstherrn zu schärfen. Das gilt auch für die Beamtinnen und Beamten in der öffentlichen Verwaltung. Freiheit, Demokratie, Menschen- und Bürgerrechte sind tragende Grundprinzipien einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.

Neben einem Artikel zum Abschlussbericht der Unabhängigen Geschichtskommission enthält die vorliegende Ausgabe der "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" ein Mut machendes Interview mit Willkommenslotsen der Aachener Handwerkskammer zum Engagement kleiner und mittlerer Betriebe bei der Integration von Flüchtlingen. Außerdem finden Sie den Bericht über einen Workshop im Bundeswirtschaftsministerium, in dem ausgelotet wurde, welche neuen Möglichkeiten so genannte regulatorische Experimentierräume für die Wirtschaftspolitik bieten, und über zahlreiche weitere aktuelle wirtschaftspolitische Themen.

Wie immer wünsche ich Ihnen viel Freude bei der Lektüre. Vor allem aber wünsche ich Ihnen und Ihren Familien frohe Weihnachtstage und einen guten Start in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2017.

Sigmar Gabriel
Bundesminister für Wirtschaft und Energie