Liebe Leserinnen und Leser!

Die Welt der Wirtschaft wird digital. Ob im Handwerk, Handel oder Dienstleistungsbereich, ob beim "Hidden Champion" oder beim Großbetrieb - Unternehmen aller Branchen und Größenklassen erleben heute einen tiefgreifenden Wandel. Digitale Technologien und die weltweite Vernetzung stellen klassische Produktionswege und Geschäftsabläufe auf den Kopf. Sie verbessern und erleichtern die Arbeitsprozesse und sorgen für höhere Produktivität. Neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entwickeln sich in immer kürzerer Zeit. So entstehen neue Marktchancen und Arbeitsplätze. Forscher schätzen: Wenn Deutschland die digitalen Technologien konsequent nutzt, könnte die Wirtschaftsleistung bis zum Jahr 2020 um zusätzliche 82 Milliarden Euro steigen.

Doch die Digitalisierung stellt Unternehmen und ihre Beschäftigten auch vor Herausforderungen. Geschäftsmodelle, die über Jahrzehnte erfolgreich waren, werden binnen kurzer Zeit in Frage gestellt - das kann manch etabliertes Unternehmen verunsichern. Ebenso befürchten manche Beschäftigte, mit der rasanten technologischen Entwicklung nicht Schritt halten zu können.

Wir wollen die Digitalisierung so gestalten, dass sie zur ökonomischen und gesellschaftlichen Erfolgsgeschichte für alle wird. Deutschland soll zu einem der weltweit modernsten Wirtschaftsstandorte werden. Gleichzeitig müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass alle Menschen von den Chancen des digitalen Zeitalters profitieren.

Welche Schritte auf diesem Weg noch vor uns liegen, beschreibt die Digitale Strategie 2025, die ich am 14. März 2016 auf der CeBIT in Hannover vorgelegt habe.

Hochleistungsfähige Breitbandnetze sind die Basis der Digitalisierung und deshalb für unsere Zukunftsfähigkeit entscheidend. Übertragungsraten von 50 MBit/s sind ein wichtiges Zwischenziel, an dem die Bundesregierung bereits intensiv arbeitet. Aber auf mittlere Sicht brauchen wir ein Gigabit-Glasfasernetz, wie es einige unserer Wettbewerber schon heute aufbauen. Denn ob automatisierte Fahrzeuge, das Internet der Dinge oder neue digitale Vertriebswege und Logistikprozesse: Viele neue wegweisende Anwendungen erfordern Echtzeitkommunikation im Gigabitbereich.

Zudem müssen wir mehr in Innovation investieren. Gründerinnen und Gründer mit kreativen Ideen sind Treiber des digitalen Wandels. Wir haben viele kluge Köpfe, die ihr eigenes Unternehmen gründen, innovative Technologien auf den Markt bringen und neue Arbeitsplätze schaffen. Aber das geht nicht ohne Kapital. Der deutsche Wagniskapitalmarkt ist zwar auf gutem Wege. Von 2013 bis 2015 haben sich die Risikokapitalinvestitionen fast verfünffacht. Aber diese Entwicklung muss weitergehen, denn im Verhältnis zu unserer Wirtschaftskraft ist der Wagniskapitalmarkt immer noch zu klein.

Daher werden wir unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Finanzierungsbedingungen noch einmal kräftig ausweiten. Am 15. März fiel der Startschuss für zwei neue Instrumente für mehr Risikokapital in Deutschland. Der Fonds 'coparion' hat ein Volumen von 225 Millionen Euro und richtet sich an Unternehmen in der frühen Wachstumsphase. Die ERP/EIF-Wachstumsfazilität unterstützt mit einem Volumen von 500 Millionen Euro schnell wachsende Unternehmen bei der weiteren Erschließung neuer Märkte. Nach dem erfolgreichen High-Tech Gründerfonds, der in der Gründungsphase greift, stellen wir damit auch für junge Unternehmen in den kapitalintensiven Wachstumsphasen neue Finanzierungsoptionen bereit.

Die Digitale Strategie macht schließlich auch deutlich: Die Zeit der "Einzelkämpfer" ist vorbei. Für Deutschland als starken Produktionsstandort liegt ein großes Potenzial darin, dass Industrieunternehmen mit aufstrebenden Start-ups kooperieren und so ihre Stärken zusammenbringen: Kapitalstärke und etablierte Marktposition auf der einen Seite, neue Ideen und unkonventionelle Methoden auf der anderen Seite - so gelingt der Übergang zu Industrie 4.0 am besten. Und auch in anderen Branchen eröffnen Kooperationen und Netzwerke vielfältige Möglichkeiten für gemeinsame Innovationen.

Die Digitalisierung der Wirtschaft und die Rolle der Wirtschaftspolitik in diesem Prozess stehen im Mittelpunkt dieser Ausgabe der "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik". Mit Blick auf die wichtige und weiter wachsende Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland muss das Urheberrecht mit den Entwicklungen der Digitalisierung Schritt halten. Welche Anpassungen notwendig sind und durchgeführt werden, stellt ein ausführlicher Beitrag in dieser Ausgabe vor. Weitere Artikel zeigen, welche Vorteile die Digitalisierung für die Energiewende wie auch für Industrieprozesse im Mittelstand eröffnet und welche konkreten Maßnahmen hierfür getroffen werden.

Sigmar Gabriel
Bundesminister für Wirtschaft und Energie