Liebe Leserinnen und Leser!

Hightech, hohes Innovationstempo, exzellente Ausbildung: Die Industrie ist heute das Aushängeschild Deutschlands auf den Weltmärkten. 90 Prozent der deutschen Exporte gehen auf ihr Konto. Sie bietet acht Millionen attraktive und produktive Arbeitsplätze und bildet 260.000 junge Menschen aus. Deutschlands Wirtschaft ist stark, weil die Industrie stark ist.

Noch Anfang der 2000er Jahre war die Sicht vieler Experten eine andere. Sie haben dazu geraten, Deutschland solle sich von der alten Industrie verabschieden. Die Zukunft gehöre allein dem Dienstleistungsbereich.

Heute sind wir froh, dass wir damals nicht auf diese Experten gehört haben. Andere Länder haben auf Dienstleistungen gesetzt, insbesondere auf Finanzdienstleistungen. Das hatte in der Finanz- und Wirtschaftskrise schwerwiegende Folgen. In Deutschland hat hingegen die Industrie entscheidend dazu beigetragen, dass wir diese Phase schnell und ohne große dauerhafte Blessuren überwunden haben.

Doch wir sind heute erneut gefordert, die richtigen Weichen zu stellen. Steigender internationaler Wettbewerbsdruck, die demografische Entwicklung und der rasante digitale Wandel stellen die Betriebe vor große Herausforderungen. Damit die Industrie auch in Zukunft Wachstumsmotor für Deutschland und Europa sein kann, müssen die Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein - und zwar nicht nur in Europa, sondern weltweit. Hierfür brauchen sie die geeigneten Rahmenbedingungen.

Was das konkret heißt, stand im Mittelpunkt der Industriekonferenz "Zukunftsperspektive Industrie 2030", die am 18. Februar 2016 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie stattgefunden hat. Die High-Level Group des Bündnisses "Zukunft der Industrie" hat zu diesem Anlass eine gemeinsame Erklärung vorgelegt. Darin formulieren die 15 Partner des Bündnisses aus Politik, Gewerkschaften, Arbeitgeber- und Industrieverbänden - mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie - konkrete Forderungen für einen investitionsstarken und innovativen Industriestandort Europa.

Dabei geht es den Bündnispartnern und mir insbesondere um die richtige Ausrichtung der europäischen Industriepolitik. Das Ziel, den Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt in Europa auf 20 Prozent zu erhöhen, gehört ganz oben auf die politische Agenda. Es muss den gleichen Stellenwert erhalten wie das europäische Ziel, die Treibhausgasemissionen um mindestens 20 Prozent zu senken. Wir können beide Ziele erreichen: Je moderner die Industrie in Europa produziert, desto schneller können auch die Klimaschutzziele erreicht werden.

Doch auch die nationale Industriepolitik steht weiter im Mittelpunkt. Wir müssen die Grundlagen dafür schaffen, dass die Industrie in den wichtigen Zukunftsfeldern ihre internationale Führungsposition behält und ausbaut. Ein wichtiges Feld ist die Elektromobilität. Für die neuen Antriebstechnologien gibt es viele gute Gründe - den Umweltschutz, die Emissionsminderung und die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Aber auch handfeste industriepolitische Argumente sprechen dafür. Heute ist die deutsche Automobilindustrie beim Verbrennungsmotor weltweit führend. Sie bietet 775.000 Arbeitsplätze. Wenn wir diese Industrie auch in Zukunft sichern wollen, müssen wir unsere Wettbewerbsposition auch bei den neuen Antrieben ausbauen. Ein starker heimischer Markt ist dabei wichtig. Hierfür brauchen wir den zügigen Ausbau der Infrastruktur, aber auch finanzielle Anreize wie etwa eine Kaufprämie. Die Bundesregierung wird noch in diesem Frühjahr eine industriepolitische Strategie hierzu vorlegen.

In dieser Ausgabe der "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" finden Sie unter anderem Beiträge zum vielfach diskutierten Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands und zum neuen Anreizprogramm Energieeffizienz für den Gebäudebereich.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre!

Sigmar Gabriel
Bundesminister für Wirtschaft und Energie