Liebe Leserinnen und Leser!

Wenn Maschen mit Menschen kommunizieren und bei Bedarf selbst eine Reparatur veranlassen; wenn sich Menschen, Maschinen und industrielle Prozesse intelligent vernetzen; wenn in Fabriken durch Digitalisierung Kosten gesenkt und Ressourcen geschont werden, dann sprechen wir von Industrie 4.0. Hierbei wird die physische mit der virtuellen Welt verbunden, die industrielle Produktion auf intelligente Weise mit modernster Informations- und Kommunikationstechnologie verzahnt. 

Dieser digitale Wandel stellt eine historische Zäsur dar. Prozesse und Dienstleistungen werden sich radikal verändern. Experten rechnen bis zum Jahr 2020 mit 50 Milliarden vernetzten Geräten auf der Welt. Diese Entwicklung bringt einige Herausforderungen mit sich, aber auch große Chancen. Gerade für den Industriestandort Deutschland, der über die wichtigen Kernkompetenzen industrieller Produktion, über hervorragend ausgebildete Fachkräfte, über intakte und tiefe Wertschöpfungsketten und über eine äußerst produktive Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft verfügt, birgt Industrie 4.0 enorme Potenziale. Unsere Unternehmen erwarten signifikante Effizienzsteigerungen und Zuwächse bei der Bruttowertschöpfung. 

Mein Ziel ist es, dass wir diese Potenziale konsequent nutzen. Durch Industrie 4.0 wollen wir den Wohlstand und die Lebensqualität in unserem Land steigern. Dafür müssen wir alle relevanten Akteure zusammenbringen, bei den wichtigen Themen Standardisierung und Normung vorankommen und die rechtlichen Rahmenbedingungen und Fragen von Sicherheit und Arbeitsorganisation klären. In diesem Zusammenhang der Digitalisierung von Wirtschafts-, Arbeits- und Lebenswelt gehört auch der Dialog über die Sicherung von Arbeitnehmerrechten und sozialer Standards in Zeiten ständiger digitaler Verfügbarkeit sowie über die Datensouveränität von Bürgern und Unternehmen. Deshalb habe ich am 14. April gemeinsam mit der Bundesforschungsministerin den Startschuss zur Gründung der Plattform Industrie 4.0 gegeben. Mit dieser von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften getragenen Plattform werden wir die Weichen stellen, um die Digitalisierung der Wirtschaft erfolgreich zu gestalten. 

Ich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland für die genannten Herausforderungen gut aufgestellt sind. Die Industrie ist nach wie vor der Kern der deutschen Wirtschaft. Wir haben nicht den Fehler gemacht, einseitig auf Dienstleistungen zu setzen: Rund 15 Millionen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von der produzierenden Wirtschaft ab. Knapp 23.000 Industrieunternehmen erzielen einen jährlichen Umsatz von mehr als 1,6 Billionen Euro. Mit unserer weltweit führenden Ausrüsterindustrie und unseren Kompetenzen in den Kernbereichen von Industrie 4.0 haben wir alle Chancen, die digitale Revolution zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. 

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen bieten intelligente, digitale Produktionsverfahren große Chancen. Mit dem sehr erfolgreichen "Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand", über das in dieser Ausgabe der "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" berichtet wird, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie kleine und mittlere Unternehmen, die in unserem Land traditionell sehr innovativ sind, wenn es darum geht, neue technische Lösungen zu entwickeln. Ein weiterer Beitrag dieser Ausgabe zeigt, welche Potenziale die Digitalisierung auch für die Energiewende bietet. Stromnetze der Zukunft müssen mit einem hohen Anteil der stark volatilen erneuerbaren Energien intelligent umgehen. Besonders innovative Ansätze dafür fördert das Bundeswirtschaftsministerium mit der Forschungsinitiative "Zukunftsfähige Stromnetze". 

Die Juni-Ausgabe des Monatsberichts enthält zudem Beiträge zur Europäischen Struktur- und Investitionspolitik, zur Teilnahme des Förderschwerpunkts "Mittelstand-Digital" an der Fachmesse für Mobile Business, Mobikon, sowie zur Konferenz "Das Lebenswerk in gute Hände legen - Wege zur erfolgreichen Unternehmensnachfolge" im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. 

Auch bei der Lektüre der übrigen wirtschaftspolitischen Beiträge und Analysen wünsche ich Ihnen, wie immer, viel Freude und neue Erkenntnisse!

Sigmar Gabriel
Bundesminister für Wirtschaft und Energie