Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie; Quelle: BMWi/Michael Reit

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Nordwest-Zeitung: Können Reisende wirklich sicher sein, dass bei Air Berlin erst einmal weiter geflogen wird?

Brigitte Zypries: Air Berlin hat zugesichert, dass es bei den gebuchten Tickets und beim Flugplan bleibt. Der Betrieb wird fortgesetzt. Es ist auch möglich, weiter Flüge zu buchen. Denn die Verhandlungen gehen dahin, dass die Slots von Air Berlin von anderen Fluggesellschaften übernommen werden. Unser Ziel ist, dass das Geld so lange reicht, bis die Gespräche abgeschlossen sind. Ich setze auf eine schnelle Lösung.

Nordwest-Zeitung: Ryanair spricht von einer künstlich herbeigeführten Insolvenz und hat Kartellbeschwerde auch gegen die Hilfe des Bundes eingelegt. Berechtigt?

Brigitte Zypries: Die Behauptungen von Ryanair sind schlicht abwegig. Sie können davon ausgehen, dass der Übergangskredit und die Bürgschaft in europarechtskonformer Weise gewährt werden. Die Notifizierung in Brüssel ist bereits eingeleitet. Dazu stehen wir in engem Kontakt mit Brüssel.

Nordwest-Zeitung: Rechnen Sie nach dem Aus von Air Berlin mit steigenden Ticketpreisen in Deutschland?

Brigitte Zypries: Danach sieht es im Moment nicht aus. Die Ticketpreise sind in der letzten Zeit eher gefallen.

Nordwest-Zeitung: Die Insolvenz bei Air Berlin hat sich lange abzeichnet. Warum gab es am Ende keinen anderen Weg, als diesen 150-Millionen Euro-Kredit zu gewähren?

Brigitte Zypries: Air Berlin musste Insolvenzantrag stellen, weil Etihad quasi von heute auf morgen seine Zahlungen beendet hat. Ohne den Übergangskredit des Bundes hätten die Flugzeuge von Air Berlin von jetzt auf gleich am Boden bleiben müssen (...). Das wäre nicht verantwortbar gewesen. Jetzt kann der Flugbetrieb in vollem Umfang aufrechterhalten werden. Zum zweiten gibt es bereits laufende Vertragsverhandlungen zwischen Air Berlin und verschiedenen Airlines und damit eine Fortführungsperspektive für Fluglinien und auch für die Beschäftigten.

Quelle: Nordwest-Zeitung vom 17.08.2017