Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie; Quelle: BMWi/Michael Reit

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Nordwest Zeitung: Frau Zypries, Chinas Staatschef besucht Deutschland. In Zeiten von Donald Trump sind Peking und Berlin plötzlich ziemlich beste Freunde, oder?

Brigitte Zypries: China ist für Deutschland ein sehr wichtiger Handelspartner, ein Exportmarkt von herausragender Bedeutung. Wir haben großes Interesse an einem engen Austausch und das ja schon seit mehreren Jahren. Mit Donald Trump hat das weniger zu tun.

Nordwest Zeitung: Wie lässt sich die Zusammenarbeit mit China vertiefen?

Brigitte Zypries: Es gibt unterschiedliche Ansatzpunkte. China will mit uns gerne beim Thema Industrie 4.0 enger zusammenarbeiten. Wir haben den Wunsch, dass die Chinesen der deutschen Automobilindustrie bei den Regularien für E-Autos entgegenkommen. Ganz grundsätzlich gilt: Es muss wirklich freien Handel zwischen unseren Ländern geben. Wir kritisieren schon lange, dass deutsche Unternehmen in China Wettbewerbsnachteile haben. Automobilunternehmen unterliegen immer noch dem Joint-Venture-Zwang und dürfen dabei nicht mehr als 50 Prozent der Anteile halten. Ähnliche Beschränkungen gibt es auch in anderen Bereichen. Umgekehrt dürfen chinesische Unternehmen aber in Deutschland zu 100 Prozent investieren. Hier brauchen wir gleiche Bedingungen für alle.

Nordwest Zeitung: China überschwemmt den Weltmarkt mit Billigstahl. Ziehen die Europäer da nicht zwangsläufig den Kürzeren?

Brigitte Zypries: Die EU hat im vergangenen Jahr bereits Maßnahmen gegen China ergriffen - das war gut und wichtig. Die Chinesen sind durchaus gesprächsbereit und diese Gespräche müssen wir fortführen. Und es gibt erste Verbesserungen. Das richtige Format für Stahlüberkapazitäten bildet aber auch hier das Format der G20.

Nordwest Zeitung: Am Freitag beginnt in Hamburg der große G20-Gipfel. Sind solche XXL-Treffen noch zeitgemäß?

Brigitte Zypries: Man muss immer darüber nachdenken, ob Aufwand und Nutzen im richtigen Verhältnis stehen. Aus meiner Sicht haben solche Gipfel aber einen klaren Mehrwert: Durch diese Termine entsteht einerseits politischer Handlungsdruck. Andererseits ist es wichtig, dass die Staats- und Regierungschefs von Angesicht zu Angesicht miteinander reden.

Quelle: Nordwest Zeitung vom 06.07.2017