Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie. Quelle: BMWi/Susanne Eriksson

Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie

© BMWi/Susanne Eriksson

Nordsee-Zeitung: Herr Beckmeyer, die traditionsreiche Schifffahrtsbranche gilt nicht gerade als Vorreiter der digitalen Revolution. Ist man in den holzgetäfelten Kontoren der norddeutschen Hansestädte auf die Amazons, Googles und Ubers der neuen Welt vorbereitet?

Uwe Beckmeyer: Die Vernetzung von Verkehrsträgern oder Produktionsprozessen ist für die maritime Wirtschaft als Logistikbranche nicht neu, aber natürlich müssen wir hier weiter vorankommen. Daher haben wir alle ins Boot geholt und heute auf der Nationalen Maritimen Konferenz eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, die den Handlungsrahmen für die Digitalisierung in der maritimen Wirtschaft klar benennt. Unser Ziel muss es sein, die Plattformphilosophie für unsere Unternehmen beherrschbar machen. Das heißt, es dürfen sich nicht irgendwelche digitalen Plattformen zwischen Besteller und Produzenten drängen, die dann bestimmen, wer produziert und zu welchem Preis.

Nordsee-Zeitung: Was tut die Bundesregierung, um die "Schifffahrt 4.0" vom Stapel zu lassen?

Uwe Beckmeyer: Wir setzen auf zielgerichtete Forschungsinitiativen mit klar definierten Technologiesäulen wie Schiffstechnik oder Meerestechnik. Und diese Programme werden gut von der Branche angenommen. So wurden für die Neuauflage der Forschungsinitiative Innovative Seehafentechnologien im ersten Förderaufruf 77 Anträge zu insgesamt 28 Verbundprojekten eingereicht.

Nordsee-Zeitung: Der Zentralverband Deutscher Schiffsmakler hat auf seiner Jahresversammlung vergangene Woche kritisiert, dass die staatliche Verwaltung bei der Digitalisierung der maritimen Wirtschaft nicht mithalte - manche Behörden nähmen Meldungen nach wie vor nur in Papierform entgegen. Gibt es hier Nachholbedarf?‎

Uwe Beckmeyer: Ja, natürlich muss nicht nur die Industrie sich verbessern, die Verwaltung muss das auch und das gilt natürlich auch für das Thema Flaggenverwaltung. Aber wir sind hier aus meiner Sicht schon recht gut aufgestellt. Als eine der ersten Nationen stellt Deutschland seit Juli 2016 elektronische Schiffsbesatzungszeugnisse für Schiffe unter deutscher Flagge aus. Wir wollen künftig die Möglichkeit der elektronischen Antragstellung weiter ausbauen und entsprechende technische Lösungen entwickeln. Wichtig ist zudem, die Akzeptanz elektronischer Schiffssicherheitszeugnisse und Haftungsbescheinigungen auch international zu befördern.‎

Nordsee-Zeitung: Auch die Netzabdeckung in der Deutschen Bucht und einigen Revieren sei für den schnellen Datenaustausch unzureichend. Wann wird da nachgerüstet?

Uwe Beckmeyer: Auch hier bleibt einiges zu tun, aber sind wir auf einem guten Weg. Eine digitale Infrastruktur, die hohe Datentransferraten sicherstellt und das auch zuverlässig und sicher, ist absolut zentral für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Der Bund fördert den Breitbandausbau mit vier Milliarden Euro, und wir unterstützen die Häfen mit dem IHATEC-Förderprogramm dabei, digitale Hafentechnologien zu entwickeln.

Nordsee-Zeitung: Die Gewerkschaften haben sich bereits am Montag Gehör verschafft: Digitalisierung dürfe nicht zu Lasten der Arbeitsplätze gehen. Geht das überhaupt, wenn die Digitalisierung aus Sicht der Unternehmen vor allem Kosten sparen soll?

Uwe Beckmeyer: Digitalisierung findet statt. Deshalb müssen wir sie gemeinsam mit allen Akteuren gestalten. ‎Der digitale Wandel bringt neue Aufgaben mit sich. Es entstehen ganz neue Berufsfelder und Arbeitsplätze und damit Chancen. Ziel muss es aber natürlich sein , faire Arbeitsbedingungen abzusichern, um gute Arbeit zu leisten. Und natürlich müssen digitale Bildung und Fortbildung künftig eine viel größere Rolle einnehmen.

Nordsee-Zeitung: Dies war Ihre letzte Maritime Konferenz als Maritimer Koordinator der Bundesregierung. Hat die Abschiedstournee schon begonnen oder gibt es noch Projekte, die bis zur Bundestagswahl umgesetzt werden müssen?

Uwe Beckmeyer: Es ist richtig, dass es sich um meine letzte NMK als Maritimer Koordinator handelt, denn ich werde nicht nochmal für den Bundestag kandidieren. Wir haben in dieser Legislaturperiode viel erreicht. Aber wir wollen nicht nachlassen, die Wettbewerbsbedingungen für die maritime Wirtschaft zu verbessern. Aktuell arbeiten wir an der Neugestaltung unserer maritimen Förderprogramme, um diese noch passgenauer auf den Bedarf der Branche auszurichten. Mit der Maritimen Agenda 2025 haben wir erstmals eine Zukunftsstrategie definiert, die über diese Legislaturperiode hinaus reicht. Die Umsetzung dieser Strategie ist ein kontinuierlicher Prozess, der selbstverständlich weiterläuft.‎

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 05.04.2017