Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie Quelle: BMWi/Susanne Eriksson

Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie

© BMWi/Susanne Eriksson

Die Akteure aus Politik und Wirtschaft treffen sich am kommenden Dienstag in Hamburg zur 10. Nationalen Maritimen Konferenz (NMK). Auf dem vorbereitenden Branchenforum im Dezember 2016 in Berlin wurden bereits einige Themen angesprochen, die nun vertieft werden sollen. Einen Schwerpunkt bildet die Digitalisierung in Schiffahrt und Logistik. Der THB sprach jetzt im Vorfeld der NMK mit Uwe Beckmeyer, dem Maritimen Koordinator der Bundesregierung.

Täglicher Hafenbericht (THB): Herr Beckmeyer, was hat sich aus Ihrer Sicht seit der 9. NMK im Oktober 2015 getan? Welche Fortschritte wurden seitdem erzielt?

Beckmeyer: Auf der 9. NMK habe ich erste Eckpunkte für eine Maritime Agenda 2025 vorgestellt; zu Jahresbeginn hat das Bundeskabinett die ressortübergreifende Strategie beschlossen. Auch das auf der letzten Konferenz angekündigte Maßnahmenpaket für die Seeschiffahrt haben wir umgesetzt und das Nationale Hafenkonzept für die See- und Binnenhäfen vorgelegt. Das zeigt: Diese Bundesregierung liefert. Und wir haben bereits weitere wichtige Weichen gestellt: Bund, Verbände und Länder werden auf der Jubiläumskonferenz in Hamburg eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen, die wichtige Ziele und Handlungsfelder im Kontext der Digitalisierung benennt. Zudem starten wir auf der NMK eine von der Industrie getragene Initiative zur maritimen Energiewende. Beides sind zentrale Zukunftsthemen der maritimen Wirtschaft.

THB: Die Neuaulage der Forschungsinitiative Innovative Seehafentechnologien ist ein wesentlicher Punkt. Wie ist die Resonanz seitens der Branche? In welchem Umfang wird das Angebot wahrgenommen?

Beckmeyer: Die Branche nimmt das Angebot gut an. Auf den ersten Förderaufruf wurden 77 Anträge zu insgesamt 28 Verbundprojekten eingereicht. Das hat unsere Erwartungen übertrofen. Positiv beschieden wurden zum Beispiel Vorhaben, bei denen es um die Automatisierung von Stapel- und Transportkapazitäten mit Hilfe von Straddle Carriern, also Stapelkränen, in einem Mega-Terminal geht. Zudem werden Innovationen gefördert, die einen Paradigmenwechsel in der Automatisierung von Containerterminals einleiten – Stichwort „Interaktion“ statt „Separierung von Mensch und Maschine“.

THB: Auf der 10. NMK wird es vor allem um die Digitalisierung gehen. Hier hat die maritime Wirtschaft noch erheblichen Nachholbedarf. Wie bewerten Sie den aktuellen Entwicklungsstand von Maritim 4.0 in Deutschland?

Beckmeyer: Die maritime Branche ist in vielen Bereichen digitaler Vorreiter gewesen. Richtig ist, dass die Digitalisierung auch die maritime Wirtschaft grundlegend verändern und den Strukturwandel beschleunigen wird. Wir haben sie deshalb in der Maritimen Agenda 2025 als ein zentrales Handlungsfeld deiniert. Eine wesentliche Aufgabe wird darin bestehen, das Know-how aus Schifbau und Meerestechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Schiffahrt, Hafenwirtschaft und Logistik sowie den Informations- und Kommunikationstechnologien zusammenzuführen. Mit der eingangs erwähnten gemeinsamen Erklärung auf der NMK wollen wir alle mit ins Boot holen. Denn genau das zeichnet Industrie 4.0 aus: eine neue Dimension der Vernetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dabei spielen innovative Technologien eine wichtige Rolle. Hier können wir durch gezielte Forschungstätigkeit enorme Efizienzgewinne realisieren.

THB: Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte, die für die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung zu klären sind – zum einen als Fördermaßnahmen, zum anderen als regulatorische Maßnahmen?

Beckmeyer: Wir brauchen eine digitale Infrastruktur, die hohe Datentransferraten sicherstellt und zugleich Datensicherheit gewährleistet. Der Bund fördert den Breitbandausbau mit vier Milliarden Euro, und wir unterstützen die Häfen mit dem IHATEC-Förderprogramm dabei, digitale Hafentechnologien zu entwickeln. Daneben müssen wir internationale Industriestandards vorantreiben, etwa im Rahmen der Internationalen Seeschiffahrtsorganisation, der IMO. Zudem müssen wir den rechtlichen Rahmen anpassen, zum Beispiel im Produkthaftungsrecht oder beim Datenschutz. Die Plattform Industrie 4.0 begleitet diesen Prozess – mir ist es wichtig, dass sich die maritime Wirtschaft hier einbringt. Auswirkungen hat die Digitalisierung auch auf den maritimen Arbeitsmarkt. Deshalb brauchen wir den Schulterschluss mit den Gewerkschaften.

THB: Weniger Schadstofemissionen, mehr Energieeizienz – das sind wesentliche Ziele der Schiffahrt. Welche unterstützenden Beiträge kann die Bundesregierung künftig leisten, um hier weiter voranzukommen?

Beckmeyer: Die maritime Energiewende ist ein wesentlicher Baustein unserer Industriepolitik. Wir wollen Anreize schafen, damit die Unternehmen verstärkt in Forschung und Entwicklung investieren. Die Mobilitäts- und Kraftstofstrategie beschreibt den Handlungsbedarf. Die dort formulierten Ziele werden in zahlreichen Förderprogrammen und Pilotprojekten umgesetzt, etwa zu LNG-Antrieben oder dezentraler Energieversorgung auf Schifen. Ganz aktuell hat unser Haus die neue Förderinitiative „Energiewende im Verkehr“ veröffentlicht, und auch in unserem maritimen Forschungsprogramm ist Green Shipping künftig eines von vier zentralen Querschnittsthemen. Sie sehen: Wir setzen auf konsequente Technologieförderung und passgenaue Lösungen. Das gilt im Übrigen auch für das geplante Deutsche Maritime Zentrum. Mit der Struktur eines gemeinnützigen Vereins stellen wir sicher, dass hier keine Einzelinteressen bedient werden. Doppelförderungen kann keiner wollen. Dagegen hilft nur ein kluges Konzept – und kein Wettlauf von Finanzierungswünschen.

Das Interview führte Wolfhart Fabarius.

Quelle: Täglicher Hafenbericht (THB - Deutsche Schiffahrtszeitung), 31.03.2017