Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie; Quelle: BMWi/Michael Reit

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BILD: Heute will die britische Regierung den EU-Brexit einleiten. Wie schlimm wird es für Jobs und Firmen in Deutschland?

Zypries: "Heute ist erst einmal der Startschuss für die Verhandlungen, die zwei Jahre dauern. Während dieser Zeit bleibt zunächst alles beim Alten, Rechte und Pflichten gelten für Großbritannien weiter. Nach den Austritts-Verhandlungen soll ein neuer Kooperationsvertrag zwischen der EU und Großbritannien abgeschlossen werden. Dafür gibt es keine Blaupause, aber beide Seiten haben ein großes Interesse an einer engen Partnerschaft, denn Handelsbarrieren nützen keinem."

BILD: Wie viel Jobs sind konkret in Gefahr - und welche?

Zyries: "Ob und welche Folgen der Brexit langfristig haben wird, hängt sehr davon ab, wie die künftige Partnerschaft ausgestaltet ist. Es ist sinnvoll, zügig Klarheit zu haben, denn Unsicherheit bremst stets Investitionen. Ich mache mir aber keine Sorgen, denn die deutsche Wirtschaft ist robust und international verflochten. Großbritannien steht vor deutlich größeren Risiken als die EU..."

BILD: Fürchten Sie, dass andere EU-Staaten langfristig dem britischen Beispiel folgen könnten?

Zypries: "Nein. Die EU wird zusammenhalten. Der Binnenmarkt bringt den Menschen Vorteile und macht die Europäische Union zu einem Erfolgsmodell für Frieden und Wachstum. Unser Ziel ist aber, dass die Menschen künftig mehr an diesem Wachstum teilhaben können.“

BILD: Fänden Sie es richtig, wenn wenigstens Schottland Mitglied der EU bleiben würde?

Zypries: "Das ist eine Frage, die das Vereinigte Königreich mit sich selbst ausmachen muss."

BILD: Schon jetzt wollen mehrere britische Banken London verlassen. Was tun Sie, damit die nach Frankfurt kommen?

Zypries: „Eines ist klar, Deutschland ist ein attraktiver Standort und wir begrüßen Firmen- oder Bankenansiedlungen. Wir betreiben aber natürlich keine aktive Abwerbung."

BILD: Was passiert, wenn die Brexit-Verhandlungen scheitern – etwa weil die Briten sich weigern, Milliarden gezahlter Fördergelder an die EU zurückzuzahlen?

Zypries: "Wir gehen nicht von einem Scheitern aus und ich spekuliere nicht darüber, was in einem solchen Falle geschehen würde."

BILD: Was sind für Sie Knackpunkte bei den Verhandlungen?

Zypries: "Jetzt fangen wir erst einmal an zu Verhandeln. Wir wollen keine Rosinenpickerei durch die Briten, sondern einen möglichst freien und fairen Handel. Das ist wichtig für die Wirtschaft in ganz Europa."

Quelle: BILD vom 28.03.2017