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Dossier - Konventionelle Energieträger

Derzeit unverzichtbar für eine verlässliche Energieversorgung

Einleitung

Wir bauen unsere Energieversorgung schrittweise um, damit sie klimaverträglich und nachhaltig wird. Dieser Umbau braucht Zeit. Konventionelle Energieträger sorgen dafür, dass "die Lichter anbleiben".

Noch erzeugen konventionelle Energieträger zwei Drittel des Stroms hierzulande. Der stetige Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie werden aber die Zusammensetzung des Strommixes in Deutschland dauerhaft verändern. Um die Versorgungssicherheit auch bei hohen Anteilen fluktuierender erneuerbarer Energien zu gewährleisten, wird der derzeitige Strommarkt zu einem Strommarkt 2.0 weiterentwickelt.

Seit dem 3. Juli 2017 bildet die neue Informationsplattform SMARD nahezu in Echtzeit aktuelle Entwicklungen am Strommarkt ab – auch zu konventionellen Energieträgern. SMARD bereitet die Daten transparent, verständlich und übersichtlich auf. Somit können verschiedene Nutzergruppen mit SMARD den Fortgang der Energiewende jederzeit nachverfolgen. Für Expertinnen und Experten stehen zudem umfangreiche Funktionen zur vertieften Analyse bereit.

Infografiken zu konventionellen Energieträgern in Deutschland

Erdgas

Heizen, speichern, Strom erzeugen: Eine vielseitige Energiequelle

Deutschland ist mit einem Jahresverbrauch von ca. 95 Milliarden Kubikmetern einer der größten Absatzmärkte für Erdgas in der Europäischen Union und gleichzeitig ein wichtiges Gastransitland.

Auch in den nächsten Jahrzehnten wird Erdgas einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland leisten. Nur zu einem kleinen Teil wird Erdgas in Deutschland gefördert. 94 Prozent des Jahresaufkommens wird aus Norwegen, den Niederlanden und weiteren Ländern importiert. Das Erdgas erreicht Deutschland über Pipelines und wird anschließend in das deutsche Fernleitungs- und das nachgelagerte Verteilnetz eingespeist.

Wichtige Rolle bei der Energiewende

Erdgas ist nach Mineralöl der zweitwichtigste Primärenergieträger im deutschen Energiemix: Im Jahr 2016 betrug sein Anteil am Primärenergieverbrauch 22,6 Prozent.

Der weitaus wichtigste Markt für Erdgas ist derzeit der Wärmemarkt. Gas wird allerdings heute nicht nur für die Erzeugung von Wärme genutzt. Insbesondere als Brücke von fossilen zu erneuerbaren Energien im Strombereich kann Erdgas eine bedeutende Rolle spielen. Auch im Mobilitätsbereich hat Erdgas Vorteile. Erdgas ist im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern klimafreundlicher, da der Einsatz mit geringeren CO2-Emissionen einhergeht.

Infrastruktur

Das deutsche Gasnetz hat insgesamt eine Länge von 511.000 km. Für Transport und Verteilung des Erdgases sind die Rohrleitungen, aus denen sich das Gasnetz zusammensetzt, von substanzieller Bedeutung. Sie ermöglichen die sichere Lieferung unterschiedlichster Gasmengen über weite Strecken. Über deutsches Territorium werden erhebliche Gasmengen in andere EU-Staaten transportiert.

Der Netzentwicklungsplan (NEP) Gas enthält Maßnahmen zum bedarfsgerechten Ausbau des Netzes und zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit, die für einen sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb erforderlich sind. Mehr erfahren.

Erdgasförderung in Deutschland: Thema Fracking

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland rund 8 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch Bohrungen gewonnen, bei denen teilweise zuvor sogenanntes konventionelles Fracking eingesetzt worden war. Das konventionelle Fracking bei der Erdgasförderung aus Sandgestein wird in Deutschland schon seit vielen Jahren angewendet und ist langjährig erprobt. Sicherheit steht beim Fracking an erster Stelle: In sensiblen Gebieten ist Fracking verboten. Darüber hinaus hat die Bundesregierung sich klar gegen den Einsatz des sogenannten unkonventionellen Frackings ausgesprochen, für das in Deutschland noch keine Erfahrungswerte vorliegen. Mehr erfahren.

Auf Nummer sicher beim Thema Gas

Aufgrund der hohen Importabhängigkeit spielen die Instrumente zur Gasversorgungssicherheit eine zentrale Rolle. Die Erdgasversorgungslage in Deutschland ist in hohem Maße sicher und zuverlässig. Deutschland verfügt über die viertgrößten Gasspeicherkapazitäten der Welt. In der Europäischen Union (EU) ist das sogar Rekord: Mit knapp 24,6 Milliarden Kubikmetern hat kein Land in der EU mehr Platz, um Erdgas zu speichern.

Im Dezember 2015 hat das BMWi Eckpunkte (PDF: 36 KB) vorgelegt, um die Erdgasversorgung noch sicherer zu machen. Erfahren Sie mehr zu der Sicherung der Gasversorgung und der Krisenvorsorge.

Handel und Regulierung des Gasmarktes

Der deutsche Gasmarkt zeichnet sich durch eine Vielzahl privatrechtlich organisierter Marktakteure in den Bereichen Gasnetze, Speicherbetrieb und Handel aus. Es gibt derzeit zwei Marktgebiete (NCG und Gaspool), mit je einem Marktgebietsverantwortlichen – dieser sorgt für die effiziente Abwicklung des Gasnetzzugangs und des Marktgeschehens. Auf dem deutschen Gasmarkt agieren derzeit 16 Gasfernleitungsunternehmen - weitere Akteure sind die Verteilernetzbetreiber, Speicherbetreiber sowie Handelsunternehmen. Mit dem EU-Binnenmarktpaket zur Strom- und Erdgasmarktliberalisierung, zuletzt geändert mit dem Dritten Binnenmarktpaket, werden die Tätigkeitsbereiche der Marktakteure neu festgelegt. Um den Wettbewerb zu fördern, werden die Betreiber von Gasversorgungsnetzen und Speichern vom Erdgashandel getrennt. Reguliert werden die Elektrizitäts- und Gasversorgungsnetze von der Bundesnetzagentur und den Landesregulierungsbehörden.

Gaspreis und Kosten

Wie für andere Waren und Dienstleistungen werden die Preise für Erdgas auf der Basis von Angebot und Nachfrage frei gebildet. Unterschiedliche Kostenbestandteile liegen den Preisen zu Grunde.

Die Beschaffungskosten beinhalten den Gaseinkaufspreis sowie alle Transportkosten. Die Verteilungskosten sind alle Kosten der Weiterleitung des Erdgases an die Endkunden. Darin enthalten sind auch alle Kosten, die mit dem Ausbau und der Instandhaltung des Erdgasnetzes verbunden sind. Der Erdgassteuer liegt das Energiesteuergesetz zugrunde. Mit ihm wird die Verbrauchsmenge an Erdgas in den verschiedenen Einsatzbereichen besteuert.

Die Konzessionsabgabe müssen die Netzbetreiber an die jeweilige Gemeinde entrichten, da sie öffentliches Gebiet für das Verlegen und Betreiben von Gasleitungen nutzen. Weitere Informationen zu den Gaspreisen erhalten Sie hier.

Perspektive "Power to gas": Energie speichern im Gasnetz

Für das Gasnetz zeichnet sich eine weitere wichtige und zukunftsträchtige Anwendung ab: Indem regenerativer Strom in Methan umgewandelt und in das Gasnetz eingespeist wird, könnte es als riesiger Speicher für mehrere Milliarden Kilowattstunden Energie dienen. Derzeit laufen hierzu Forschungs- und Demonstrationsprojekte mit dem Ziel, diese Technologie in den kommenden Jahrzehnten zum Einsatz zu bringen. Mehr erfahren.

Erdgasmobilität

Erdgas als Kraftstoff voranzubringen ist eines der Mittel, um die CO2-Emissionen des Verkehrs zu reduzieren, denn Erdgasfahrzeuge stoßen keine Partikel und kaum Stickoxide aus. Deshalb hat das BMWi den sogenannten "Runden Tisch Erdgasmobilität" gestartet. Ziel ist ein Erdgas-Anteil von vier Prozent am Energieverbrauch im Verkehrssektor bis 2020. Mehr erfahren.

Kohle

Energieträger für Kraftwerke und Industrie

Stein- und Braunkohle spielen nach wie vor eine wichtige Rolle im Energiemix: Fast 25 Prozent des Primärenergieverbrauchs basieren heute noch auf diesen Energieträgern.

In der Stromproduktion gehört Kohle zu den wichtigsten Energieträgern. Rund 40 Prozent des elektrischen Stroms wird aus Kohle gewonnen (Braunkohle - 23,1 Prozent, Steinkohle – 17,2 Prozent).

Steinkohle: Rohstoff für Stromerzeugung und Stahlindustrie

Die Hauptverbraucher von Steinkohle sind in Deutschland die Kraftwerke und die Stahlindustrie. Im Jahr 2016 entfielen auf die Kraftwerke rund 78 Prozent des Gesamtverbrauchs an Steinkohle, auf die Stahlindustrie rund 20 Prozent, auf das sonstige produzierende Gewerbe und auf den Hausbrand und Kleinverbraucher etwa 2 Prozent. Der deutsche Steinkohlenbergbau befindet sich bereits seit Jahrzehnten in einem Umstrukturierungsprozess. Die Förderung sowie die Anzahl der Bergwerke und Beschäftigten verringern sich ständig. Angesichts dieser Entwicklung sichern Einfuhren mittlerweile zu rd. 90 Prozent die Versorgung des deutschen Marktes mit Steinkohle und Steinkohleprodukten (54,1 Millionen Tonnen in 2016). Weitere Informationen zur Steinkohlenförderung und -subventionierung finden Sie hier.

Braunkohle: ein heimischer fossiler Energierohstoff

Braunkohle wird in vier Revieren, dem Rheinischen, Lausitzer, Mitteldeutschen und Helmstedter Revier, ausschließlich in Tagebauen, also oberflächennah gefördert. Die Jahresförderung betrug 2016 rund 171,5 Millionen Tonnen. Die Bundesrepublik Deutschland ist weltweit das größte Braunkohlenförderland, gefolgt von China, Russland und den USA. Weitere Informationen zum Energieträger Kohle erhalten Sie hier.

Bergbaustatistik: Fakten und Zahlen zum Bergbau in Deutschland

Deutschland ist ein traditionsreiches Bergbauland – und auch aktuell spielt der Bergbau eine wichtige Rolle. Etwa 55.000 Menschen finden in bergbaulichen Betrieben Beschäftigung und sichern unsere heimische Rohstoffbasis vor allem in den Bereichen Kohle, Erdgas und Öl sowie Kali und Salze. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gibt in Zusammenarbeit mit den Bergbehörden der Bundesländer einen Jahresbericht in der Reihe "Der Bergbau in der Bundesrepublik Deutschland - Bergwirtschaft und Statistik" heraus. Der Bericht heißt wegen seines ursprünglich blauen Einbandes umgangssprachlich auch "Blaues Heft". Er enthält umfassende Daten aller Produktionsbetriebe des Bergbaus in der Bundesrepublik Deutschland mit einem ausführlichen Statistikteil.

Energiedaten

Ausgewählte Grafiken zu Energieträgern

Übersicht

Mineralöl und Kraftstoffe

Rohstoff für Verkehr und Transport

Zu den wichtigsten Energieträgern in Deutschland zählt nach wie vor Mineralöl. 34 Prozent des Primärenergieverbrauchs stammten 2016 aus Mineralölen und Kraftstoffen – der überwiegende Teil wird importiert.

Mit einem Anteil von rund 34 Prozent am Primärenergieverbrauch im Jahr 2016 ist Mineralöl nach wie vor der größte Primärenergieträger in Deutschland. Während in den siebziger Jahren noch mehr als die Hälfte des Primärenergieverbrauchs auf Mineralöl entfiel, sank sein Anteil in den achtziger Jahren vor allem wegen des stärkeren Einsatzes von Erdgas im Wärmebereich. Eine wichtige Rolle spielt Mineralöl für den Verkehrssektor: 94 Prozent des Endenergieverbrauchs des Verkehrssektors entfällt auf Mineralöl 2015.

Der Inlandsabsatz an Mineralölprodukten betrug im Jahr 2016 rund 104 Millionen Tonnen. Die gemessen an der Verbrauchsmenge wichtigsten Mineralölprodukte waren Dieselkraftstoff (38,4 Millionen Tonnen), Ottokraftstoff (18,3 Millionen Tonnen), Rohbenzin (16,5 Millionen Tonnen), das in der Petrochemie eingesetzt wird sowie leichtes Heizöl (15,8 Millionen Tonnen). Weitere Mineralölprodukte sind unter anderem Flugturbinenkraftstoff (9,2 Millionen Tonnen) und schweres Heizöl (4,5 Millionen Tonnen), das in der Industrie eingesetzt wird.

Seit einigen Jahren leisten auch Biokraftstoffe wie Bioethanol und Biodiesel aus Klimaschutzgründen einen Beitrag zur Energieversorgung. Weitere Informationen zum Thema alternativer Kraftstoffe finden Sie hier.

Handels- und Importgut Mineralöl

Die Rohölimporte Deutschlands lagen im Jahr 2016 bei rund 91 Millionen Tonnen. Zehn Jahre zuvor waren es noch rund achtzehn Millionen Tonnen mehr. Wichtigstes Lieferland ist Russland; dessen Beitrag zu den deutschen Rohöleinfuhren im vergangenen Jahr knapp 40 Prozent betrug. Aus Norwegen und Mitgliedstaaten der Europäischen Union wurden 2016 zusammen rund 22,4 Millionen Tonnen bezogen, was nicht ganz einem Viertel der deutschen Rohöleinfuhren entspricht. Mehr zur Handelsware Öl erfahren Sie hier.

Gefördert, transportiert, raffiniert: Der Weg des Mineralöls bis Deutschland

Rohöl wird nach Deutschland über vier grenzüberschreitende Rohölpipelines sowie über die Häfen Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Hamburg und Rostock eingeführt. Von den Häfen Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Rostock führen Pipelines zu verschiedenen Raffinerien. Die Pipelineinfrastruktur befindet sich im Eigentum der mineralölverarbeitenden Industrie; sie wird zumeist durch gemeinschaftliche Unternehmen mehrerer Mineralölgesellschaften betrieben. Die Lagerung von Rohöl sowie von Zwischen- und Fertigprodukten erfolgt sowohl unterirdisch in Kavernen als auch oberirdisch in Raffinerien und zahlreichen raffinerieunabhängigen Tanklagern. Insgesamt betragen die Tanklagerkapazitäten in Deutschland rund 62 Millionen Kubikmeter, wovon 40 Prozent auf Kavernen entfallen. Erfahren Sie mehr.

Die Märkte für Kraft- und Brennstoffe

Der Vertrieb von Diesel, Benzin und anderen Kraftstoffen wie Autogas (LPG) und Erdgas erfolgt über mehr als 14.000 Straßen- und rund 350 Autobahntankstellen. Neben den großen Mineralölgesellschaften sind zahlreiche konzernunabhängige Unternehmen im Kraftstoffmarkt tätig. Mehr zum Thema finden Sie hier.

Wie für andere Waren und Dienstleistungen werden die Preise für Benzin und Diesel grundsätzlich auf der Basis von Angebot und Nachfrage frei gebildet. Ein wichtiger Einflussfaktor auf das Angebot dieser Kraftstoffe und damit auch auf den Preis an der Tankstelle ist der Rohölpreis. Mehr zum Thema Kraftstoffpreise finden Sie hier.

Unser Ziel: Abhängigkeit schrittweise vermindern

Von Erdöl sind der private und gewerbliche Straßenverkehr, der Schiffs- und Flugverkehr, die Gebäudeheizung und die Produktion vieler Güter mehr oder weniger stark abhängig. Die Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft vom Öl kann - wie schon in der Vergangenheit erfolgreich praktiziert - über verbesserte Energieeffizienz, Energieeinsparung sowie Substitution durch andere Energieträger weiter vermindert werden. Angesichts der hohen Einfuhrabhängigkeit und der Weltmarktrisiken ist aber auch Vorsorge gegen kurzfristige Versorgungsstörungen geboten. Für Fragen der Versorgungssicherheit und der Vorsorge für Versorgungskrisen ist innerhalb der Bundesregierung das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zuständig. Mehr zum Thema Krisenvorsorge erfahren Sie hier.

Offshore-Windpark zum Thema Energiewende; Quelle: ABB

© ABB

Die nächste Phase der Energiewende kann beginnen

Zum Dossier

Kernenergie

Ein sicherer Ausstieg aus der Kernenergie

Deutschland hat mit der Energiewende den Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung beschlossen. In Deutschland sind derzeit noch 8 Kernkraftwerke in Betrieb. Diese werden schrittweise bis Ende 2022 abgeschaltet.

Seit der Atomkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima gibt es in Deutschland einen breiten Konsens: Die Kernenergie soll bis 2022 beendet werden.

Kernkraftwerke in Deutschland

Seit 1962 wurden in Deutschland insgesamt 37 Kernkraftwerke errichtet, die den kommerziellen Leistungsbetrieb aufgenommen haben. Heute sind noch 8 Kernkraftwerke mit einer elektrischen Leistung von ca. 11.000 MW in Betrieb. Im Zuge der Energiewende werden aber auch diese Schritt für Schritt abgeschaltet: Bis Ende 2017 das Kernkraftwerk Gundremmingen B, bis Ende 2019 das Kernkraftwerk Philippsburg 2 und bis Ende 2021 die Kernkraftwerke Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf. Die drei jüngsten Anlagen Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 werden spätestens mit Ablauf des Jahres 2022 vom Netz gehen.

Finanzierung des Kernenergieausstiegs langfristig gesichert

Nach dem Grundsatz, dass die Kosten der Entsorgung von den Verursachern zu zahlen sind, sind die Betreiber von Kernkraftwerken gemäß Atomgesetz verpflichtet, die Kosten für die Stilllegung und den Rückbau der Kernkraftwerke sowie für die Entsorgung des von ihnen erzeugten radioaktiven Abfalls einschließlich dessen Endlagerung zu tragen.

Das Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung (317 KB) ist mit Erteilung der beihilferechtlichen Genehmigung der Europäischen Kommission am 16. Juni 2017 in Kraft getreten. Zuvor war es im Dezember 2016 vom Bundestag und Bundesrat beschlossen worden. Mit Inkrafttreten des Gesetzes wurde zugleich die Stiftung „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ (Fonds) errichtet

Das Gesetz regelt die Verantwortung für die kerntechnische Entsorgung und gewährleistet die Finanzierung für Stilllegung, Rückbau und Entsorgung langfristig, ohne die hierfür anfallenden Kosten auf die Gesellschaft zu übertragen oder die wirtschaftliche Situation der Betreiber zu gefährden.

Damit ist sichergestellt, dass die Betreiber der Kernkraftwerke auch zukünftig für die gesamte Abwicklung und Finanzierung der Bereiche Stilllegung, Rückbau und fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig sind. Für die Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung steht hingegen zukünftig der Bund in der Verantwortung. Die finanziellen Mittel für die Zwischen- und Endlagerung in Höhe von bis zu rund 24 Milliarden Euro werden dem Bund von den Betreibern zur Verfügung gestellt und zum 1. Juli 2017 in den Fonds übertragen.

Am 26. Juni 2017 haben Bundesministerin Brigitte Zypries und die Vorstände der Energieversorgungsunternehmen einen öffentlich-rechtlichen Vertrag unterzeichnet, der die im Gesetz festgelegte Neuaufteilung der Verantwortung bekräftigt. Mit dem Vertrag wird sowohl für den Bund als auch für die Unternehmen langfristige Rechtssicherheit geschaffen. Außerdem werden zahlreiche rechtliche Streitfälle beigelegt, die in Zusammenhang mit der Entsorgung radioaktiver Abfälle und dem Ausstieg aus der Kernenergie standen. Den Vertrag finden Sie hier (PDF, 4MB).

Bereits am 19. Juni 2017 hatte sich das Kuratorium als Aufsichts- und Gründungsorgan der Stiftung konstituiert und wichtige organisatorische Entscheidungen getroffen. Detaillierte Informationen zur Neuordnung der Verantwortung finden Sie hier (PDF: 37 KB).

Mit dem Gesetz werden die Empfehlungen der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) umgesetzt und die Handlungs- und die Finanzierungsverantwortung für die Entsorgung kerntechnischer Abfälle erstmals zusammengeführt. Das Bundeskabinett hatte die KFK (PDF: 1,18 MB) am 14. Oktober 2015 eingesetzt. Die Expertenkommission sollte Empfehlungen zu der Sicherstellung der Finanzierung von Stilllegung, Rückbau und Entsorgung erarbeiten, durch die gewährleistet ist , dass die Unternehmen auch langfristig wirtschaftlich in der Lage sind, ihre Verpflichtungen aus dem Atombereich zu erfüllen. Am 27. April 2016 hat die KFK ihre einstimmig beschlossenen Handlungsempfehlungen an den Staatssekretärausschuss Kernenergie übergeben und ihre Arbeit damit erfolgreich beendet. Die einzelnen Empfehlungen der KFK finden Sie im Abschlussbericht (PDF: 969 KB).

Gutachten zur Überprüfung der Kernenergie-Rückstellungen ("Stresstest")

Eine wesentliche Arbeitsgrundlagen der KFK war das am 10. Oktober 2015 vom BMWi in Auftrag gegebene Gutachten zur Überprüfung der Kernenergie-Rückstellungen ("Stresstest") (PDF: 2,75 MB). Nach dessen Ergebnissen sind die Energieversorgungsunternehmen grundsätzlich in der Lage, die Kosten für den Rückbau der Kernkraftwerke und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle zu tragen. Die von den betroffenen Unternehmen hierfür gebildeten Rückstellungen in Höhe von 38,3 Milliarden Euro basieren auf geschätzten Kosten zu aktuellen Preisen in Höhe von rund 47,5 Milliarden Euro. Die Gutachter bestätigten die Nachvollziehbarkeit und Vollständigkeit der Kostenschätzung sowie die von den Unternehmen vorgenommene Bilanzierung der Rückstellungen.

Zur Thematik der Kernenergie-Rückstellungen und deren Reformbedarfs hatte die Bundesregierung zudem ein umfassendes Rechtsgutachten (PDF: 906 KB) in Auftrag gegeben.

Endlagerung radioaktiver Abfälle

Um hoch radioaktive Abfälle mit bestmöglicher Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahre zu lagern, wird ein geeigneter Endlagerstandort gesucht. Ein ergebnisoffenes, transparentes und wissenschaftsbasiertes Auswahlverfahren für diesen Standort gewährleistet das Standortauswahlgesetz (StandAG) – das im Juli 2013 in Kraft getreten ist. Das BMWi ist zuständig für standortunabhängige, anwendungsorientierte Grundlagenforschung zur nuklearen Entsorgung. Dabei steht der Aspekt der Sicherheit bei der Behandlung und Entsorgung radioaktiver Abfälle im Mittelpunkt. Mit dem  Förderkonzept "Forschung zur Entsorgung radioaktiver Abfälle (2015-2018)" hat das BMWi eine nähere Beschreibung der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten vorgelegt. Erfahren Sie mehr zur Endlagerung radioaktiver Abfälle und Endlagerforschung in Deutschland.

Forschung für mehr Reaktorsicherheit

Die Reaktorsicherheitsforschung des BMWi trägt zu dem auch im Ausland anerkannten hohen Sicherheitsniveau der deutschen Kernkraftwerke bei. Sie definiert den Stand von Wissenschaft und Technik in der Sicherheitsbeurteilung. Die geförderten Forschungsprojekte stellen z. B. Rechenwerkzeuge für die Beurteilung und Analyse von Vorgängen in Kernkraftwerken bereit oder untersuchen das Verhalten von Werkstoffen unter Kernkraftwerksbedingungen. Diese Arbeiten dienen auch dem Erhalt der weiter nötigen Kompetenz für den Umgang mit Nukleartechnik und Strahlenschutz in Medizin, Industrie und Forschung.

Angesichts des internationalen Trends zur weiteren Nutzung der Kernenergie will sich die Bundesregierung die Kompetenz bewahren, die Sicherheit auch von Kernkraftwerken in den Nachbarländern beurteilen und ggf. Vorschläge zu ihrer Verbesserung machen zu können. Die Reaktorsicherheitsforschung wird daher verstärkt in internationaler Zusammenarbeit z. B. im Rahmen der EU (Euratom) und der OECD-Nuclear Energy Agency durchgeführt.

Pressemitteilungen und aktuelle Meldungen

  • 20.09.2017 - Gemeinsame Pressemitteilung - Konventionelle Energieträger

    Pressemitteilung: Bund, Sachsen, Thüringen und die Wismut GmbH unterzeichnen Absichtserklärung zum künftigen Umgang mit dem „Wismut-Erbe“

    Öffnet Einzelsicht
  • 03.07.2017 - Pressemitteilung - Konventionelle Energieträger

    Pressemitteilung: Kernkraftwerksbetreiber haben Einzahlungen an nuklearen Entsorgungsfonds in Höhe von rd. 24 Milliarden Euro geleistet

    Öffnet Einzelsicht
  • 30.06.2017 - Meldung - Konventionelle Energieträger

    Vattenfall AB et al. gegen Bundesrepublik Deutschland (ICSID Fall Nr. ARB/12/12) - mündliche Verhandlung

    Öffnet Einzelsicht

Weiterführende Informationen

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Kohle zum Thema Konventionelle Energieträger; Quelle: mauritius images/Cultura

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