Bundesminister Sigmar Gabriel beim Bürgerdialog; Quelle: BMWi/Maurice Weiss

Bundesminister Sigmar Gabriel beim Bürgerdialog

© BMWi/Maurice Weiss

Am 26. Oktober 2016 verabschiedete das Bundeskabinett den Regierungsbericht zur Lebensqualität in Deutschland. Der Bericht beruht auf einem ergebnisoffenen Bürgerdialog, der von April bis Oktober 2015 geführt wurde. Mehr als 15.000 Bürgerinnen und Bürger formulierten ihr persönliches Verständnis von Lebensqualität. Anschließend fand eine wissenschaftliche Auswertung statt. Der Bericht ist Teil der Regierungsstrategie "Gut leben in Deutschland - was uns wichtig ist", mit der die Bundesregierung die Lebensqualität in den Fokus ihres Regierungshandelns rückt.

"Der Bericht ist Kompass und gleichzeitig Handlungsauftrag an die Politik, mehr zu tun, damit 'Wohlstand für alle' kein leeres Versprechen ist. Die Bürgerinnen und Bürger wollen ein gerechtes Land", so Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Zu den wichtigsten Forderungen, die im Bürgerdialog zur Sprache kamen, gehören Chancengleichheit, Zusammenhalt, Gleichstellung von Frauen und die Schließung der Schere zwischen Arm und Reich bei Einkommen, Bildung und Gesundheitsversorgung.

Der Bericht der Bundesregierung zur Lebensqualität berücksichtigt und misst neben dem wirtschaftlichen Erfolg Aspekte wie Gesundheit, Bildungschancen, Zugang zu kulturellen Gütern, Freiheit, sozialen Zusammenhalt, politische Mitbestimmung und Umweltverträglichkeit. Er geht damit über die Betrachtung des reinen Wirtschaftswachstums als Indikator für Wohlstand hinaus und spiegelt damit das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger von Lebensqualität und Wohlstand.

Die unterschiedlichen Aspekte von Lebensqualität werden in ihren sich positiv verstärkenden wie konkurrierenden Wechselbeziehungen sichtbar. Der Bericht beschreibt in zwölf Dimensionen und mit 46 Indikatoren die Lebensqualität in Deutschland. Für die Auswahl der Dimensionen und Indikatoren waren die Ergebnisse des Bürgerdialogs maßgeblich. Zudem hat die Bundesregierung Erkenntnisse der Forschung zur Lebensqualität sowie nationale und internationale Referenzprojekte berücksichtigt.

Lebensqualität in Deutschland

Alle Dimensionen von Lebensqualität stehen gleichberechtigt nebeneinander. Eine Hierarchisierung oder Gewichtung wird nicht vorgenommen.

Im Bürgerdialog wurde von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern betont, wie wichtig eine dynamische Wirtschaft als Basis für eine hohe Lebensqualität ist. Die solide wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre geht einher mit einem substanziellen Kaufkraftzuwachs in breiten Teilen der Gesellschaft. Mehr Kaufkraft und Arbeitsplätze erhöhen die Lebensqualität vieler Menschen in Deutschland. Wichtig für wirtschaftlichen Erfolg sind aus Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gute Wettbewerbsbedingungen, ein innovationsfreundliches Klima und Investitionen.

Solide wirtschaftliche Entwicklung

Auch wenn sich das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht als alleiniger Indikator für den Wohlstand der Gesellschaft eignet, ist es dennoch ein zentraler und notwendiger Indikator, um die Wirtschaftsleistung eines Landes abzubilden. Die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf bestätigt: Deutschland ist trotz Wiedervereinigung und Wirtschafts- und Finanzkrise wirtschaftlich starkes Land. Zwischen den Jahren 1991 und 2015 stieg das BIP pro Kopf um etwa ein Drittel an.

Inklusives und umweltgerechtes Wachstum ermöglichen

Die Ergebnisse des Bürgerdialogs zeigen deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland an mehr als rein materiellem Wachstum interessiert sind. Viel mehr wünschen sie sich ein sozial und ökologisch tragbares Wachstum. Aus wirtschaftspolitischer Perspektive bedeutet dies, die Qualität des Wirtschaftswachstums noch stärker in den Blick zu nehmen.

Ein großer Erfolg und wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem ökologisch tragfähigeren Wirtschaftswachstum ist die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Energieverbrauch. Das zeigt sich an der in den letzten Jahren um 50% gestiegenen Energieproduktivität. Mehr Informationen zum Thema Energieeffizienz finden Sie hier.

Infografik: Entwicklung der Energieproduktivität (preisbereinigtes BIP je Einheit Primärenergieverbrauch) Bild vergrößern

Entwicklung der Energieproduktivität (preisbereinigtes BIP je Einheit Primärenergieverbrauch)

© Basisjahr (Index=100) ist 1990. Quelle: Arbeitsbemeinschaft Energiebilanzen e.V. und Statistisches Bundesamt; CC BY 4.0 Bundesregierung.

Zudem wird die Energieversorgung in Deutschland von Jahr zu Jahr "grüner", der Beitrag der erneuerbaren Energien wächst beständig. Im Jahr 2015 trugen die erneuerbaren Energien bereits rund 30 Prozent zur Bruttostromerzeugung bei.

Investieren in eine gute Zukunft

Die Zukunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft wird durch Investitionen bestimmt. Um Wohlstand nicht nur heute sondern auch in Zukunft zu garantieren und auf Herausforderungen aus Wirtschaft und Gesellschaft flexibel reagieren zu können, sind vorausschauende und regelmäßige Investitionen unerlässlich. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat auf die unzureichende Investitionsdynamik der letzten Jahre reagiert und eine Expertenkommission einberufen, die konkrete Maßnahmen erarbeitet hat. Viele Empfehlungen wurden bereits erfolgreich umgesetzt: Seit Beginn der Legislaturperiode wurden die direkten Investitionen um ein Drittel auf 33,3 Mrd. Euro im kommenden Jahr erhöht.

Innovation und Erfindergeist fördern

Dass die Politik Zukunftsthemen erkennt und innovative Ideen unterstützt, war den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Bürgerdialogs zur Lebensqualität wichtig. Auch Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig: Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöhen die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften und schaffen damit Wachstum. Das BMWi unterstützt die Innovationskraft der Unternehmen durch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und marktorientierte Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsaktivitäten. Mehr zur Innovationspolitik erfahren Sie hier.

Gründerkultur verbessern

Kleine und mittlere Unternehmen stellen in Deutschland 16 Millionen Arbeitsplätze. Sie bieten acht von zehn Ausbildungsplätze an. Unternehmensgründungen sorgen für mehr Wettbewerb. Sie bewirken Innovation, höhere Produktivität und eine größere Produktpalette. Mit der Initiative "Die Neue Gründerzeit" lenkt das BMWi den Fokus auf vielfältige Maßnahmen, Finanzierungswege und wertvolle Hilfen für Jungunternehmerinnen und -unternehmer.

Die Bundesregierung plant, den Bericht zur Lebensqualität in Deutschland einmal je Legislaturperiode fortzuschreiben. Auf dieser Grundlage ist es zukünftig möglich, politischen Handlungsbedarf zu identifizieren und wirksame Maßnahmen zu entwickeln, um die Lebensqualität in Deutschland zu erhalten und zu verbessern.

Den Gesamtbericht der Bundesregierung zur Lebensqualität in Deutschland finden Sie hier. Eine interaktive Aufbereitung finden Sie auf der Website www.gut-leben-in-deutschland.de.