Ingenieur in der Ausbildung zum Thema Flüchtlingspolitik; Quelle: iStock.com/SolStock

© iStock.com/SolStock

Zugang zu Ausbildung und Arbeit erleichtern

In den vergangenen Monaten hat die Bundesregierung auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zahlreiche Maßnahmen verabredet, um die Zuwanderung zu reduzieren, ohne das Grundrecht auf Asyl in Frage zu stellen. Damit Flüchtlinge bessere Ausbildungschancen und eine klare Perspektive haben, hat der Bundestag am 7. Juli 2016 ein Integrationsgesetz verabschiedet, das einerseits die Integration der Menschen in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt fördert und sie andererseits zu eigenen Integrationsbemühungen verpflichtet („fördern und fordern“). Das Gesetz sieht auch Erleichterungen für Unternehmen vor, die Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen wollen. So hat sich der ehemalige Bundesminister Gabriel besonders für die sogenannte 3+2 Regelung eingesetzt, mit der geduldete Flüchtlinge die Sicherheit erhalten, für die Zeit ihrer Ausbildung und unmittelbar danach in Deutschland bleiben zu dürfen. Dies ist ein wichtiger Schritt für mehr Rechtssicherheit und Verfahrensvereinfachungen für Flüchtlinge und Ausbildungsbetriebe. Weitere Informationen zur 3+2 Regelung sind hier abrufbar.

Bereits zuvor haben sich Bund und Länder im Asylpaket I (Beschluss, PDF: 46 KB) und Asylpaket II auf umfangreiche Maßnahmen geeinigt, die Deutschland dank seiner guten wirtschaftlichen Lage und soliden Finanzpolitik umsetzen kann, ohne in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Sozialpolitik kürzen zu müssen. Trotz der Möglichkeiten in Deutschland, auf die Flüchtlingszuströme zu reagieren, sind sie eine europäische Herausforderung, die alle Unionsmitglieder gemeinsam angehen müssen.

Bundeswirtschaftsministerium unterstützt Betriebe bei der Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit

Insbesondere Sprachkurse tragen entscheidend dazu bei, die Integration der zu uns kommenden Menschen zu verbessern. Die Bundesregierung hat die Mittel für die allgemeine Sprachförderung erheblich erhöht. 559 Millionen Euro stehen zur Verfügung, um 300.000 Flüchtlingen und Zuwanderern die Teilnahme an einem Deutschkurs zu ermöglichen. Für 2017 stehen weitere 470 Millionen für die Vermittlung berufsbezogener Deutschkennnisse bereit.

Bereits am 18. September 2015 hat der ehemalige Bundesminister Sigmar Gabriel gemeinsam mit Vertretern anderen Ressorts, der Bundesagentur für Arbeit der Wirtschaft, Gewerkschaften und Ländern im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung Maßnahmen auch zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit abgestimmt. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite der Allianz für Aus- und Weiterbildung.

Willkommenslotsen konnten bereits rund 7.700 Vermittlungen von Geflüchteten erzielen

Als eine Maßnahme der Allianz für Aus-und Weiterbildung wurden sogenannte Willkommenslotsen eingerichtet. Der damalige Bundesminister Sigmar Gabriel und der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer gaben im Dezember 2015 den Startschuss für das Programm, durch das inzwischen 150 Willkommenslotsen an rund 110 Kammern und anderen Organisationen der Wirtschaft bundesweit im Einsatz sind.

Die Willkommenslotsen helfen bei Fragen zu Sprachförderung, Aufenthaltsstatus, Qualifikationsbedarf sowie zu Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten. Das erfolgreiche Programm "Passgenaue Besetzung" zur Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen bei der Besetzung von freien Ausbildungsstellen wird damit um eine Komponente zur Besetzung von Ausbildungsstellen mit Geflüchteten ergänzt. Ab dem 28. September 2017 können auch große Unternehmen die Unterstützung der "Willkommenslotsen" in Anspruch nehmen.

Seit Beginn des Programms im März 2016 haben die Willkommenslotsen insgesamt rund 7.700 Vermittlungen von Flüchtlingen erzielt: 3.878 in Praktika, 542 in Hospitation, 1.156 in die Einstiegsqualifizierung, 1.344 in Ausbildung und 766 in Arbeit.

Start-Up Your Future: Geflüchtete auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleiten

Aufgrund sprachlicher Barrieren und fehlender Kenntnisse der hiesigen Strukturen stehen Geflüchtete mit unternehmerischem Potenzial vor zusätzlichen Herausforderungen, wenn es um den Aufbau eines eigenen Unternehmens geht. Damit diese Faktoren nicht zum Ausschlusskriterium für eine Selbstständigkeit werden, haben BMWi und die Wirtschaftsjunioren Deutschland am 6. Juni 2017 ein Pilotprojekt gestartet, das gründungsinteressierte Geflüchtete bei der Umsetzung ihrer Ideen und bei der Gestaltung ihrer Selbständigkeit unterstützt. Unter dem Motto „Start-Up Your Future“ fungieren erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer in der Pilotregion Berlin-Brandenburg als ehrenamtliche Gründerpaten: sie geben ihr Wissen weiter, öffnen ihre Netzwerke und stehen als persönliche Ansprechpartner zur Verfügung. Zu den Bestandteilen des Projekts gehören unter anderem Hospitationen in Unternehmen, Mentorenschaften, Team- und Tandemgründungen sowie die Unternehmensnachfolge. Darüber hinaus können Geflüchtete Trainings und Seminare besuchen. Das Pilotprojekt ist Teil der Initiative „Die Neue Gründerzeit“ des BMWi und läuft bis Ende 2018.

Maßgeschneiderte Netzwerke, Angebote und Informationen für Unternehmen

Im März 2016 haben der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der Präsident des Deutschen Industrie-und Handelskammertages (DIHK) Dr. Erich Schweitzer das NETZWERK "Unternehmen integrieren Flüchtlinge" ins Leben gerufen. Innerhalb kurzer Zeit ist das Unternehmensnetzwerk rapide gewachsen: Ein Jahr nach seiner Gründung zählt das Netzwerk rund 1.400 Mitgliedsunternehmen bundesweit, 72 Prozent davon sind kleine und mittlere Unternehmen. Darüber hinaus haben die Unternehmen des Netzwerks in dieser Zeit 2.500 Arbeitsplätze für Geflüchtete geschaffen. Das Netzwerk bietet Unternehmen, die sich für Flüchtlinge engagieren oder engagieren wollen, eine Plattform zum Austausch von praktischem Know-How und Erfahrungswissen. Außerdem erhalten die Unternehmen Informationen zu Rechtsfragen, Integrationsinitiativen und ehrenamtlichem Engagement. Das BMWi fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit insgesamt rund 2,8 Millionen Euro.

Seit November 2016 fördert das BMWi zudem das Modellprojekt „Gemeinsam in die Ausbildung“. Geflüchtete und deutsche Jugendliche werden hier gemeinsam auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet (z.B. durch berufsvorbereitenden Unterricht, Sprachkurse sowie Praktika) und im ersten Ausbildungsjahr begleitet. Das Projekt verfolgt mit dieser Zielgruppe neben dem Ansatz der „doppelten Integration“ die Betreuung aus einer Hand und soll einen Beitrag zur Überwindung des Fachkräftemangels in Handwerksberufen leisten.

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) bietet umfassende Informationen zur Integration von Flüchtlingen in kleinen und mittleren Unternehmen unter dem Motto: "Flüchtlinge integrieren, Fachkräfte gewinnen". In einer Erhebung zum Engagement von Unternehmen bei der Integration von Flüchtlingen, die das KOFA im März 2017 vorgestellt hat, zeigte sich der Erfolg der gemeinsamen Bemühungen deutlich: So hat sich 2016 jedes vierte Unternehmen in Deutschland für Flüchtlinge engagiert, im Handwerk sogar jeder dritte Betrieb. Die Studie ist auf der Internetseite des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung abrufbar.

Darüber hinaus können Unternehmen mit dem vom BMWi geförderten bq-Portal auf Deutschlands umfangreichste Wissens- und Arbeitsplattform zu ausländischen Berufsqualifikationen zurückgreifen. Das Portal bietet Beschreibungen von 83 Berufsbildungssystemen weltweit und über 2.800 ausländischen Berufsprofile, die dabei helfen, die Qualifikation von Bewerbern besser einzuschätzen.

Weitere Informationen zu den Maßnahmen des BMWi zur Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung finden Sie hier (PDF: 69 KB). Informationen zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse sind hier abrufbar.

Für mehr Sicherheit in Flüchtlingsunterkünften: Strengere Regeln für das Bewachungsgewerbe

Um die Sicherheit insbesondere in Flüchtlingsunterkünften zu verbessern, hat die Bundesregierung die Regeln für das Bewachungsgewerbe verschärft. Insbesondere sind dadurch die Anforderungen an die Zuverlässigkeitsüberprüfung und die Fachkenntnis von Bewachungsunternehmern und Bewachungspersonal in sensiblen Bereichen erhöht worden. Beispielsweise müssen Bewachungsunternehmer und Wachpersonen, die in bestimmten sensiblen Bereichen (z.B. Flüchtlingsunterkünften) in leitender Position eingesetzt werden, nun Sachkundenachweise erbringen. Zudem werden im Rahmen von behördlichen Zuverlässigkeitsprüfungen nun regelmäßig polizeiliche Stellungnahmen eingeholt. Zum besseren Vollzug des Bewachungsrechts wird bis zum 31.12.2018 ein „Nationales Bewacherregister“ errichtet. Detaillierte Informationen finden Sie unter Bewachungsrecht auf unserer Seite zum Gewerberecht.

Informationen und Unterstützung für Helfende in Deutschland

In den Jahren 2015 und 2016 sind mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Die Integration der Menschen, die längerfristig bei uns bleiben werden, kann nur mit Unterstützung der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gelingen. Kommunen brauchen besondere Flexibilität bei öffentlichen Aufträgen zur Unterbringung, Versorgung und Betreuung von Flüchtlingen. Das Vergaberecht bietet in außergewöhnlichen Lagen große Spielräume. Mehr Informationen finden Sie hier.

Wie hilft Deutschland in der Flüchtlingskrise? Was tun wir gegen Fluchtursachen? Und wie hilft Europa? Die Bundesregierung bietet auf der Themenseite "Flucht und Asyl" ein umfassendes Informationsangebot zu vielfältigen Fragestellungen und Themen.