Mehrere Personen mit Laptops, Telefon und Unterlagen an einem Tisch zum Thema Unternehmensgründungen; Quelle: istockphoto.com/Rawpixel

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Für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft und für den zukünftigen Wohlstand unserer Gesellschaft sind junge, innovative Unternehmen von zentraler Bedeutung. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung und die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Chancen. Gute, zukunftsträchtige Ideen sind dafür die Basis. Um diese Ideen umzusetzen, steht allerdings nicht immer eine ausreichende private Finanzierung bereit. Der Blick auf andere erfolgreiche Start-up-Standorte zeigt: Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist der Zugang zu Wagniskapital.

Gerade Berlin hat in jüngster Zeit als Investitionsziel viel Aufmerksamkeit erfahren. Dennoch gilt auch für Berlin, was für ganz Deutschland symptomatisch ist: Die erfolgversprechenden Start-ups sind klein und wachsen relativ langsam. Wenn wir zu den erfolgreichsten Märkten aufschließen wollen, brauchen wir einen stärkeren deutschen Wagniskapitalmarkt - gerade für besonders kapitalintensive Finanzierungen in der Wachstumsphase

2 Milliarden Euro zur Förderung von Start-ups

Die Bundesregierung hat eine Reihe von Förderinstrumenten (PDF: 90 KB) aufgesetzt, die Beteiligungskapital oder Zuschüsse für innovative Gründungsvorhaben bereitstellen. Insgesamt stehen in den nächsten Jahren 2 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln zur Förderung von Start-ups zur Verfügung. Damit sollen Unternehmensgründerinnen und -gründer mobilisiert und das Gründungsklima an Hochschulen und Forschungseinrichtungen verbessert werden: Für mehr Dynamik bei technologieorientierten und wissensbasierten Firmengründungen und ein nachhaltiges Wachstum dieser Unternehmen.

Mit dem "Eckpunktepapier Wagniskapital" (PDF: 99 KB) vom September 2015 hat die Bundesregierung erneut deutlich gemacht, dass sie sich dem Ziel verpflichtet sieht, Deutschland als Investitionsstandort für Wagniskapital international wettbewerbsfähig zu gestalten.

Die Maßnahmen dieser Legislaturperiode im Überblick:

  • Für die bessere Anrechenbarkeit von Verlustvorträgen wurde am 14. September vom Bundeskabinett ein entsprechender Gesetzentwurf beschlossen. Die Neuregelung beseitigt steuerliche Hemmnisse bei der Kapitalausstattung von Unternehmen und verbessert die Finanzierungsmöglichkeiten gerade junger Unternehmen erheblich. Der Gesetzentwurf wurde am 1. Dezember 2016 im Bundestag verabschiedet, der Bundesrat stimmte dem Gesetz am 16. Dezember 2016 zu. Das Gesetz tritt rückwirkend zum 1. Januar 2016 in Kraft. Eine abschließende Befassung des Bundesrates steht noch aus.
  • Verbesserte EXIST-Förderung für Gründerteams aus Hochschulen.
  • Der INVEST-Zuschuss für Wagniskapital wurde steuerfrei gestellt - über 2.000 Mal wurde der INVEST-Zuschuss bereits in Anspruch genommen und hat damit über 150 Millionen Euro an privatem Wagniskapital mobilisiert.
  • Ein weiterer Accelerator für deutsche Start-ups wurde in Boston/USA eingerichtet.
  • Die KfW ist im Rahmen der ERP-VC-Fondsinvestments mit einem Budget von 400 Millionen Euro im Risiko des ERP-Sondervermögens als Investor für Wagniskapital-Fonds in den Markt zurückgekehrt.
  • Die Regulierung von Crowd-Finanzierungen wurde im Sinne der finanzierten Unternehmen für Finanzierungen bis zu 2,5 Millionen Euro großzügig gefasst.
  • Die geänderte Anlageverordnung für Versicherungen vermeidet zusätzliche Belastungen für Wagniskapital.
  • Zusammen mit der Deutschen Börse sollen mehr Börsengänge mobilisiert werden: Dazu wurde bereits im Juni 2015 das "Deutsche Börse Venture Network" gestartet, mit welchem Unternehmen an die Börse herangeführt werden sollen. Kern des Programms ist eine Plattform für den Austausch zwischen Unternehmen und Investoren. Darüber hinaus hat die Deutsche Börse am 1. März 2017 unter dem Namen „Scale“ ein neues Börsensegment für junge Wachstumsunternehmen und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eingeführt. Das neue Börsensegment ist das Ergebnis zweier Round Tables des BMWi gemeinsam mit der Deutschen Börse sowie hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Finanzwirtschaft und der Start-up Branche. Zum Round Table im Juni 2015 entwickelten drei Arbeitsgruppen insgesamt 25 Handlungsempfehlungen, wie die Anzahl der Börsengänge in Deutschland nachhaltig erhöht werden kann. Auf 11 Feldern konnten bereits deutliche Fortschritte erzielt werden, wie ein im Juli 2017 veröffentlichter Fortschrittsbericht zeigt.
  • Im März 2016 startete der aus dem ERP-Startfonds ausgegründete neue Fonds coparion, der Start-ups und junge Technologieunternehmen in gleicher Höhe und zu gleichen wirtschaftlichen Konditionen wie ein jeweiliger Leadinvestor finanziert und ein Fondsvolumen von 225 Millionen Euro hat.
  • Ebenfalls im März 2016 gab der ehemalige Bundesminister Gabriel den Startschuss für einen 500 Millionen Euro starken ERP/EIF-Wachstumsfonds, der die Lücke bei größeren Wachstumsfinanzierungen verkleinern soll.

Darüber hinaus befinden sich derzeit weitere Maßnahmen in Planung (u. a. die massive Erweiterung des INVEST-Programms), mit denen wir sowohl den Ausbau des Förderinstrumentariums als auch den regulatorischen Rahmen für Wagniskapital in den Blick nehmen.

Zu den Programmen sowie Förderinstrumenten im Einzelnen:

INVEST - Zuschuss für Wagniskapital

Mit dem "INVEST - Zuschuss für Wagniskapital" unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Beteiligungen privater Investoren an jungen innovativen Unternehmen, um deren Finanzierungsbedingungen zu verbessern. Private Investoren - insbesondere Business Angels - sollen angeregt werden, Wagniskapital für die Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Weitere Informationen zu "INVEST - Zuschuss für Wagniskapital" finden sie hier.

EXIST- Existenzgründungen aus der Wissenschaft

Die Bundesregierung fördert mit dem Programm "EXIST" Maßnahmen zur Verankerung einer Kultur der unternehmerischen Selbständigkeit und zur Stärkung des Unternehmergeistes an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Der Wettbewerb "EXIST-Gründungskultur - Die Gründerhochschule" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt Hochschulen dabei, das Potential an technologieorientierten Gründungen zu erschließen und mehr Gründungskultur zu etablieren. Das "EXIST-Gründerstipendium" des BMWi unterstützt Studierende und Absolventen bei der Vorbereitung innovativer Unternehmensgründungen und bei der Ausarbeitung eines Businessplans. "EXIST-Forschungstransfer" unterstützt technisch besonders anspruchsvolle Gründungsvorhaben, aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die relativ langen Entwicklungszeiten haben.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Programmsäulen von EXIST finden Sie hier.

High-Tech Gründerfonds

Der High-Tech Gründerfonds investiert Risikokapital in junge Technologieunternehmen und sorgt für die notwendige Betreuung und Unterstützung des Managements von jungen Start-ups. Voraussetzungen für eine Finanzierung sind vielversprechende Forschungsergebnisse, eine innovative technologische Basis sowie eine chancenreiche Marktsituation.

Weitere Informationen zum High-Tech Gründerfonds finden Sie hier.

coparion

Der gemeinsam vom ERP-Sondervermögen und der KfW aufgelegte Fonds beteiligt sich an innovativen Technologieunternehmen in der Start-Up- und frühen Wachstumsphase. Antragsberechtigt sind kleine innovative Technologieunternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit Betriebssitz in Deutschland.

Weitere Informationen zu coparion finden Sie hier und im Dokument "Wachstumsfinanzierung voranbringen" (PDF: 70 KB), in englischer Sprache (PDF: 81 KB).

ERP/EIF-Dachfonds, European Angels Fonds

Der im Rahmen der ERP-Förderprogramme gemeinsam vom Europäischen Investitionsfonds (EIF) und dem ERP-Sondervermögen finanzierte Dachfonds beteiligt sich an Venture-Capital-Fonds, die in Technologieunternehmen in ihrer frühen Entwicklungsphase investieren oder Anschlussfinanzierungen für Technologieunternehmen in der Früh- oder Wachstumsphase bereitstellen. Ein Teil der Mittel wird für den 2012 neu aufgelegten European Angels Fund (EAF) eingesetzt. Dieser kofinanziert die Investitionen ausgewählter und erfahrener Business Angels sowie anderer nicht-institutioneller Investoren, die sich an innovativen Unternehmen beteiligen. Durch die bereitgestellten Kofinanzierungsmittel erhöht der Fonds die Finanzkraft der Investoren und unterstützt damit die Finanzierung innovativer Unternehmen in ihrer Gründungs-, Früh- und Wachstumsphase.

Weitere Informationen zum ERP/EIF-Dachfonds und zum European Angels Fonds finden Sie hier.

Kontakt:
Europäischer Investitionsfonds
96 Blvd Konrad Adenauer
L-2968 Luxembourg
E-Mail: b.tremmerie@eif.org

ERP/EIF-Wachstumsfazilität

Die ebenfalls gemeinsam vom ERP-Sondervermögen und Europäischem Investitionsfonds aufgelegte Wachstumsfazilität mit einem Volumen von 500 Millionen Euro zielt auf die Finanzierung von Unternehmen in der Wachstumsphase ab. Als Co-Investmentfonds investiert sie gemeinsam mit erfolgreichen Wagniskapitalfonds in innovative deutsche Wachstumsunternehmen.

Weitere Informationen zur ERP/EIF-Wachstumsfazilität finden Sie hier und im Dokument "Wachstumsfinanzierung voranbringen" (PDF: 70 KB), in englischer Sprache (PDF: 81 KB).

ERP-VC-Fondsinvestments

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beteiligt sich im Auftrag und im Risiko des ERP-Sondervermögens mit einem Budget von 400 Millionen Euro an Wagniskapitalfonds in Deutschland und Europa. Ziel ist es, das Wagniskapitalangebot für technologieorientierte Start-ups und junge Unternehmen in der Wachstumsphase in Deutschland zu verbessern und dazu beizutragen, die Kapitalangebotslücke in der Start-up- und Wachstumsphase zu schließen.

Die Beteiligungen erfolgen an ausgewählten Venture Capital-Fonds mit Sitz in Deutschland oder Europa, die sowohl die Start-up-, als auch die Wachstumsphase junger Unternehmen abdecken können und die maßgeblich in Deutschland investieren. Grundsätzlich sind Beteiligungen an Wagniskapitalfonds mit einem branchenerfahrenen Team vorgesehen. Daneben sind jedoch auch Beteiligungen an neu gegründeten Fondsgesellschaften (sog. "First Time"-Fonds) möglich. Der Fokus der Beteiligungen soll auf Fonds für Start-ups aus technologieorientierten Branchen liegen (z. B. IT und E-Commerce, Biotech, Life Science, MedTech, Cleantech). Darüber hinaus kommt auch eine Beteiligung an "Social Venture" - Fonds in Betracht, die sich an kommerziell agierenden Sozialunternehmen beteiligen.

Antragsteller/Manager von VC-Fonds können sich zur Kontaktaufnahme an die KfW wenden.

Kontakt:
KfW Bankengruppe
Palmengartenstraße 5-9
60325 Frankfurt am Main
Tel. 069 7431-0
E-Mail: info@kfw.de

Kapitalsuchende Unternehmen können die Finanzierungsmöglichkeit indirekt wahrnehmen.
Erste Informationen finden Sie hier.