Digitale Anzeige im Auto zum Thema autonomes Fahren; Quelle: BMW Group

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Auf dem Weg zur Arbeit lesen Sie entspannt die Zeitung. In Ihrem Auto. Auf dem Fahrersitz. Sie lenken nicht, Sie bremsen nicht, Sie blinken nicht - und kommen doch sicher ans Ziel.

Das Ganze nennt sich autonomes Fahren und wird wohl in zehn, spätestens zwanzig Jahren Alltag sein. Schon jetzt gibt es in einem modernen Auto jede Menge Assistenzsysteme, mit denen es zum Beispiel sicher die Spur hält, im Stau "Stop and Go" fährt, selbstständig eine Notbremsung hinlegt oder die Gurte strafft, bevor hinten einer drauffährt. Klar, dass diese Entwicklung weitergeht und es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Fahrer das Steuer komplett aus der Hand geben kann.

David mit Goliath

Einige große Automobilhersteller setzen bei der Entwicklung von Assistenzsystemen auf die Software von Baselabs, einem kleinen Start-up aus Chemnitz. Diese Software ermöglicht es, mit vergleichsweise wenig Aufwand und Kosten Umfelderkennungssysteme für Prototypen zu entwickeln. "Umfelderkennung" bedeutet in diesem Fall: Das Auto erkennt während der Fahrt, wo sich in seinem Umfeld weitere Autos, aber auch Radfahrer, Fußgänger oder Hindernisse befinden.

Ein Sensor macht Fehler. Die Software bügelt sie aus.

Eine Umfelderkennung zu entwickeln, klingt leichter als es ist. Denn die Sensoren am Auto - also Radar-, Laser-, Ultraschallgeräte und Kameras - liefern ab und an widersprüchliche oder sogar falsche Messergebnisse. Um solche Fehler auszubügeln, ist eine ausgeklügelte Software nötig - und genau diese stellt Baselabs bereit.

Das Besondere an dieser Software: Sie besteht aus einzelnen Modulen, die nach dem Baukasten-Prinzip zusammengestellt werden können und dadurch in der Prototypen-Phase Zeit und Geld sparen. Der Autohersteller kann dabei wählen, ob er die Umfelderkennung selbst entwickelt oder sich diese von Baselabs entwickeln lässt.

In beiden Fällen erhält der Autohersteller ein System, mit dem er in der Prototypen-Phase Erfahrungen sammeln kann. Das bedeutet zum einen: Wie lässt sich die Umfelderkennung optimieren? Welche Sensoren liefern beispielweise die besten Ergebnisse und wo müssen sie platziert werden? Außerdem muss der Autohersteller entscheiden, wie sich das Auto verhalten soll, wenn die Umfelderkennung ein Hindernis auf der Fahrbahn erkennt: Weicht es automatisch aus? Bremst es ab? Wenn ja, wie stark?

Auf Grundlage dieser Erfahrungen und Entscheidungen kann der Autohersteller nun eine Umfelderkennung für die Serienproduktion entwickeln.

Gut gefördert. Weiter entwickelt.

Die Software von Baselabs hat nicht nur die Automobilbranche überzeugt, sondern zuvor bereits auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Die Idee erhielt 2012 einen Hauptpreis beim "Gründerwettbewerb - IKT Innovativ". Außerdem wurde das Start-up mit Mitteln aus dem EXIST-Forschungstransfer unterstützt. Mittlerweile ist Baselabs auch in einem weiteren Produktbereich tätig: Das Unternehmen bietet eine Erweiterung für bestehende Simulationsprogramme an, um Assistenzsysteme in der virtuellen Praxis zu testen. Das Besondere: Die falschen Messergebnis, die Sensoren ab und zu liefern, werden in diesem Programm extra eingefügt, um eine möglichst realitätsnahe Simulation zu gewährleisten.

Faktenübersicht:
Produkt: Baukastensystem für autonomes Fahren
Unternehmen: Baselabs GmbH, Chemnitz
Markteinführung: 2012
Förderung: EXIST-Forschungstransfer; Gründerwettbewerb - IKT Innovativ 2012
Fördersumme: 530.583 Euro (EXIST); 30.000 Euro plus Coachings (IKT)
Förderzeitraum (EXIST): April 2011 bis Mai 2013