Flaggenbild zu Brexit; Quelle: istockphoto.com/melis82

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Die britische Bevölkerung hat sich in einem Referendum für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union entschieden (zum Statement des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel im Handelsblatt). Die Entscheidung ist bedauernswert, hat aber auch mehr Klarheit gebracht. Die Europäische Union ist handlungsfähig und wird in den kommenden Wochen über die weiteren Schritte beraten. Die deutsche Wirtschaft muss keine Rechtsunsicherheiten befürchten. Die Märkte bleiben offen. Die Funktionsfähigkeit des Binnenmarktes steht nicht in Frage.

Die britische Regierung muss nun über die Einreichung des formellen Austrittsgesuchs entscheiden. Die britische Regierung hat angekündigt, dieses Gesuch bis spätestens März 2017 einzureichen. Dann werden die Austrittsverhandlungen mit den EU-Institutionen eingeleitet. Bis zum Abschluss dieser Verhandlungen gelten alle Rechte und Pflichten für Großbritannien fort.

Wir informieren zu den derzeitigen Wirtschaftsbeziehungen und geben Antworten auf häufige Fragen zum Austrittsverfahren selbst, zu den Auswirkungen auf deutsche Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger sowie zur weiteren Zusammenarbeit der EU mit dem Vereinigten Königreich.

Hintergrundinformationen

Das Vereinigte Königreich in der Europäischen Union

Das Vereinigte Königreich trat der Europäischen Union am 1. Januar 1973 bei; gemeinsam mit Dänemark und Irland. Damit erhöhte sich die damalige Zahl der Mitgliedsstaaten auf neun. Zum Vereinigten Königreich zählen England, Wales und Schottland, die zusammen Großbritannien bilden, sowie Nordirland. Mit etwa 65 Millionen Einwohnern stellen die Briten 12,8 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung.

Aktuelle Wirtschaftsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich

Deutschland und das Vereinigte Königreich pflegen enge Handelsbeziehungen. In Bezug auf Importe ist Deutschland für das Vereinigte Königreich der wichtigste Handelspartner; bei den Exporten aus dem Vereinigten Königreich steht Deutschland nach den USA auf Rang zwei. Für Deutschland steht das Vereinigte Königreich bei Importen auf Rang neun und bei Exporten an dritter Stelle (2015: Platz 5 der deutschen Handelspartner, Volumen: 127,6 Mrd. Euro). Im Jahr 2015 betrug das Volumen der deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich 89,3 Mrd. Euro; wichtigste Exportgüter waren Kraftwagen und Kraftwagenteile (29,1 Mrd. Euro) sowie Maschinen (8,8 Mrd. Euro). Dem stehen britische Importe in Höhe von 38,3 Mrd. Euro gegenüber. Wichtigste Importgüter waren Kraftwagen und Kraftwagenteile (6 Mrd. Euro) sowie sonstige Fahrzeuge, wie zum Beispiel Luft- und Raumfahrtzeuge (4,4 Mrd. Euro).

Im Vereinigten Königreich sind rund 2.000 deutsche Unternehmen mit etwa 420.000 Mitarbeitern aktiv. Zu den deutschen Investoren im Vereinigten Königreich gehören u. a. Siemens, Bosch, BMW, VW, RWE, E.ON, Deutsche Telekom, Deutsche Post, Linde und Heidelberg Zement. Die deutschen mittelbaren und unmittelbaren Direktinvestitionen in das Vereinigte Königreich lagen 2014 bei 109,9 Mrd. Euro.

In Deutschland sind mehr als 1.300 britische Unternehmen mit mehr als 220.000 Mitarbeitern tätig. Die britischen mittelbaren und unmittelbaren Direktinvestitionen in Deutschland lagen 2014 bei 37,9 Mrd. Euro. Schwerpunkte bilden das verarbeitende Gewerbe, die Chemie und Mineralölwirtschaft, u. a. BP, Shell, GKN, Rolls Royce.