Flaggenbild zu Brexit; Quelle: istockphoto.com/melis82

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Die britische Regierung hat am 29. März 2017 die Europäische Union formell über ihre Austrittsabsicht informiert.

Am 19. Juni 2017 haben das Vereinigte Königreich und die Europäischen Kommission mit den Verhandlungen über den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union begonnen. Bis zum Abschluss dieser Verhandlungen gelten alle Rechte und Pflichten für das Vereinigte Königreich fort.

Die Verhandlungen laufen entsprechend den Leitlinien des Europäischen Rates und dem Verhandlungsmandat der Europäischen Kommission in zwei Phasen ab: Zunächst muss bei den zentralen Austrittsfragen ein ausreichender Fortschritt erreicht werden. Hierzu gehören die Rechte der im Vereinigten Königreich lebenden EU-Bürger (und umgekehrt), die Grenzfrage Irland/Nordirland sowie die verbleibenden finanziellen Verpflichtungen des Vereinigten Königreiches. Erst dann kann die Europäische Kommission die Gespräche über eine mögliche Übergangsphase und das zukünftige Verhältnis beginnen.

In einigen Bereichen - etwa in Bezug auf die Rechte der Bürger und die Grenzfrage – wurden bereits gute Fortschritte in den Verhandlungen erzielt. In anderen Bereichen wie beispielsweise bei den finanziellen Verpflichtungen ist noch eine konkrete und umfassende Verhandlungsposition seitens der Regierung des Vereinigten Königreiches nötig, um in die zweite Phase der Verhandlungen treten zu können.

Hintergrundinformationen

Das Vereinigte Königreich in der Europäischen Union

Das Vereinigte Königreich trat der Europäischen Union am 1. Januar 1973 bei; gemeinsam mit Dänemark und Irland. Damit erhöhte sich die damalige Zahl der Mitgliedsstaaten auf neun. Zum Vereinigten Königreich zählen England, Wales und Schottland, die zusammen Großbritannien bilden, sowie Nordirland. Mit etwa 65 Millionen Einwohnern stellen die Briten 12,8 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung. Die britische Bevölkerung hatte sich in einem Referendum am 23. Juni 2016 für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union entschieden.

Aktuelle Wirtschaftsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich

Deutschland und das Vereinigte Königreich pflegen enge Handelsbeziehungen. Das Vereinigte Königreich ist für Deutschland der fünftwichtigste Handelspartner (2016: Handelsvolumen von 121,6 Milliarden Euro). Bei Exporten steht das Vereinigte Königreich für Deutschland an dritter Stelle und bei Importen auf Rang elf. Im Jahr 2016 betrug das Volumen der deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich 86,09 Milliarden Euro. Zu den umsatzstärksten deutschen Exportgütern gehörten 2016 Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile (27,2 Milliarden Euro), gefolgt von Maschinen (9 Milliarden Euro), pharmazeutischen und ähnlichen Erzeugnissen (6,2 Milliarden Euro), Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (5,8 Milliarden Euro) sowie chemischen Erzeugnissen (5,6 Milliarden Euro). Dem stehen britische Importe in Höhe von 35,55 Milliarden Euro gegenüber. Zu den wichtigsten Importgütern aus dem Vereinigten Königreich gehörten 2016 Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile (6 Milliarden Euro), chemische Erzeugnisse (4,2 Milliarden Euro) sowie Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse (2,8 Milliarden Euro).

Im Vereinigten Königreich sind rund 2.000 deutsche Unternehmen mit etwa 420.000 Mitarbeitern aktiv. Zu den deutschen Investoren im Vereinigten Königreich gehören unter anderem Siemens, Bosch, BMW, VW, RWE, E.ON, Deutsche Telekom, Deutsche Post, Linde und Heidelberg Zement. Die deutschen mittelbaren und unmittelbaren Direktinvestitionen in das Vereinigte Königreich lagen 2014 bei 109,9 Milliarden Euro.

In Deutschland sind mehr als 1.300 britische Unternehmen mit mehr als 220.000 Mitarbeitern tätig. Die britischen mittelbaren und unmittelbaren Direktinvestitionen in Deutschland lagen 2014 bei 37,9 Milliarden Euro. Schwerpunkte bilden das verarbeitende Gewerbe, die Chemie und Mineralölwirtschaft, unter anderem BP, Shell, GKN, Rolls Royce Deutschland.

Mögliche Auswirkungen des Austritts auf die deutsche und europäische Wirtschaft

Der Brexit wird für die EU-Mitgliedstaaten und vor allem für das Vereinigte Königreich nicht ohne wirtschaftliche Folgen bleiben. Viel hängt von den zukünftigen vertraglichen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ab.

Eine erste Einschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen für die deutsche und europäische Wirtschaft liefert eine aktuelle Studie des ifo-Instituts im Auftrag des BMWi. Die Ergebnisse zeigen: Auch unter ungünstigen Bedingungen dürfte der Brexit für die Wirtschaft in der EU und insbesondere für die deutsche Wirtschaft insgesamt verkraftbar bleiben. Dennoch können sich insbesondere für einzelne Branchen ungünstigere Entwicklungen einstellen. Die Studie finden Sie hier.