Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) steht an der Schnittstelle zwischen Strom- und Wärmemarkt. Beide Sektoren wachsen in den nächsten Jahrzehnten immer stärker zusammen. Zum Beispiel werden Häuser zunehmend mit Wärmepumpen beheizt, die mit Strom betrieben werden. Mit dem Wandel in den Sektoren Strom und Wärme wandelt sich auch die Rolle der KWK.

Das BMWi hat die Rolle der KWK im Rahmen des Dialogprozesses Strom 2030 intensiv mit den Akteuren diskutiert und die Ergebnisse in einem Bericht veröffentlicht.

Im Ergebnis hat sich das folgende Bild ergeben:

  • Wärmenetze haben als zukunftsfähige Infrastruktur eine strategische Bedeutung.
    Wärmenetze haben verschiedene Vorteile: Zum einen versorgen sie viele Gebäude zentral mit Wärme. Zum anderen können sie unterschiedliche Techniken einbinden. Dies ermöglicht Betreibern von Wärmenetzen, flexibel auf unerwartete Entwicklungen zu reagieren ("change enabler"). Ob Wärmenetze oder aber dezentrale Erzeuger die Wärmeversorgung übernehmen sollten, ist situations- und standortspezifisch unterschiedlich. Die Tendenz ist jedoch klar: In dicht besiedelten Gebieten sollten überwiegend Wärmenetze die Wärmeversorgung übernehmen. Dabei verändern sie ihre Rolle: Neben Wärme „nur“ großflächig zu verteilen, sammeln sie in Zukunft Wärme aus verschiedenen Quellen und verteilen sie an die Wärmeverbraucher – häufig mit niedrigeren Temperaturen als heute.
  • Brennstoffbetriebene KWK-Anlagen können für viele Jahre noch eine wichtige Rolle im Energiesystem übernehmen, wenn sie sich modernisieren.
    Dies gilt sowohl für KWK-Anlagen, die mit fossilen Brennstoffen, als auch für KWK-Anlagen, die mit erneuerbaren Brennstoffen laufen. Denn bis ca. 2030 ersetzen die KWK-Anlagen zu einem großen Teil ungekoppelte fossile Erzeugung, stellen große Teile der Residuallast bereit und tragen damit zur Emissionseinsparung bei. Die Bedeutung der brennstoffbetriebenen KWK-Anlagen geht danach jedoch sukzessive zurück. Bis 2050 ersetzen erneuerbare Energien und Nachfrageeffizienz weitgehend fossile Brennstoffe im Strom- und Wärmesektor. Für die KWK heißt das: Bei einer weitgehenden Treibhausgasneutralität haben brennstoffbetriebene KWK-Anlagen allenfalls dann eine Zukunft, wenn sie erneuerbare Brennstoffe einsetzen. Doch auch erneuerbare Brennstoffe sind langfristig nur begrenzt verfügbar oder teuer – ihr Anwendungsbereich ist dadurch begrenzt. Sie werden langfristig daher vor allem dort gebraucht, wo sie schwer zu ersetzen sind, zum Beispiel im Luft- und Schiffsverkehr. Die KWK-Förderung muss daher Nutzungskonkurrenzen über die Sektoren hinweg mitdenken.
  • KWK-Anlagen in der Industrie und in der öffentlichen Versorgung stehen teilweise vor unterschiedlichen Herausforderungen.
    Die Versorgung mit Raumwärme und Warmwasser von Wohnhäusern ist in vielen Fällen auch mit Wärme in niedrigeren Temperaturbereichen als heute möglich. Im Gegensatz dazu benötigen viele Industrieprozesse Wärme mit sehr hohen Temperaturen. Es zeichnet sich daher ab, dass sich in diesen Bereichen in Zukunft unterschiedliche Technologien durchsetzen werden: In der Industrie spielen mittel- bis langfristig vor allem Power-to-Heat-Anlagen neben KWK-Anlagen eine wichtige Rolle. In der öffentlichen Versorgung können dagegen auch Solarthermie- und Geothermie-Anlagen sowie Abwärme wesentliche Anteile an der Wärmeversorgung übernehmen.
  • Um die gewünschte Entwicklung der KWK zu erreichen, müssen die Rahmenbedingungen der KWK neu ausgerichtet werden.
    Unter anderem sollten Entscheidungen für wichtige Infrastruktur wie Wärmenetze frühzeitig ermöglicht werden. Dazu sollten schon heute lokale Potenziale von erneuerbaren Energien identifiziert werden, die in Wärmenetze einspeisen könnten. Auch sollten kommunale Wärmepläne zum Standard werden, um kommunalen Akteuren mehr Entscheidungshilfen an die Hand zu geben. Im Industriebereich sollten parallel die Flexibilitätshemmnisse abgebaut werden, die verhindern, dass das Strompreissignal bei den Unternehmen ankommt. Gleichzeitig sollte Unternehmen ermöglicht werden, Flexibilitätsoptionen wie Power-to-Heat zu integrieren. Zusätzlich sollte etwa die Rolle der KWK in Privathaushalten und in kleinen Objektnetzen als Teil einer effizienten Gesamtstrategie für den Wärmesektor genauer untersucht werden.

Die Dokumente zu den Sitzungen finden Sie auf der Seite der Plattform Strommarkt. Das ausführliche Ergebnispapier zum Trend 7 finden Sie hier.