Arbeiter baut Fenster ein zur Energieeffizienzstrategie Gebäude; Quelle: Getty Images / Thomas Trutschel / Kontributor

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Der individuelle Sanierungsfahrplan

Seit dem 4. Mai 2017 steht der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) als neues Instrument zur energetischen Gebäudesanierung zur Verfügung. Mit dem softwaregestützten Tool erstellt der Gebäudeenergieberater einen verständlichen Überblick über die in einem Gebäude anstehenden Sanierungen. Neben Energieeinsparpotenzialen und den Einsatzmöglichkeiten für erneuerbare Energien werden auch die dafür notwendigen Investitionen abgeschätzt sowie die Heizkosten- und CO2-Einsparungen ausgewiesen.

Mit dem iSFP wurde ein standardisiertes Werkzeug für die Praxis geschaffen. Es bietet einen einheitlichen Rahmen, ein klar verständliches Design sowie ergänzende, zielgruppenspezifische Hintergrundinformationen für die Berater und Immobilieneigentümer und schafft damit einen echten Mehrwert in der vom Bund geförderten Gebäudeenergieberatung.

Der individuelle Sanierungsfahrplan wird als Ergebnis und Beratungsnachweis im Förderprogramm der vom Bund geförderten Energieberatung für Wohngebäude (BAFA-Vor-Ort-Beratung) anerkannt. Er ist in der Energieeffizienzstrategie Gebäude verankert.

Gesamtstrategie für den Gebäudesektor

Bis zum Jahr 2050 will die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand realisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigen wir einen höheren Anteil der erneuerbaren Energien am Wärmeverbrauch und energieeffizientere Gebäude.

Mit der Energieeffizienzstrategie Gebäude (PDF, 2MB) haben wir eine Gesamtstrategie für diesen Sektor vorgelegt. Sie integriert den Strom-, Wärme- und Effizienzbereich und schafft damit einen klaren Handlungsrahmen für die Energiewende im Gebäudebereich.

Die Eckpunkte der Energieeffizienzstrategie Gebäude sind Bestandteil des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE), den die Bundesregierung am 3. Dezember 2014 beschlossen hat.

In Deutschland wird bereits seit vielen Jahren das Prinzip "Informieren, Fördern, Fordern, Forschen" erfolgreich im Gebäudebereich umgesetzt. Dieser Ansatz wird in Richtung eines ganzheitlichen und langfristigen strategischen Rahmens mit klaren Orientierungspunkten auch für den einzelnen Gebäudeeigentümer weiterentwickelt.

Eine im Juni 2017 veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) ordnet die Energieeffizienzstrategie Gebäude gesamtwirtschaftlich ein und untersucht die Wirkungen zweier Szenarien, die im Rahmen der Begleitforschung zur Energieeffizienzstrategie Gebäude erstellt wurden. Die Studie empfiehlt, bei der weiteren Umsetzung der Energieeffizienzstrategie Gebäude verstärkt auf die Steigerung der Energieeffizienz zu setzen.

Leuchtturmprojekte für die Energiewende im Gebäudebereich

Die Energiewende im Gebäudebereich braucht leuchtende Beispiele dafür, wie wir mit innovativen Ideen bereits heute Gebäude und Quartiere realisieren können, die mit den energetischen Ansprüchen des Jahres 2050 kompatibel sind.
Daher fördert das BMWi mit der Förderinitiative EnEff.Gebäude.2050 Leuchtturmprojekte, die zeigen, wie mit verfügbaren, aber noch nicht am Markt etablierten Konzepten nahezu klimaneutrale Gebäude und Quartiere entstehen können, und damit eine breitere Umsetzung anstoßen. Weitere Informationen zum Thema „Modellprojekte für klimaneutrale Gebäude und Quartiere“ finden Sie hier.

Systemische Innovationsförderung im Bereich der Wärme- und Kälteinfrastruktur eingeführt

Seit dem 1. Juli 2017 fördert das BMWi erneuerbare Nah- und Fernwärme für die Quartiers- und Stadteil-Versorgung. Im Rahmen des „Modellvorhabens Wärmenetzsysteme 4.0“ (PDF, 554KB) werden erstmals nicht mehr nur Einzeltechnologien und -komponenten, sondern innovative Gesamtsysteme mit einem Mindestanteil von 50 Prozent Erneuerbare Wärme oder Kälte gefördert. Mit Wärmesystemen der vierten Generation können die Anteile erneuerbarer Energien deutlich gesteigert, Abwärme effizienter genutzt und das Temperaturniveau im Vergleich zu klassischen Wärmenetzen deutlich gesenkt werden. Dies minimiert die Verluste, steigert die Effizienz und erleichtert den Umstieg auf erneuerbare Energien in der Nah- und Fernwärmeversorgung. Gefördert werden zunächst Machbarkeitsstudien mit bis zu 60 Prozent, sowie in einem zweiten Schritt die Realisierung eines Wärmenetzes 4.0 mit 30 Prozent bis max. 50 Prozent der Projektkosten. Die Förderung kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden.
Mehr Informationen dazu sind hier abrufbar.

Mehr Investitionen notwendig

Durch eine Kombination aus Energieeinsparung und Einsatz erneuerbarer Energien will die Bundesregierung den Primärenergiebedarf von Gebäuden bis 2050 um rund 80 Prozent gegenüber 2008 senken. Mit dem bestehenden Instrumentarium werden bereits in großem Umfang Gebäudeeigentümer erreicht und Anreize für energieeinsparende Bauinvestitionen gesetzt. Um die ehrgeizigen Ziele des Energiekonzeptes im Gebäudebereich bis 2050 zu erreichen, sind weitere Investitionen in energieeffiziente Sanierung und erneuerbare Wärme notwendig. Dazu sieht die Energieeffizienzstrategie Gebäude wichtige Eckpunkte vor, wie die Energieberatung, die Weiterentwicklung des Energieeinsparrechts, gebäudeindividuelle Sanierungsfahrpläne, die Verstetigung und Aufstockung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms (KfW-Förderprogramme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren) sowie die Fortentwicklung des Marktanreizprogramms zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärme- und Kältemarkt (MAP).

Strategien im Dialog entwickeln

Im Rahmen der Energiewende-Plattform Gebäude, die im Juli 2014 eingerichtet wurde, werden die notwendigen Handlungsempfehlungen und Maßnahmenvorschläge auf Grundlage der beschlossenen Eckpunkte im Dialog mit den Akteuren diskutiert und weiterentwickelt.