P23R-Prinzip - Nachweis der Anwendbarkeit in der Metropolregion Rhein-Neckar

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Über 10.000 Informations- und Meldepflichten gibt es in Deutschland, die eine Übermittlung von Unternehmensdaten an Behörden erfordern. Dazu müssen die Firmen umfangreiche Fakten zusammentragen, die Informationen nach den Anforderungen der Verwaltungen formal aufbereiten und die Unterlagen fristgerecht einreichen. Ein hoher bürokratischer Aufwand. Das Projekt "Pilotierung und Realisierung des Prinzips Prozess-Daten-Beschleuniger - P23R für den Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung" setzte sich zum Ziel, die Erfüllung der Informations- und Berichtspflichten der Unternehmen zu automatisieren und online abzuwickeln, um so die Verfahren auf beiden Seiten zu beschleunigen, effizienter zu gestalten und Bürokratiekosten zu senken.

Dieser Gedanke findet sich auch im Namen P23R wieder, der sich vom Begriff "Prozessdatenbeschleuniger" ableitet, ein Wort mit 23 Buchstaben zwischen dem P und dem R. Das P23R-Prinzip umfasst technische und organisatorische Grundlagen und Methoden, die einen einfachen, sicheren und effizienten Datenaustausch zwischen Unternehmen und Verwaltung über das Internet ermöglichen. Das Projekt lieferte den Nachweis, dass der Prozessdatenbeschleuniger beispielhaft in der Metropolregion Rhein-Neckar anwendbar ist. "P23R kann die Situation um 180 Grad drehen. Es funktioniert und beide Seiten profitieren", sagte Christine Brockmann, Bereichsleiterin für Verwaltungsvereinfachung und e-Government der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH.

Im Zentrum stehen elektronische Regeln der P23R-Leitstelle. Sie übersetzen die Vorschriften, die Berichtspflichten der Unternehmen festlegen, in digital ausführbare Regeln. Diese definieren exakt, welche Daten in welchem Format zu welcher Frist an welche Behörde übermittelt werden müssen. Das P23R-System stellt automatisch die benötigten Daten aus den Quelldaten der IT-Systeme des Unternehmens zusammen und erzeugt daraus die Berichte und Meldungen für die Behörden. Das verbessert auch die Datenqualität.

Nach dem Testlauf galt es, P23R in den Wirkbetrieb zu überführen. Als "Härtetest" wurden vier Meldepflichten für die BASF aus dem Emissionsbereich implementiert. "Die BASF war besonders interessiert, weil sie viele Meldepflichten und Standorte in mehreren Bundesländern hat", sagte Brockmann.225 Betriebsanlagen meldete das Chemieunternehmen für P23R an. Daneben waren Landes- und Bundesbehörden Partner. Im April 2015 wurde das Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen. So reduzierte sich die Auslieferungszeit für die Berichte von 15 Stunden auf unter zehn Minuten.

Ein wichtiges Hemmnis für die weitere P23R-Verbreitung nennt Brockmann das "Henne-Ei-Problem": "Behörden und Unternehmen warten jeweils ab, wer mit der Umsetzung beginnt." Die Einspareffekte für die Unternehmen hängen nämlich davon ab, wie viele Vorschriften in Form von P23R-Benachrichtigungsregeln verfügbar sind. Umgekehrt profitieren die Behörden besonders dann, wenn möglichst viele Firmen P23R anwenden.

Dennoch ist die Ausweitung geplant. Das Umweltbundesamt wird seine Berichtspflichten verbessern, so dass sie P23R-kompatibel werden. Die Metropolregion Rhein-Neckar soll weiter als Erprobungsraum dienen. Seit März 2015 steht der Code für Software-Architekten und die Standards für alle Unternehmen offen auf einer Plattform zur Verfügung. Enormes Einsparpotential sehen Fachleute vor allem bei neuen Verordnungen und Gesetzesänderungen und den damit zusammenhängenden Meldepflichten.

Weitere Projektbeispiele finden Sie im Bereich "Best Practice in Deutschland".