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Die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort - das soll der Verkehr der Zukunft möglich machen. Denn wenn Autofahrer zum Beispiel vor Unfallgefahren oder Staus rechtzeitig gewarnt werden, können sie darauf reagieren und so zu einem sicheren und schnellen Verkehrsfluss beitragen. Das Projekt simTD (Sichere Intelligente Mobilität - Testfeld Deutschland) unternahm den weltweit größten Feldversuch dazu.

Dabei wurde die Car-to-X-Kommunikation erforscht und getestet. Car-to-X meint dabei die Vernetzung und den Austausch von Informationen zwischen Fahrzeug und Infastruktur sowie zwischen den Fahrzeugen untereinander. Die Technik wurde in einer großflächigen Testfeld-Infrastruktur im Raum Frankfurt/Main erprobt. Zum Einsatz kamen 120 Autos, in die jeweils ein Kommunikationsgerät eingebaut wurde, 103 am Straßenrand installierte, intelligente Funkstationen und die Verkehrszentrale mit einem Rechenzentrum.

Die Kommunikation basierte großenteils auf einem angepassten WLAN und dem UMTS-Mobilfunknetz. Neben vielen anderen Anwendungen ließen sich Verkehr und Routen so intelligent steuern bzw. planen. Daraus ergaben sich viele positive Folgeeffekte, zum Beispiel eine geringere Umweltbelastung durch weniger Emissionen, reduzierte Kraftstoffkosten und Zeitersparnisse. Analysen zufolge könnte eine deutschlandweite Umsetzung des simTD-Systems einen jährlichen volkswirtschaftlichen Nutzen von 4,9 Milliarden Euro erzielen. Zudem könnten die volkswirtschaftlichen Kosten von Verkehrsunfällen jährlich um bis zu 6,5 Milliarden Euro gesenkt werden.

"Gegen Ende des Projekts im Jahre 2013 war klar, dass wir uns neuen Herausforderungen stellen müssen", berichtet Professor Horst Wieker, Projektverantwortlicher und Leiter der Forschungsgruppe Verkehrstelematik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. "Die Maschinen wurden datenhungriger, es waren neue Geräte wie das iPhone auf dem Markt und die Nutzerakzeptanz für Smartphones im Auto stieg. Der Markt hatte sich also verändert und ein neuer Architekturansatz mit standardisierten Schnittstellen für Hersteller, Verkehrszentralen und IT-Riesen wurde nötig." Der Vorteil der technikneutralen Schnittstellen liegt darin, dass sie offen für neue Systeme sind. Dadurch wird die Ausweitung des simTD-Systems auf Europa möglich. Das ist auch das Ziel des Nachfolgeprojekts CONVERGE.

Besondere Beachtung gilt dabei der IT-Sicherheit und dem Datenschutz. "Wir sind das erste Verkehrsprojekt mit aktiver Sicherheit. Die Spielregeln wurden so festgelegt, dass sich jeder an unser Konzept halten muss", sagt Professor Wieker. Auf den sicheren Datenverkehr zwischen den Akteuren im Verkehrsnetz kommt es künftig schließlich entscheidend an. Das Zusammenspiel wird so eng, dass man laut Professor Wieker dann schon fragen kann: "Ist ein Smartphone eine Erweiterung des Autos oder ist das Auto eine Erweiterung des Smartphones?"

Weitere Projektbeispiele finden Sie im Bereich "Best Practice in Deutschland".