TEMPiS - Netzwerk zur Schlaganfallversorgung in ländlichen Regionen

Die Behandlung von Schlaganfällen ist ein Kampf gegen die Zeit. Denn die ersten Stunden sind entscheidend. Wie Intelligente Vernetzung beim Wettlauf um die Zeit helfen kann, zeigt eindrucksvoll das "Telemedizinische Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region Süd-Ost-Bayern" (TEMPiS).

"Wir bringen den Experten zum Patienten und nicht umgekehrt. Mit TEMPiS ist auch in ländlichen Gebieten eine hohe Versorgungsqualität möglich", erklärt Dr. Gordian Hubert, der projektverantwortliche Netzwerkkoordinator vom Krankenhaus München-Harlaching. In dem Verbund haben sich 19 Kliniken mit den Schlaganfallzentren (Stroke Units) in München und Regensburg zusammengeschlossen. Rund 8000 Patienten werden pro Jahr versorgt, die beiden Großstädte nicht eingerechnet. Die Betroffenen erhalten mit Hilfe der IT-basierten Vernetzung schnell Zugang zum Fachwissen der Experten.

Das funktioniert so: Schon in der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses wird der Facharzt aus dem Schlaganfallzentrum per Videokonferenz hinzugeschaltet. Er kann den Patienten befragen und die neurologische Untersuchung durch den Arzt vor Ort beratend unterstützen. Gleichzeitig werden die Computertomografiebilder des Patienten zur Beurteilung in das Zentrum überspielt. Die zentrale Hardware ist der "Teledoc", ein fahrbarer Computer mit Kamera und Monitor. Eine eigens für TEMPiS entwickelte Software übernimmt die Aufnahme und Verarbeitung der Daten durch den Teledoc. Im Zentrum kann der Experte innerhalb von Minuten entscheiden, ob eine Lysetherapie (medikamentöse Gerinnselauflösung) möglich ist.

"Vor TEMPiS wurden nur 0,4 Prozent der Patienten lysiert. Jetzt sind es 17 Prozent", sagt Dr. Hubert. Aber auch die restlichen 83 Prozent profitieren: Denn der mit dem Projekt verbundene Aufbau von regionalen Schlaganfallzentren verbessert durch die Schulung des medizinischen Personals die Behandlungsqualität. Das Vernetzungsprojekt steigert somit die Überlebenschancen der Patienten und ihre Aussicht auf Genesung ohne langfristige Behinderungen.

Das Projekt musste auch Herausforderungen bestehen. Zum einen werden Ersatzinvestitionen für neue Hard- und Software staatlich nicht mitfinanziert, sondern müssen aus dem Gesamtbudget der Klinik bezahlt werden. Zum anderen ziehen zwar auch die Krankenkassen Nutzen, weil weitere Krankenhausaufenthalte gemindert werden. Stärker aber profitieren die Pflege- und Rentenversicherung.

Da der Nutzen somit weniger beim Kostenträger liegt, dämpft das dessen Bereitschaft zur Investition und Weiterentwicklung in der Telemedizin. Dennoch unterstützen die Kassen das 2003 gestartete Projekt seit Jahren. "Das Besondere an TEMPiS ist, dass es so lange überlebt hat. Viele Projekte scheitern an der Finanzierung", sagt Netzwerkkoordinator Dr. Hubert.

Weitere Schlaganfallprojekte gibt es in anderen Regionen Bayerns, in Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen. Der Bedarf nimmt auf alle Fälle zu. Heute erleiden 250.000 Menschen in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall. Nicht einmal 60 Prozent werden auf einer Spezialstation versorgt. Wegen der demografischen Entwicklung wird es künftig deutlich mehr Schlaganfälle geben. Das zeigt auch den Bedarf an Lösungen wie TEMPiS, das in seinem Wirkungsgebiet die Versorgung bereits deutlich verbessert hat.

Weitere Projektbeispiele finden Sie im Bereich "Best Practice in Deutschland".