Allgemeines

Die deutschen Seehäfen haben große regional- und gesamtwirtschaftliche Bedeutung. Sie sind für die außenhandelsorientierte deutsche Volkswirtschaft sowie für Beschäftigung und Wertschöpfung am maritimen Standort Deutschland unverzichtbar. Leistungsfähige Häfen und bedarfsgerechte Hinterlandanbindungen sind wesentliche Voraussetzungen für die maritime Logistik. Nach Erhebungen des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe sind hierzulande ungefähr 300.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt seehafenabhängig.

2015 ging der Güterumschlag der deutschen Seehäfen gegenüber dem Vorjahr leicht zurück um 2,6 Prozent auf rund 296,2 Millionen Tonnen (2014: 304,1 Millionen Tonnen).

Der Hamburger Hafen verbuchte mit einem Seegüterumschlag von 137,8 Millionen Tonnen in 2015 ein schwächeres Ergebnis als aus dem Rekordjahr in 2014 (145,7 Millionen Tonnen). Auch der Containerumschlag verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um 9,3 Prozent auf 90,6 Millionen Tonnen. Damit fällt der Hamburger Hafen beim Containerumschlag im Ranking hinter Rotterdam und Antwerpen zurück. Der Massengutumschlag legte hingegen weiter zu, im Jahr 2015 um 5,8 Prozent, und erreichte einen Wert von rund 47,2 Millionen Tonnen. Für dieses Jahr wird mit einem etwa gleich bleibenden Seegüterumschlag auf rund 138 Millionen Tonnen gerechnet sowie mit rund 9 Millionen TEU. Der Rückgang im seeseitigen Containerumschlag ist auf die rückläufigen Umschlagsmengen mit China, Russland und Polen zurückzuführen.

Immer mehr Großfrachter (dazu zählen auch Massengutschiffe und Luxusliner), mit einer Mindestlänge von 330 Metern und einer Mindestbreite von 45 Metern, laufen den Hamburger Hafen an. 2015 waren es 1031 sogenannte außergewöhnlich große Fahrzeuge (AGF). (2014: 970 Anläufe)

Wichtigster Partner des Hamburger Hafens im Containerumschlag bleibt trotz starken Rückgangs um 14,4 Prozent China. Ebenso verzeichnete man einen Rückgang um 34,4 Prozent im Handel mit Russland aufgrund der Rubelschwäche und der verhängten Sanktionen. Anstiege – gegen den Trend – konnten im Handel mit den USA (+0,5 Prozent), Malaysia (+7,0 Prozent) und Indien (+2,1 Prozent) erzielt werden.

In den bremischen Häfen ging der Gesamtumschlag 2015 gegenüber dem Vorjahr weiter zurück. Der Seegüterumschlag in Bremen und Bremerhaven sank auf 73,4 Millionen Tonnen (2014: 78,2 Millionen Tonnen, 2013: 78,7 Millionen Tonnen). Das Rekordergebnis beim Umschlag von Automobilen aus dem Vorjahr wurde mit 2,2 Millionen Fahrzeugen knapp verfehlt (2014: 2,3 Millionen)

Als Ergänzung zu den Häfen in Hamburg und Bremen wurde im Jahr 2012 der Container Tiefwasserhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven eröffnet. Der JadeWeserPort ist der einzige deutsche Tiefwasserhafen. Der Hafen bietet mit einer 1.750 Meter langen Kaje und acht der weltweit größten Containerbrücken ideale Vorrausetzungen tideunabhängig Großcontainerschiffe der neuesten Generation mit einem Tiefgang von bis zu 16,5 Metern abzufertigen.

Seeverkehrsprognose 2030

2014 veröffentlichte das Bundesverkehrsministerium die Ergebnisse der übergreifenden Verkehrsverflechtungsprognose 2030 einschließlich Seeverkehrsprognose. Danach wird für die 19 untersuchten deutschen Seehäfen von einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2,8 Prozent bis 2030 ausgegangen. Dies entspricht einer Zunahme des Umschlagsvolumens von 74 Prozent im untersuchten Zeitraum 2010 bis 2030. Im Seehafenhinterlandverkehr rechnet man in diesem Zeitraum mit einem Anstieg von rund 53 Prozent.

Weiterentwicklung des Nationalen Hafenkonzeptes

Die Bundesregierung unterstützt die Bemühungen der Länder, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Seehäfen zu steigern. Aktuell entwickelt das Bundesverkehrsministerium das Nationale Hafenkonzept für die See- und Binnenhäfen weiter. Dieses soll auf der Neunten Nationalen Maritimen Konferenz im Oktober 2015 vorgestellt werden.

Bei der Weiterentwicklung des Nationalen Hafenkonzepts geht es darum, die Häfen auch zukünftig in die Lage versetzen, die wirtschaftlichen und logistischen Herausforderungen zu meistern. Es soll die Wettbewerbsfähigkeit der See- und Binnenhäfen als Drehscheiben des nationalen und internationalen Warenaustauschs verbessert werden. Außerdem besteht die Absicht, mehr Güter auf Schienenwege und Wasserstraßen zu verlagern und dazu beizutragen, die Klima- und Umweltziele der Bundesregierung zu erreichen.

Bedeutung der Häfen für den Ausbau der Offshore-Windenergie

In der Wertschöpfungskette der Offshore-Windenergie nehmen Häfen eine zentrale Stellung ein. Für den Bau von Offshore-Windparks sind Häfen der Knotenpunkt, den alle Anlagenteile passieren müssen. Dabei geschieht in den Häfen weit mehr als die Verladung der Einzelteile von LKW, Binnenschiffen oder Zügen auf hochseetaugliche Spezialschlepper. Im Hafen werden viele Anlagenteile produziert, zwischengelagert oder teilmontiert. Zudem sind Offshore-Häfen die Basis für Spezialschiffe, die für den Transport und die Montage der Anlagen auf See benötigt werden. Sie sind Ausgangspunkt für Wartungs- und Reparaturarbeiten.