Die Lage in der Seeschifffahrt wurde in den vergangenen Jahren maßgeblich durch ein Überangebot an Schiffsraum geprägt. Die hohe Zahl an Schiffsneubauten hat die Schifffahrtsmärkte zusätzlich belastet.

Die weltweite Containerschiffsflotte ist bis Mitte 2016 auf 5.222 Vollcontainerschiffe angewachsen (2014: 5.062 Schiffe). Bei den neu auf den Markt gekommenen Schiffen handelt es sich überwiegend um sehr große Containerschiffe, wohingegen vor allem kleinere Einheiten verschrottet werden. Dadurch ist die Tragfähigkeit der weltweiten Containerflotte von 18,4 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) Ende 2014 um 7,6 Prozent auf 19,8 Millionen TEU Tragfähigkeit Mitte 2016 gewachsen.

Die deutsche Flotte schrumpfte 2015 um 299 Schiffe. Deutschland besitzt Ende 2015 mit 3.015 Handelsschiffen (Stand Ende 2014: 3.314) und einem Marktanteil von 7,9 Prozent (Ende 2014: 7,6 Prozent) die viertgrößte Handelsflotte weltweit. Davon fahren noch 351 Schiffe unter deutscher Flagge.

Im Bereich Containerschifffahrt verfügt Deutschland über rund 29 Prozent der weltweiten Containerschifffahrtskapazitäten (rund 4,63 Millionen TEU) und ist damit weiterhin international führend. Aufgrund der Überkapazitäten, vor allem bei Containerschiffen, stagnieren die Fracht- und Charterraten in den meisten Bereichen auf einem niedrigen Niveau.

Die Zurückhaltung wichtiger Banken in der Schiffsfinanzierung und der daraus resultierende Mangel an Fremdkapital hat die Lage insbesondere für kleine und mittlere Charterreedereien in Deutschland zusätzlich verschärft.

Positive Wirkungen für den Schifffahrtsstandort Deutschland gehen von der Schaffung international wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen aus. Beispielsweise sichert die auf insgesamt rund 90 Millionen Euro jährlich gestiegene Förderung von Ausbildung und Beschäftigung in der Seeschifffahrt das seemännische Know-how für das maritime Cluster in Deutschland.

Mittelfristig sind die Aussichten für die Seeschifffahrt trotz der bestehenden Herausforderungen gut. Der steigende Welt- und Weltseehandel und das künftig deutlich abgeschwächte Flottenwachstum dürften zu einer Annäherung von Angebot und Nachfrage nach Schiffsraum und einer sukzessiven Markterholung führen.