Junge und alte Hände zum Branchenfokus Pflegewirtschaft; Quelle: istockphoto.com/guvendemir

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Pflege ist ein Wirtschaftsfaktor

Das Marktvolumen des ambulanten und stationären Pflegemarktes betrug 2015 fast 47 Milliarden Euro (ambulant: 16,7 Milliarden Euro; stationär 30,0 Milliarden Euro). Damit rangiert die Pflege im Gesundheitswesen an 3. Stelle hinter Krankenhäusern (89,5 Milliarden Euro) und Arztpraxen (51,6 Milliarden Euro) .

Pflege ist ein Jobmotor

In Deutschland gab es Ende 2015 rund 13.600 Pflegeheime mit mehr als 730.000 Beschäftigten (siehe Pflegestatistik 2015). Außerdem betreuen 13.300 ambulante Pflegedienste mit 356.000 Beschäftigten die Pflegebedürftigen. In beiden Bereichen arbeitet die Mehrzahl der Beschäftigten in Teilzeit. In den Pflegeheimen sind es 63 Prozent, das entspricht etwa 525.000 Vollzeitstellen. Im ambulanten Bereich sind es 69 Prozent bzw. 239.000 Vollzeitstellen. Im Vergleich zu 2013 ist die Beschäftigtenzahl um 6,5 Prozent in Pflegeheimen und um 11,1 Prozent bei ambulanten Pflegediensten gestiegen.

Mit gut 1 Million Beschäftigten haben ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen zwar nur einen relativ kleinen Anteil an den Beschäftigten (Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten = 3,5 Prozent). Es ist aber ein Bereich, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist und der demografisch bedingt auch künftig wachsen wird. Nach dem Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit verzeichnete der Wirtschaftszweig Heime und Sozialwesen im Vergleich zum Vorjahr (Oktober 2015 zu Oktober 2016) mit zusätzlich 88.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten den höchsten Zuwachs aller Zweige.

Struktur des Pflegemarktes

Im stationären Bereich dominieren die freigemeinnützigen Trägern mit rund 53 Prozent. Private Träger haben einen Anteil von 42 Prozent, bei öffentlichen Trägern sind es rund 5 Prozent. Im ambulanten Bereich wird die Dienstleistung in der Hauptsache von gewerblichen Trägern angeboten, das sind 65 Prozent. Freigemeinnützige Anbieter haben einen Anteil von 33 Prozent, bei öffentlichen Trägern ist es 1 Prozent (Pflegestatistik 2015).

Pflegeunternehmen sind mittelständisch

Sowohl im staionären als auch im ambulanten Bereich sind überwiegend mittelständische Unternehmen tätig. Im stationären Bereich machen Unternehmen mit 10 bis zu 249 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über drei Viertel aller Unternehmen aus. Dabei liegt der Hauptanteil mit zwei Dritteln bei Unternehmen bis zu 100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Wie die Bevölkerung altert, wächst auch der Pflegemarkt

Allein aus der demografischen Entwicklung ergibt sich bis zum Jahr 2030 ein zusätzlicher Bedarf an Pflegeplätzen und an Pflegepersonal:

  • In der stationären Pflege werden rund 150.000 zusätzliche Plätze benötigt.
  • In der stationären Pflege werden rund 146.000 zusätzliche Pflegekräfte gebraucht, davon 55.000 Pflegefachkräfte.
  • In der ambulanten Pflege besteht Bedarf an 62.000 zusätzlichen Pflegekräften, davon 36.000 Pflegefachkräften.

(Forschungsergebnisse der Institute IEGUS/RWI 2015)

Pflege ist eine Investition in die Zukunft

Neue Pflegeplätze in der stationären Pflege haben einen Kapitalbedarf von etwa 80.000 Euro pro Platz. (IEGUS/RWI 2015). Die prognostizierten 150.000 neuen Pflegeplätze bis zum Jahr 2030 würden demnach rund 12 Milliarden Euro an Investitionen bedeuten. Wenn zudem jährlich bis zu 2,5 Prozent des Bestandes an stationären Pflegeplätzen (2013: 903.000) erneuert werden muss, ergibt sich bis zum Jahr 2030 ein Investitionsbedarf in Höhe von weiteren rund 30 Milliarden Euro. Insgesamt wären Investitionen in Höhe von geschätzt 42 Milliarden Euro erforderlich, um die nötigen Pflegeplätze bereitzustellen.

Der altersgerechte Umbau einer Wohnung kostet knapp 16.000 Euro. In den letzten Jahren wurde im Durchschnitt knapp 1 Prozent der zur Sanierung stehenden Privatwohnungen altersgerecht umgebaut. Legt man diese Rate zugrunde, entstehen bis 2030 Kosten in Höhe von rund 10 Milliarden Euro. Diese Sanierungskosten für private Haushalte sind zugleich Aufträge für die Unternehmen, die Sanierungsarbeiten ausführen, insbesondere für KMU (IEGUS/RWI 2015).

Pflege braucht Fachkräfte

Bereits jetzt besteht in der Pflegewirtschaft Fachkräftemangel. In der Altenpflege sogar bundesweit. Er wird sich durch die demografische Entwicklung verschärfen.

Als eine mögliche Strategie zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft erprobt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in einem von der GIZ umgesetzten Pilotvorhaben seit April 2016 die Ausbildung von jungen Vietnamesinnen und Vietnamesen zu Krankenpflegekräften in Deutschland. Das Krankenpflegeprojekt knüpft an das erfolgreiche Modellprojekt des BMWi zur Ausbildung von Fachkräften in der Altenpflege an. Wie bei dem Modellprojekt Altenpflege sollen auch die Ergebnisse des Krankenpflegeprojektes von Pflegeeinrichtungen als Blaupause genutzt werden. Den deutschen Pflegeeinrichtungen soll mit dem Modellprojekt ein Weg aufgezeigt werden, in Zukunft möglichst autonom eigene Kooperationen mit vietnamesischen Partnereinrichtungen einzugehen. Dazu bietet die Publikation "Handlungsempfehlung für die Fachkräftegewinnung in der Altenpflege" Unterstützung.

Die aktuelle Zuwanderungsdynamik bietet ein großes Fachkräftepotential und damit zugleich eine große Chance auch für die Pflegewirtschaft. Zur Erschließung dieses Potentials und zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts gilt es, eine zügige Integration der Zugewanderten zu unterstützen. Das schließt die Integration in den Arbeitsmarkt ein. Zur Information für Arbeitgeber dient die Publikation "Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen in der Altenpflege".

Demografische Fakten zur Pflegewirtschaft

  • In Deutschland waren 2015 etwa 2,9 Millionen Menschen pflegebedürftig (Pflegestatistik 2015). Das sind 9 Prozent mehr als 2013.
  • Etwa zwei Drittel der Pflegebedürftigen sind Frauen. 83 Prozent der Pflegebedürftigen sind 65 Jahre und älter. Der Anteil der über 85-jährigen beträgt 37 Prozent.
  • Fast drei Viertel (73 Prozent) der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt, das sind fast 2,1 Millionen.
  • Die häusliche Pflege von 1,38 Millionen Pflegebedürftigen übernehmen Angehörige, 692.000 Menschen werden von ambulanten Pflegediensten zu Hause versorgt.
  • 783.000 Pflegebedürftige (rund 27 Prozent) werden in Heimen vollstationär betreut (im Schnitt 63 Pflegebedürftige pro Pflegeheim).