Frau mit Schutzbrille füllt ein Reagenzglas, symbolisiert chemische Industrie und Pharmazie; Quelle: istockphoto.com/zilli

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Branchenskizze

Die chemische Industrie ist eine Vorleistungsgüter produzierende Branche. Nur 15 Prozent der Produkte der chemischen Industrie kann der Verbraucher direkt kaufen, wie zum Beispiel Lacke, Farben oder Körperpflegemittel. Der Großteil der Produktion wird an industrielle Weiterverarbeiter geliefert, vor allem in den Maschinenbau, die Textilwirtschaft, die Bauwirtschaft, die Verpackungsindustrie und in den Fahrzeugbau. Unter den Branchen des verarbeitenden Gewerbes gehört die chemische Industrie zu den drei innovativsten und forschungsintensivsten Sektoren; jährlich werden über 10 Milliarden Euro für die Forschung und Entwicklung ausgegeben. Gemessen am Umsatz steht die deutsche Chemieindustrie weltweit an vierter Stelle hinter den USA, Japan und China. Sie ist außerdem einer der bedeutendsten Exporteure der Welt.

Die pharmazeutische Industrie ist ein wichtiger Zweig der chemischen Industrie. Über 20 Prozent der gesamten Chemieproduktion entfallen auf pharmazeutische Erzeugnisse. Mit einer Nettowertschöpfung von fast 100.000 Euro je Beschäftigten gehört die pharmazeutische Industrie zu den produktivsten Wirtschaftszweigen in Deutschland und ist dazu besonders forschungsintensiv. Die Forschungsausgaben betragen durchschnittlich mehr als 10 % des Umsatzes.

Eckdaten der deutschen chemischen Industrie

(einschließlich Pharmaindustrie)

 20152016
Beschäftigte (in Tausend)447,0447,0
Gesamtumsatz (in Milliarden Euro)190,8183
Produktion (gegenüber dem Vorjahr in %)0+0,5
Exporte (in Milliarden Euro)178,3k. A.
Importe (in Milliarden Euro)122,9k. A.
FuE- Aufwendungen (in Milliarden Euro)10,410,7

Quellen: Statistisches Bundesamt; Verband der Chemischen Industrie

Aktuelle Entwicklungen

Das Jahr 2016 konnte die Erwartungen der chemisch-pharmazeutische Industrie nicht erfüllen.

Zwar stieg die Produktion chemisch-pharmazeutischer Erzeugnisse im Verhältnis zum Vorjahr um 0,5 Prozent, dies jedoch nur dank der positiven Entwicklung in der Sparte Pharmazeutika.

Durch die gesunkenen Rohstoffkosten und eine schwächelnde Nachfrage sanken die Preise für chemische Erzeugnisse im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 2 Prozent.

Der Umsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie erreichte 2016 sank um etwa 3 Prozent und betrug rund 183 Milliarden Euro.

Die Inlandnachfrage nach Chemieprodukten aus anderen Industriezweigen lag im Gesamtjahr 2016 4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Wenig besser verlief das Auslandsgeschäft. Wegen politischer Unsicherheiten in Europa und der Verunsicherung des

Marktes über künftige Entwicklungen in Übersee erzielte die Branche in 2016 auch beim Auslandsumsatz ein Minus von 2,5 Prozent.

Die deutsche Chemieindustrie konnte ihre Beschäftigung trotz des schwierigen Umfeldes stabil halten. Aktuell zählt die Branche durchschnittlich rund 446.300 Mitarbeiter.

Für das Jahr 2017 erwartet die Branche weiterhin keine Dynamik. Der VCI rechnet weiterhin mit einem Zuwachs der Chemieproduktion von 0,5 Prozent. Bei leicht steigenden Erzeugerpreisen von 1 Prozent wird mit einem Umsatzzuwachs von 1,0 Prozent (ca. 185 Milliarden Euro) gerechnet.

Was macht das BMWi für die Chemie- und Pharmaindustrie?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ...

  • setzt sich für wettbewerbsfähige und stabile Rahmenbedingungen für die Chemie- und Pharmaindustrie ein. Nach unserem Selbstverständnis ist es primäre Aufgabe, innerhalb der Bundesregierung dafür zu sorgen, dass auf allen Ebenen - national, europäisch, international - eine Rahmengesetzgebung erfolgt, die die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nachhaltig stärkt. Wichtigste Randbedingung ist dabei, dass wir im Vergleich mit anderen Industrieländern dieser Welt soweit wie möglich ein level-playing-field herstellen, das uns eine nachhaltige wettbewerbsfähige produzierende Industrie ermöglicht.
  • betreut in diesem Zusammenhang insbesondere nationale und europäische Gesetzesvorhaben zu Chemikaliensicherheit, Bioziden, Kosmetika, Pflanzenschutz-, Dünge- und Arzneimitteln mit dem Ziel, wirtschaftsverträgliche und unbürokratische Lösungen zu finden und Innovationen zu fördern,
  • arbeitet mit an der Fortentwicklung internationaler Vereinbarungen zum Handel und zur Herstellung und Verwendung von Chemikalien sowie deren Umsetzung in europäisches Recht, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden,
  • begleitet die Entscheidung über handelspolitische Maßnahmen mit dem Ziel, wettbewerbswidriges Verhalten zu unterbinden und damit auch langfristig einen ausgewogenen Branchenmix innerhalb Europas zu erhalten.

Informationen zu aktuellen Themen

  • Als Ergebnis des Spitzengespräches im Rahmen der BMWi-Branchendialoge haben der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in einer gemeinsamen Vereinbarung (PDF: 4 MB) die prioritären Handlungsfelder und Maßnahmen identifiziert, die die Zukunftsperspektiven für die Chemieindustrie und den Standort Deutschland verbessern sollen. Es ist vorgesehen, einen Arbeitsprozess zur Umsetzung der gemeinsamen Vereinbarung zu etablieren, um die erreichten Fortschritte festzuhalten und zeitnah Handlungsnotwendigkeiten zu erkennen.
  • Auf Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums wurde auf europäischer Ebene eine eigene Gruppe bei der Kommission angesiedelt (ESPG-REACH/CLP), die gleichberechtigt zu anderen beratenden Körperschaften aus dem Umweltbereich die Kommission und die ECHA berät. Eng verknüpft damit ist der im entsprechenden Fachreferat angesiedelte "Beraterkreis REACH/CLP", der regelmäßig insbesondere die der chemischen Industrie nachgeschalteten industriellen Anwender mit allen aktuellen Informationen aus den relevanten EU-Gremien versorgt und bespricht, so dass die Meinung der Industrie auch zurückgetragen wird in diese Gremien.