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Branchenskizze

I. Die moderne Biotechnologie

Die überwiegende Zahl der Biotechnologie-Unternehmen ist in der medizinischen Biotechnologie aktiv. Ohne Biotechnologie ist heute keine moderne Arzneimittelforschung und -entwicklung (z.B. Medikamente gegen Krebs, Alzheimer, Parkinson oder Diabetes) mehr denkbar. Nach Angaben des Wirtschaftsverbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) wuchsen die Umsätze mit gentechnisch veränderten Medikamenten (Biopharmazeutika) in Deutschland 2016 um 12,4 % auf 9,3 Mrd. € (Vorjahr 8,2 Mrd. €).

Die überwiegende Zahl der deutschen Biotech-Unternehmen arbeiten an neuen Arzneimitteln (Medikamente, Diagnostika, Impfstoffe) oder bieten Dienstleistungen in diesen Bereichen an. Der Anteil von Biopharmazeutika am gesamten deutschen Pharmamarkt in 2016 betrug 24,8 %. Tendenz weiter steigend. Bei den Produktionskapazitäten von Biopharmazeutika liegt Deutschland weltweit auf Platz 2 – und auf Platz 1 in Europa.

Im Bereich der industriellen Biotechnologie liegt ein Schwerpunkt auf umweltfreundlicheren Verfahren und Produkten, z.B. durch Entwicklung von Biochemikalien, Ersatz von konventionellen Kunststoffen oder Einsatz von Enzymen und Mikroorganismen bei der Produktion oder zum Schadstoffabbau. Mit Hilfe der industriellen Biotechnologie können beispielsweise aus Biomasse gewonnene Stärke, Zellulose und Öle als Ausgangssubstanzen für die Produktion von Energie, Kraftstoffen und biobasierten Produkten dienen.

Auch in nahezu allen anderen Branchen, wie zum Beispiel in der Nahrungsmittel-, Kosmetik-, Papier-, Bau-, Automobil- oder Textilindustrie ergeben sich sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile.

Biotechnologie als Querschnittstechnologie spielt daher eine zentrale Rolle auf dem Weg zu einer nachhaltigen (Kreislauf-)Wirtschaft. Eine solche wissensbasierte Bioökonomie, die praktisch alle industriellen und wirtschaftlichen Sektoren und ihre dazugehörigen Dienstleistungen, die biologischen Ressourcen (Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen), aber auch Rest- und Abfallstoffe produzieren, ver- oder bearbeiten oder in irgendeiner Form nutzen, verfolgt den Ansatz, erneuerbare Ressourcen effizient und nachhaltig zu nutzen. Hierbei müssen alle Anwendungsbereiche der Biotechnologie miteinander verknüpft werden.

Die Pflanzenbiotechnologie kann einen wichtigen Beitrag zur Ernährung, Energieerzeugung oder zur Herstellung biobasierter Produkte leisten. Handlungsbedarf besteht hinsichtlich einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz der Pflanzen-biotechnologie.

II. Aktuelle Entwicklung/Perspektive

Mit 623 Unternehmen belegt Deutschland innerhalb Europas nach der Anzahl der Unternehmen seit Jahren einen Spitzenplatz. In punkto Größe der Firmen, Umsatz, Produkte und Marktkapitalisierung gibt es allerdings Nachholbedarf gegenüber Großbritannien und dem Weltmarktführer USA.

Die Kennzahlen für die deutsche Biotechnologiebranche haben sich insofern geändert, als dass die Zahlen für die Biotechnologiebranche seit der Erhebung für 2015 durch Ernst & Young gemeinsam mit dem Biotechnologieverband BIO Deutschland erhoben werden.

Die Überwindung von Engpässen in der Finanzierung gehört nach wie vor zu den größten Herausforderungen für die Branche. Aufgrund von hohen F&E Aufwendungen besteht - verglichen mit anderen Sektoren - ein hoher Kapitalbedarf.

Eckdaten

Entwicklung von deutschen Unternehmen mit Hauptgeschäftszweck Biotechnologie *)

201420152016
Allgemeine Kennzahlen
Anzahl Unternehmen579591623
- davon börsennotiert161820
Beschäftigte17.93017.89924.770
Finanzdaten (Mio. €)
Umsatz3.0303.4013.634
F&E-Aufwand9501.0461.118

 Quelle: Ernst & Young Biotechnologie-Report Deutschland 2017 BIO Deutschland

*) Hauptgeschäftszweck Kommerzialisierung der modernen Biotechnologie (u. a. Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Produkten, Technologien und Dienstleistungen auf der Basis der modernen Biotechnologie). Unternehmen, die sich nicht ausschließlich mit der modernen Biotechnologie beschäftigen, sind hier nicht erfasst.

Was macht das BMWi für die Biotechnologie?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie setzt sich national, EU-weit und international für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ein, fördert ein innovationsfreundliches Klima in Deutschland und stärkt die gesellschaftliche Akzeptanz für neue Technologien.

Mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) werden Kooperations- und Netzwerkprojekte sowie Einzelprojekte gefördert. Darüber hinaus hilft das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gezielt Finanzierungslücken für innovative Unternehmen zu schließen. Für junge Unternehmen aus dem Biotechnologie-Bereich sind u.a. der ERP-Startfonds, der aus dem ERP-Startfonds ausgegründete Fonds Coparion, der High-Tech Gründerfonds III, der ERP/EIF Dachfonds sowie der ERP/EIF-Wachstumsfonds von besonderem Interesse. Mit dem Invest-Zuschuss für Wagniskapital wird die Kapitalausstattung junger innovativer Unternehmen verbessert.

Zwecks besserer Anrechenbarkeit von Verlustvorträgen wurde ein Gesetz beschlossen, das rückwirkend zum 01. Januar 2016 in Kraft getreten ist.

Mit der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft trägt das BMWi dazu bei, Produkte der medizinischen Biotechnologie weltweit erfolgreich zu machen.

In einer Studie wird derzeit untersucht, wie das Fortschreiten der Bioökonomie messbar und sichtbar gemacht werden kann.