Flagge von Russland

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland basieren auf einer langjährigen und grundsätzlich engen Kooperation. In den letzten Jahren waren sowohl das bilaterale Handelsvolumen, als auch die deutschen Exporte nach Russland stark rückläufig.

Das bilaterale Handelsvolumen verzeichnete 2015 mit einem Rückgang um 23,9 Prozent (im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum) auf 51,733 Milliarden Euro den stärksten Rückgang seit dem Krisenjahr 2009. Im Jahr 2016 hat sich dieser negative Trend mit einem Rückgang um nur noch 6,8 Prozent merklich abgeschwächt. Der bilaterale Handelsumsatz belief sich auf 49,028 Milliarden Euro. Im Jahr 2017 war zwischen Januar und Mai ein Anstieg um 32,7 Prozent (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) zu verzeichnen – wenngleich von einem niedrigen Ausgangsniveau.

Diese Entwicklung nehmen auch die deutschen Exporte. Während sie 2014 gegenüber dem Vorjahr um 18,4 Prozent und 2015 sogar um weitere 25,9 Prozent zurückgegangen sind, verzeichneten sie 2016 einen Rückgang von nur noch 0,3 Prozent. Die ersten Monate in 2017 deuten sogar wieder auf einen deutlichen Zuwachs hin.

Wesentliche Ursachen für den Rückgang des bilateralen Handels in den letzten Jahren liegen in Strukturschwächen der russischen Wirtschaft. Dies zeigt sich insbesondere in der hohen Abhängigkeit von Öl- und Gasexporten. Der Rückgang der Öl- und Gaspreise führte zu geringeren Einnahmen Russlands aus Energieexporten. Die aufgrund der fortbestehenden Destabilisierung der Ostukraine durch Russland verhängten sektoralen EU-Wirtschaftssanktionen und die russischen Gegenmaßnahmen im Agrarbereich haben diesen Trend zusätzlich verstärkt. Auch die russische Politik der Importsubstitution hat sich auf den bilateralen Handel ausgewirkt. Einige ausländische Exporte wurden durch Produktion in Russland ersetzt.

Das für 2017 prognostizierte, leichte Wachstum des russischen Bruttoinlandprodukts (BIP) sowie die Zunahme des bilateralen Handelsvolumens gehen hauptsächlich auf den im letzten Jahr angestiegenen und zuletzt auf einem stabilen Niveau angekommenen Ölpreis von rund 50 US-Dollar zurück.

Russland bleibt größter Energielieferant Deutschlands. Jeweils fast 40 Prozent des deutschen Gas- und Ölbedarfs werden aus russischen Lieferungen gedeckt. Daneben bezieht die deutsche Wirtschaft in erheblichem Umfang Nichteisen-Metalle sowie Eisen und Stahl aus Russland.

Wirtschaftliche Lage

Russland besitzt grundsätzlich ein großes wirtschaftliches Entwicklungspotenzial. Sein Rohstoffreichtum sichert weiterhin umfangreiche Einnahmen, die zur Entwicklung anderer Wirtschaftssektoren genutzt werden können. Das Land ist einer der größten Energieproduzenten der Welt und die russische Konjunktur hängt unverändert in hohem Maße von den internationalen Rohstoffpreisen ab. Der Energiesektor ist weiterhin die tragende Säule der wirtschaftlichen Entwicklung Russlands.

Nach 2010 hatte die russische Wirtschaft nach den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zunächst zu einem moderaten Wachstum mit jährlichen Steigerungsraten des BIP von rund 4 Prozent zurückgefunden. Seit 2012 gingen die Steigerungen des BIP allerdings kontinuierlich zurück und erreichten 2014 nur noch 0,6 Prozent. Die Inflationsrate lag 2015 bei 12,9 Prozent, die Arbeitslosigkeit stieg leicht an auf 5,8 Prozent.

Im Jahr 2015 war ein Rückgang des BIP um 2,8 Prozent zu verzeichnen. Auch hier ist in erster Linie der niedrige Ölpreis ursächlich. Hinzu kommen strukturelle Schwächen und gewachsene Kapitalabflüsse. Schließlich dürften sich der Vertrauensverlust, den die russische Wirtschaft aufgrund des Ukraine-Konflikts erlitten hat und die von der EU, den USA und weiteren Wirtschaftspartnern seit Juli 2014 erlassenen Wirtschaftssanktionen sowie die russischen Gegenmaßnahmen zusätzlich dämpfend auswirken. Im Jahr 2016 hat sich die Wirtschaftslage, vor allem im Hinblick auf den angestiegenen Ölpreis, weitgehend stabilisiert. Der BIP ist nur noch um 0,2 Prozent zurückgegangen und die Inflationsrate ist auf 5,4 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote ist mit 5,5 Prozent leicht zurückgegangen.

Wirtschaftliche Prognosen für 2017 gehen von einem leichten Wachstum von 1 bis 2 Prozent und einer Inflationsrate von 4,46 Prozent aus.

Weitere Informationen zum Wirtschaftsklima sind auf der GTAI-Internetseite abrufbar.

Bilaterale Beziehungen Deutschland - Russland

Bilateraler Handel
Russland ist aufgrund des anhaltend hohen Modernisierungsbedarfs seiner Wirtschaft ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Investitionsgüter. In der Struktur des deutschen Exports nach Russland nahmen im Jahr 2016 Maschinen und Anlagen (23,4 Prozent), Fahrzeuge/-teile (14,9 Prozent), Arzneimittel (7,2 Prozent) und Elektrotechnik (6,5 Prozent) die vorderen Plätze ein. Im Jahr 2016 war Deutschland für Russland mit 10,7 Prozent des russischen Imports hinter China (20,9 Prozent) das zweitwichtigste Lieferland und das drittwichtigste Abnehmerland (7,4 Prozent). Wichtigste Exportgüter Russlands sind Rohstoffe, insbesondere Erdöl und Erdgas, außerdem metallurgische und petrochemische Erzeugnisse. Dies illustriert die komplementäre Wirtschaftsstruktur beider Länder, aus der sich grundsätzlich auch für die Zukunft ein großes wirtschaftliches Kooperationspotential eröffnet.

Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen
Die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen verlief lange Zeit positiv. Nach der krisenbedingten Schwächephase 2009 knüpfte der deutsch-russische Handel wieder an die Boomjahre zwischen 2000 und 2008 an. 2012 wurde beim Handelsvolumen der Rekordwert von 80,5 Milliarden Euro erreicht.

Seit dem 22. August 2012 ist Russland offizielles Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Damit verbunden war auch die Erwartung einer weiteren Intensivierung des Handels. 2013 ging das bilaterale Handelsvolumen dann allerdings um knapp fünf Prozent auf 77 Milliarden Euro zurück. Dabei betrugen die Exporte aus Russland nach Deutschland 41,2 Milliarden Euro und umgekehrt die deutschen Exporte nach Russland 35,8 Milliarden Euro. 2014 gingen die deutschen Exporte nach Russland um 18,4 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro und die Importe aus Russland um 7,1 Prozent auf 38,3 Milliarden Euro zurück. 2015 folgte ein Rückgang bei den deutschen Exporten nach Russland um 25,8 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro und bei den Importen aus Russland um 22,5 Prozent auf 30 Milliarden Euro. Im Jahr 2016 sind die deutschen Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 0,3 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro zurückgegangen. Zwischen Januar und Mai 2017 sind sie gegenüber dem Vorjahr sogar um 28,4 Prozent angestiegen.

Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung in Russland und des damit verbundenen Exportrückgangs auf die deutsche Volkswirtschaft insgesamt sind begrenzt. Die gesamten deutschen Exporte weltweit sind im Jahr 2015 um 72,1 Milliarden Euro oder 6,4 Prozent gewachsen. 2016 sind sie um weitere 1,1 Prozent höher gewesen als im Vorjahr.

Deutsche Unternehmen in Russland
Die deutsche Wirtschaft ist auf dem russischen Markt nach wie vor sehr präsent. Ende 2016 waren 5.237 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in Russland aktiv. Auch in der Fläche Russlands sind deutsche Unternehmen vertreten. In beinahe allen der 83 Föderationssubjekte (Verwaltungseinheiten Russlands) sind Unternehmen mit deutscher Beteiligung anzutreffen. Eine größere Anzahl deutscher Unternehmen hatte dabei in den letzten Jahren auch russische Produktionsstandorte aufgebaut oder anderweitig erhebliche Investitionen getätigt. Die meisten der auf dem russischen Markt tätigen deutschen Unternehmen gehören zum Mittelstand.

Direktinvestitionen
Die kumulierten deutschen Direktinvestitionen in Russland beliefen sich 2014 auf ein Volumen von 15,885 Milliarden Euro und 2015 auf 15,751 Milliarden Euro. Deutschland gehört zu den wichtigsten ausländischen Investoren in Russland. Die kumulierten deutschen Direktinvestitionen in Russland beliefen sich 2014 auf ein Volumen von 15,885 Milliarden Euro und 2015 auf 15,751 Milliarden Euro. Deutschland gehört zu den wichtigsten ausländischen Investoren in Russland.