Pflegewirtschaft

Junge und alte Hände
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Definition und Zuständigkeiten

Die Pflege ist ein wesentliches Element der gesundheitlichen Versorgung und sozialen Absicherung und ein eigenständiger Bereich im Sozialsystem. Unter Pflege versteht man die Hilfestellung, die ein Mensch wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens in erheblichem Umfang benötigt (§ 14 Soziale Pflegeversicherung - SGB XI). In einem weit verstandenen Sinne können unter Pflegewirtschaft alle Maßnahmen und Hilfestellungen angesehen werden, die Dritte zu dieser Zielerreichung erbringen.

Neben der originären Zuständigkeit von Ländern und Kommunen stehen dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) seitens des Bundes Kompetenzen für die soziale Pflegeversicherung im Rahmen des Sozialversicherungsrechts (SGB XI) sowie für den Bereich der Ausbildung und der Berufszulassung zu den Gesundheitsfachberufen zu. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist für die sich unmittelbar aus der Pflege ergebenden Auswirkungen auf die Familien und Senioren sowie für die Ausbildung und die Berufszulassung zum Beruf der Altenpflegerin bzw. des Altenpflegers zuständig. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ist federführend bei den arbeitsrechtsrechtlichen Aspekten der Pflege. In Ergänzung dieser Zuständigkeiten sieht es das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) als seine Aufgabe an, die Pflegedienstleistung und alle in diesem Zusammenhang stehenden Maßnahmen und Entscheidungen aus ökonomischer Sicht zu betrachten.

Die Studie "Ökonomische Herausforderungen in der Altenpflegewirtschaft", die das Institut für Europäische Gesundheits- und Sozialwirtschaft IEGUS gemeinsam mit dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstellt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass der steigende Bedarf an Pflegeplätzen und der Fachkräftemangel die Pflegebranche vor große Herausforderungen stellen.

Aufgrund der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen werden laut RWI-Prognosen bis zum Jahr 2030 zwischen 145.000 und 320.000 neue stationäre Pflegeplätze gebraucht. Entsprechend sei auch mehr Pflegepersonal erforderlich. In den vergangenen Jahren seien nicht genügend Fachkräfte ausgebildet und viele Vollzeit- in Teilzeitstellen umgewandelt worden. Zudem gebe es wegen der hohen Arbeitsbelastungen in der Altenpflege hohe krankheitsbedingte Fehlzeiten. Die Wirtschaftsforscher fordern deshalb eine verstärkte Ausbildung von Fachkräften, mehr betriebliches Gesundheitsmanagement, die Schaffung von mehr Vollzeitarbeitsplätzen und mehr Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Studie empfiehlt sicherzustellen, dass der Pflegesektor weiterhin für privates und gemeinnütziges Kapital attraktiv bleibt. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, seien private Kapitalgeber dringend erforderlich. Bereits im Jahr 2011 hätten private Versorger die Hälfte aller ambulanten und mehr als ein Drittel aller stationären Pflegefälle betreut.