Gesundheitswirtschaft

Stetoskop
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Branchenskizze

Das Thema Gesundheit durchdringt alle Lebensbereiche. Gesundheit ist längst ein "Megatrend". Die Anhebung des Gesundheitsniveaus der Bevölkerung sichert zudem Wachstum und Wohlstand in unserem Land. Die Gesundheitswirtschaft gehört zu den größten Branchen der deutschen Wirtschaft. Sie ist durch ihre Innovationskraft und ihre Beschäftigungsintensität ein Wachstums- und Beschäftigungstreiber. Die Entwicklung der Branche verläuft zudem stetiger als die der Gesamtwirtschaft. Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten werden dadurch gedämpft. 

Aus diesen Gründen ist die Gesundheitswirtschaft von besonderer Bedeutung für die Arbeit des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Das Hauptaugenmerk des BMWi konzentriert sich dabei auf folgende Aspekte:

Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung

Um den Beitrag der Gesundheitswirtschaft für die Wertschöpfung und das Beschäftigungswachstum in Deutschland zu bemessen, lässt das BMWi seit mehreren Jahren regelmäßig ökonomische Studien zur Gesundheitswirtschaft durchführen. Das Herzstück dieser Analysen ist die Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung (GGR). Die GGR erlaubt es, die Gesundheitswirtschaft aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung herauszulösen und differenziert zu betrachten. Sie erfasst alle Güter und Leistungen mit Gesundheitsbezug, die in Deutschland erbracht werden, und geht damit über den Fokus der Gesundheitsausgabenrechnung hinaus.

Die derzeit aktuellste Auswertung der GGR, "Fakten und Zahlen", erfasst die Daten der Gesundheitswirtschaft bis 2015. Im Rahmen der letzten Aktualisierung wurde auch eine Sonderauswertung "Die Gesundheitswirtschaft in Ost- und Westdeutschland" erstellt. Diese wurde im April 2016 von der Parlamentarischen Staatssekretärin und Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Iris Gleicke, vorgestellt.

Die GGR gliedert die Gesundheitswirtschaft in zwei große Unterbereiche:

Die sogenannte dienstleistungsorientierte Gesundheitswirtschaft umfasst unter anderem die stationären Einrichtungen (u. a. Krankenhäuser, stationäre Pflege, Rehakliniken), die nicht-stationären Einrichtungen (u. a. Arztpraxen, ambulante Kliniken, ambulante Pflege), Krankenversicherungen und Gesundheitstourismus. Dieser Bereich zeichnet sich durch eine hohe Beschäftigungsintensität aus und erbrachte 2015 rund 77 Prozent, also mehr als drei Viertel der Wertschöpfung der Gesundheitswirtschaft.

Die industrielle Gesundheitswirtschaft umfasst die Produktion von Arzneiwaren, Medizintechnik und Medizinprodukten, sowie den Handel und Vertrieb mit diesen Gütern. Die industrielle Gesundheitswirtschaft zeichnet sich durch eine überdurchschnittliche Arbeitsproduktivität und Exporttätigkeit aus. In ihr wurden 2015 knapp 23 Prozent der Wertschöpfung der deutschen Gesundheitswirtschaft erbracht.

Die GGR zeigt auf, wie viel Beschäftigung und Wertschöpfung die Gesundheitswirtschaft schafft, und wie sich diese über den Zeitverlauf entwickelt. Die aktualisierten Zahlen für das Beobachtungsjahr 2015 zeigen erneut, dass die Gesundheitswirtschaft Wachstum und Arbeitsplätze schafft. Durch ihr konstantes Wachstum stabilisiert sie dabei die Konjunktur.


Entwicklung der Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft und ihr Anteil an der Gesamtwirtschaft

Entwicklung der Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft und ihr Anteil an der Gesamtwirtschaft
Quelle: GGR, 2015; Datenbasis: Statistisches Bundesamt; Berechnung und Darstellung: WifOR/BASYS, 2015.
(siehe "Gesundheitswirtschaft Fakten und Zahlen", Ausgabe 2015, S. 9 (PDF: 5,3 MB))


Die Erkenntnisse der GGR zeigen, dass die Gesundheitswirtschaft sich insgesamt positiv entwickelt. Aber es gibt auch einige Herausforderungen, die auf sie zukommen.

Fachkräfte

Qualifizierte Fachkräfte sichern Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung. Allerdings stehen schon heute viele der Berufe der Gesundheitswirtschaft auf der sog. Engpassliste der Bundesagentur für Arbeit.
Bedingt durch die demografische Entwicklung wird die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und Gütern in den nächsten Jahren weiter steigen.

Vor allem in den Berufen der dienstleistungsorientierten Gesundheitswirtschaft fehlt es bereits jetzt an qualifizierten Fachkräften. In der Alten- und Krankenpflege sowie bei den Ärzten und Ärztinnen ist das Problem seit längerem bekannt. Doch auch bei den Gesundheitshandwerken, zum Beispiel bei Orthopädietechnikern und Hörgeräteakustikern, besteht bereits ein Fachkräftemangel (weitere Informationen dazu in der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit hier).

In der industriellen Gesundheitswirtschaft ist die Fachkräftesituation weniger offensichtlich, da die Berufsprofile hier weniger spezifisch sind. Doch auch hier wird es immer schwieriger, qualifizierte Ingenieure, Maschinenbauer und Informatiker einzustellen. Doch gerade in diesem hochinnovativen Bereich, der sich zugleich durch eine hohe Arbeitsproduktivität auszeichnet, kann ein Fachkräftemangel zu einem starken Rückgang an Wertschöpfung führen. Die GGR zeigt auf, dass die Vorleistungsverflechtungen in der industriellen Gesundheitswirtschaft besonders hoch sind. So schafft ein durchschnittlicher Erwerbstätiger in der Medizintechnik einen direkten Mehrwert von 77.171 Euro. Dazu kommt noch eine indirekte Wertschöpfung in der Gesamtwirtschaft von 43.652 Euro, die durch Vorleistungsverflechtungen entsteht, sowie ein induzierter Wertschöpfungseffekt von 32.428 Euro, der durch die Konsumausgaben des Erwerbstätigen entsteht. Diese hohe direkte und indirekte Wertschöpfung pro Arbeitnehmer ist durch einen Fachkräftemangel gefährdet.

Um die positive wirtschaftliche Entwicklung der Gesundheitswirtschaft zu gewährleisten, ist es daher wichtig sicherzustellen, dass es auch in Zukunft ausreichend qualifizierte Fachkräfte in der Gesundheitswirtschaft gibt.

Digitalisierung

Angesichts der steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und -gütern und dem bereits angesprochenen Fachkräftemangel bietet die Digitalisierung durch erhebliche Effizienzgewinne und Wachstumssteigerungen Chancen für die Gesundheitswirtschaft. Davon profitieren nicht nur die Versicherten und Beitragszahler, sondern auch die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft.

Ziel des BMWi ist es, den Prozess der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens voran zu bringen. Wesentliche Effekte versprechen die Einführung von telemedizinischen Anwendungen und deren Übernahme in die Regelversorgung. Wichtige Voraussetzungen für eine umfangreiche Digitalisierung sind interoperable informationstechnische Systeme im Gesundheitswesen, eine sichere Infrastruktur zum Datenaustausch und ein klarer rechtlicher Rahmen zum Schutz der Patientendaten.

Das BMWi fördert die Digitalisierung im Gesundheitsbereich durch folgende Maßnahmen:

Start-ups im Digital Health-Bereich unterstützt das BMWi mit folgenden Programmen:

Das BMWi ist Beiratsmitglied der Gematik - Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH. Die Gematik hat die Aufgaben die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und ihrer Infrastruktur in Deutschland voranzutreiben, zu koordinieren und die Interoperabilität der beteiligten Komponenten sicherzustellen.

Außenhandel

Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung der Gesundheitswirtschaft wird durch die Herstellung von Gütern erbracht, die für den Export bestimmt sind. 2015 betrugen die Exporte der deutschen Gesundheitswirtschaft über 100 Mrd. Euro - und damit 7,4 Prozent der Gesamtexporte. Vor allem die industrielle Gesundheitswirtschaft prägt den Außenhandel. Humanarzneiwaren, Medizintechnik und Medizinprodukte machen mehr als drei Viertel der Exporte der Gesundheitswirtschaft aus. 

Allerdings unterliegt kaum ein Bereich der Wirtschaft so vielen Regularien wie die Gesundheitswirtschaft. Diese sind notwendig, da sichergestellt werden muss, dass Arzneimittel und Medizinprodukte nicht schaden, sondern dem Menschen helfen. Da sich die Zulassungsbedingungen z. B. für Arzneimittel und Medizinprodukte aber von Markt zu Markt unterscheiden, entstehen dadurch oft zusätzliche Eintrittsbarrieren in internationale Märkte. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) bilden diese zusätzlichen Anforderungen oft nur schwer zu meisternde Hürden. 

Die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft des BMWi entwickelt daher insbesondere für diese Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft passgenaue Maßnahmen im In- und Ausland. Sie vernetzt und bündelt Aktivitäten, die dabei helfen, weltweit Absatzmärkte zu erschließen und bestehendes Marktpotenzial auszubauen.

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