Gesundheitswirtschaft

Stetoskop
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Branchenskizze

Die Gesundheitswirtschaft gehört zu den größten Branchen der deutschen Wirtschaft. Sie ist durch ihre Innovationskraft und ihre Beschäftigungsintensität ein Wachstums- und Beschäftigungstreiber. Ihre Entwicklung verläuft zudem stetiger als die der Gesamtwirtschaft. Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten werden dadurch verringert.

Das Thema Gesundheit durchdringt alle Lebensbereiche. Gesundheit ist längst ein "Megatrend". Die Anhebung des Gesundheitsniveaus der Bevölkerung sichert zudem Wachstum und Wohlstand in unserem Land. Damit sind auch die Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotentiale, die durch das in der Vergangenheit oftmals vorherrschende Kostendenken nicht berücksichtigt wurden, mehr und mehr in den Vordergrund gerückt.

Ziel der vom BMWi in Auftrag gegebenen Forschungsprojekte ist es daher insbesondere, den Beitrag der Gesundheitswirtschaft für die Wertschöpfung und das Beschäftigungswachstum in Deutschland zu bemessen. Ergebnisse der Forschungsprojekte 'Vom Gesundheitssatellitenkonto zur Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung' und 'Messung der Produktivitätsentwicklung der Gesundheitswirtschaft' wurden am 7. Juli 2014 von der parlamentarischen Staatssekretärin Iris Gleicke vorgestellt.

So wurde durch das im Auftrag des BMWi im Jahr 2009 erstellte "Satellitenkonto für die Gesundheitswirtschaft in Deutschland" die Gesundheitswirtschaft erstmals in den Kategorien der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und über das klassische Gesundheitswesen hinaus mit ihren Teilbranchen differenziert abgebildet.

Über die Finanzierungsseite lässt sich die Gesundheitswirtschaft in einen Ersten Gesundheitsmarkt, dessen Produkte hauptsächlich über die gesetzlichen Krankenversicherungen erstattet werden, und einen Zweiten Gesundheitsmarkt, dessen Produkte privat finanziert werden, gliedern.
Ergänzend zu dieser finanzierungsorientierten Aufteilung der Gesundheitswirtschaft in Ersten und Zweiten Gesundheitsmarkt wird im Gesundheitssatellitenkonto die Gesundheitswirtschaft über die in der amtlichen Wirtschaftsstatistik ihr zuzurechnenden Waren und Dienstleistungen definiert.
Dadurch wird es möglich, die bisherige ausgabenorientierte Betrachtung um die Darstellung der Wertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft zu erweitern.

Diese Abgrenzung von Gesundheitswirtschaft lässt sich anhand eines Stufenmodells veranschaulichen.

Stufenmodell zur Güterabgrenzung der Gesundheitswirtschaft
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Im Internet hier verfügbar.

  • Die Grundstufe umfasst nicht-gesundheitsbezogene Vorleistungen sowie Güter zur Bereitstellung der Produktionsfaktoren und verdeutlicht die Verflechtungen der Gesundheitswirtschaft mit der Gesamtwirtschaft.
  • Die Stufen I, II und III definieren die Gesundheitswirtschaft.
  • Zusammen mit den Stufen IV, V und VI sowie der gesundheitsrelevanten Haushaltsproduktion bildet diese das Gesundheitssystem.
  • Gesundheitsspezifische Vorleistungen, die in der Wertschöpfung der Gesundheitswirtschaft berücksichtigt werden, bilden Stufe I.
  • Stufe II umfasst den Kernbereich der Gesundheitswirtschaft, d.h. jene Güter, die von den Krankenversicherungen erstattet werden.
  • Die Erweiterte Gesundheitswirtschaft bildet Stufe III und beinhaltet Güter, die sich nach allgemeinem Verständnis positiv auf die Gesundheit auswirken. Hierzu zählen z.B. Gesundheitsreisen, spezielle Bio-Lebensmittel sowie Kleidung und Kosmetik mit Gesundheitsbezug.
  • In Stufe IV werden Einkommensleistungen bzw. Transferzahlungen erfasst. Als Beispiel sind Krankengelder sowie Entgeltfortzahlung zu nennen.
  • "Gesundheit in allen Lebensbereichen" wird in Stufe V erfasst. Gemeint sind schwer quantifizierbare sekundäre (Hilfs-)Leistungen, die nicht durch Sozialversicherungsträger erbracht werden. Hier sind Maßnahmen zum Brandschutz und zur Verkehrssicherheit als Beispiele zu nennen.
  • Stufe VI umfasst weitere immaterielle Gesundheitsleistungen wie etwa Qualität, Verfügbarkeit und Erreichbarkeit erbrachter Dienstleistungen. Zudem wird auch die "gesundheitsrelevante Haushaltsproduktion" wie z. B. die Versorgung durch Familienangehörige hier dem Gesundheitssystem zugeordnet.

Das Gesundheitssatellitenkonto wurde seit 2009 nicht nur evaluiert und fortgeschrieben, sondern auch in Richtung einer Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung (GGR) weiterentwickelt. Wichtige Bestandteile der GGR sind die Integration des Arbeitsmarktes sowie die erstmalige Darstellung und Quantifizierung der Verflechtungen der Gesundheitswirtschaft mit anderen Bereichen der Volkswirtschaft. Die Kurzfassung des Forschungsberichtes finden Sie als BMWi-Dokumentation hier.

Der vollständige Abschlussbericht "Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssatellitenkontos zu einer Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung" kann im Nomos-Verlag hier käuflich erworben werden. Das Gutachten zur "Produktivität der Gesundheitswirtschaft" kann hier kostenpflichtig über den Verlag Springer/Gabler bezogen werden.

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