Textil und Bekleidung

Stoffproben; Quelle: iStockphoto.com / Danish Khan
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Branchenskizze

Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie befindet sich seit 1970 in einem nachhaltigen Strukturwandel, der mit einer relativen Verschlechterung ihrer Position sowohl auf dem Weltmarkt für Textilien und Bekleidung als auch im Vergleich zu anderen Branchen im Inland einherging. So hat die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie seit 1970 etwa neun Zehntel ihrer Betriebe und Beschäftigten verloren. In den neuen Bundesländern vollzog sich der Strukturanpassungsprozess, bedingt durch den Übergang vom planwirtschaftlichen zum marktwirtschaftlichen System, in nur wenigen Jahren. Von 1989 bis jetzt schrumpfte die dortige Textil- und Bekleidungsindustrie ebenfalls auf ein Zehntel der Beschäftigten.

Produktivitätsfortschritte und vor allem die fortschreitende Globalisierung der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie das Auslaufen aller Handelsbeschränkungen für die sensiblen Textil- und Bekleidungsprodukte bis zum Jahre 2005 (WTO-Übereinkommen über Textilwaren und Bekleidung, engl. ATC) führten zu einer verschärften Wettbewerbssituation mit erhöhtem internationalen Kostendruck und waren Ursachen für den Produktions- und Beschäftigungsabbau in Deutschland.

Als Reaktion auf die zunehmende Importkonkurrenz begann die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie frühzeitig, ihre Exporte auf neue Absatzmärkte außerhalb der EU auszudehnen, um von der durch das ATC eingeleiteten weltweiten Öffnung der Textil- und Bekleidungsmärkte und der weltweit steigenden Zahl zahlungskräftiger Konsumenten zu profitieren.

Heute werden starke und innovative Marken und Designs deutscher Textil- und Bekleidungsunternehmen weltweit nachgefragt und sind ein Garant für den Erfolg im Außenhandel, dem eine Schlüsselrolle für die Branchenentwicklung beigemessen wird. Daneben wird in Forschung und Entwicklung investiert. Aufgrund ihrer Flexibilität und Innovationskraft ist es der Textilindustrie gelungen, ihre Marktposition in zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern, z. B. den technischen Textilien, auszubauen und ihren Exportanteil zu erhöhen.

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind mit Abstand die wichtigsten Handelspartner für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie. Etwa 75 Prozent ihres gesamten Exportwertes geht in diese Staaten. Es folgen die übrigen europäischen Länder mit einem Anteil von ca. 12 Prozent sowie Asien mit einem Anteil von ca. 6 Prozent. Bei den Importen hingegen hat Asien mit mehr als 50 Prozent den größten Anteil, gefolgt von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union mit ca. 30 Prozent sowie den übrigen europäischen Ländern. Außer den Mitgliedstaaten der EU zählen im Einzelnen China, die Türkei sowie Bangladesch zu den wichtigsten Lieferländern für den deutsche Textil- und Bekleidungsmarkt.

Im internationalen Vergleich belegt Deutschland beim Export von Textilien und Bekleidung gemessen am Wert Platz 3 nach China und Italien. Beim Import von Textilien und Bekleidung nimmt Deutschland die 2. Stelle hinter den USA ein.

Als Wirtschaftsfaktor innerhalb der Volkswirtschaft besitzt die mittelständisch strukturierte deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie eine vergleichsweise geringe Bedeutung. Sie ist allerdings nach dem Ernährungsgewerbe die zweitgrößte Konsumgüterbranche in Deutschland. Von der Textil- und Bekleidungsindustrie hängen direkt und indirekt Arbeitsplätze in anderen Industriezweigen ab; sie ist z. B. Zulieferer für die Fahrzeug-, Pharma- und Bauindustrie im Bereich der technischen Textilien und nimmt die Leistungen anderer Industriezweige in Anspruch (z. B. Maschinenbau, chemische Industrie).

Die Standorte der Textil- und Bekleidungsindustrie in Deutschland konzentrieren sich hauptsächlich in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen, insbesondere auf die Regionen Schwäbische Alb, Südbaden, Oberfranken, Schwaben, Niederrhein, Ostwestfalen, Münsterland, Wuppertal, Vogtland, Oberlausitzer Textilrevier und Chemnitz/Zwickau.