Automobilindustrie

Automontage; istockphoto.com/zoranm
© istockphoto.com/zoranm

Branchenskizze

Die Automobilindustrie ist die größte Branche des Verarbeitenden Gewerbes und gemessen am Umsatz der mit Abstand bedeutendste Industriezweig in Deutschland. Die Unternehmen der Branche erwirtschaften einen Umsatz von über 404 Mrd. Euro und beschäftigen direkt über 790.000 Personen (2015, vorläufig). Die Automobilindustrie hat daher eine sehr hohe Bedeutung für Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland.

Die Fahrzeughersteller tragen gut drei Viertel zum Gesamtumsatz der Automobilindustrie bei. Knapp zwei Drittel des Umsatzes erzielt die Automobilindustrie im Ausland, insbesondere in den Ländern der Europäischen Union.

Die Wertschöpfungskette in der Automobilindustrie ist sehr stark ausdifferenziert. Die Fahrzeugfertigung erfordert den Zukauf von Teilen, Komponenten und Rohstoffen, so dass auch Branchen, die vordergründig wenig mit dem Automobilbau zu tun haben, an der Herstellung von Kraftfahrzeugen beteiligt sind und davon profitieren. Dazu gehören Investitionsgüter, Material- und Teilelieferungen u. a. aus der chemischen Industrie, der Textilindustrie, dem Maschinenbau, der elektrotechnischen Industrie sowie der Stahl- und Aluminiumindustrie. Außerdem sind Ingenieurbüros, Autohändler, Werkstätten und Tankstellen, aber auch weitere Dienstleistungen rund um das Auto direkt oder indirekt von der Automobilkonjunktur abhängig.

Mit der verstärkten Arbeitsteilung und der Nachfrage nach Vorleistungen erwirtschaften die vorrangig mittelständisch geprägten Zulieferer mittlerweile einen Großteil der Wertschöpfung (etwa 70 Prozent) der Automobilindustrie in Deutschland. Im Laufe der Jahre haben die Unternehmen hier Systemkompetenzen aufgebaut, um der zunehmenden Verflechtung von Herstellern, Komponenten und Systemlieferanten aus verschiedenen Industrie- und Dienstleistungszweigen gerecht zu werden. Diese charakteristisch enge Systemlandschaft der deutschen Automobilindustrie ist weltweit einzigartig.

Eine zentrale Säule des weltweiten Erfolgs der deutschen Automobilindustrie ist ihre Innovationsführerschaft. Mit internen F&E-Aufwendungen von 20,6 Mrd. Euro (2015) ist die Automobilindustrie die forschungsstärkste Branche Deutschlands. Knapp jeder achte Beschäftigte der Automobilindustrie in Deutschland arbeitet an automobilen Innovationen. Laut Europäischer Kommission kommen 34 Prozent der gesamten weltweiten F&E-Ausgaben von der deutschen Automobilindustrie. Damit nimmt die Branche auch international die Spitzenposition ein.

Im nationalen sowie internationalen Wettbewerb genießen vor allem qualitativ hochwertige Premiumfahrzeuge aus Deutschland ein hohes Ansehen, die fortwährende technische Innovationen und Verbesserungen bedürfen. Die deutsche Automobilindustrie gilt hier als weltweiter Impulsgeber für Produkt- und Prozessinnovationen. Enge Unternehmensnetzwerke und intensive wissenschaftliche Kooperationen zwischen Automobilunternehmen und Forschungsinstituten bzw. Hochschulen ermöglichen die fachübergreifende Entwicklung von einzigartigen Innovationen. Dies trägt entscheidend dazu bei, dass das Beschäftigungsniveau in der Automobilindustrie am Hochlohnstandort Deutschland seit über zwanzig Jahren gehalten werden und in den letzten Jahren sogar noch zulegen konnte.

Der Automobilstandort Deutschland lebt von offenen Märkten und vom Export. Mehr als 75 Prozent der in Deutschland produzierten Pkw werden exportiert, was Deutschland zum Exportmeister macht. Deshalb ist der Zugang zu Auslandsmärkten ein zentrales Thema für die deutsche Automobilindustrie. Allerdings erschweren immer mehr handelshemmende Maßnahmen vieler Länder die Ausfuhr. Dies führt im Ergebnis zu einer Verzerrung des Wettbewerbs und belastet die Industrie im Exportland ebenso wie die Konsumenten in den Importländern. Auf Grund solcher Restriktionen und vor dem Hintergrund der Globalisierung errichtet auch die deutsche Automobilindustrie zunehmend Werke in den wachstumsstarken Regionen im Ausland. Dadurch können auch Arbeitsplätze im Inland gesichert und neu geschaffen werden, z. B. im F&E-Bereich und in der Modellentwicklung. Das BMWi arbeitet mit allem Nachdruck auf weltweit offene Märkte und fairen Marktzugang hin.

Mit zunehmender internationaler Konkurrenz, den steigenden Anforderungen zur Emissionsminderung, der Markteinführung alternativer Antriebstechnologien und der stufenweisen Entwicklung des sicheren automatisierten und vernetzten Fahrens steht die Automobilindustrie vor großen Herausforderungen. Diese und andere Entwicklungen werden die automobilen Wertschöpfungsketten in den nächsten Jahren deutlich verändern und neue Geschäftsmodelle werden sich etablieren.

Wir wollen, dass die Automobilindustrie mit ihren Partnern weiterhin am Standort Deutschland produziert, investiert, forscht und beschäftigt. Dafür müssen die Rahmenbedingungen entsprechend gestaltet und verbessert werden. Dafür setzt sich das BMWi ein.

Eine wichtige Maßnahme in diesem Zusammenhang ist der im Jahr 2015 begonnene "Branchendialog Fahrzeugindustrie". In einem ergebnisorientierten Dialog mit der Fahrzeugindustrie und den Gewerkschaften werden konkrete Vorschläge für Maßnahmen und deren Umsetzung identifiziert, die dazu beitragen, den Standort und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen der Automobilindustrie in Deutschland nachhaltig zu stärken.

Sektorinitiative GEAR 2030

Die Europäische Kommission hat Anfang des Jahres 2016 eine neue industriepolitische Gruppe GEAR 2030 ins Leben gerufen. Deren Ziel ist es, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie in Europa durch gute Rahmenbedingungen zu sichern und zu stärken. Ähnlich wie in den Vorgängergruppen CARS 21 und CARS 2020 sind in dem Gremium hochrangige Vertreter ausgewählter Mitgliedstaaten der EU ? darunter auch Bundesminister Sigmar Gabriel ?, Mitglieder der Europäischen Kommission sowie Vertreter der Automobilverbände, der Gewerkschaften und von Nichtregierungsorganisationen vertreten.

GEAR 2030 soll Handlungsempfehlungen zu drei zentralen Themenfeldern erarbeiten: Anpassung der automobilen EU-Wertschöpfungskette an die Herausforderungen der Zukunft, Erarbeitung eines Aktionsplans für das automatisierte und vernetzte Fahren und Sicherung der globalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie.

Ein großer Teil der für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands relevanten Rahmenbedingungen wird auf der europäischen Ebene geschaffen oder mitgeprägt. Für Deutschland als führendem Automobilland ist es deshalb wichtig, dass die Belange der Branche und ihrer Beschäftigten angemessene Beachtung in den europäischen Entscheidungsprozessen erhalten. Das BMWi setzt sich dafür ein, dass die industrielle Wettbewerbsfähigkeit in allen Politikbereichen grundsätzlich mitbedacht wird, wie es das Konzept des "Mainstreaming" vorsieht.

Die Gruppe GEAR 2030 ist auf die zwei Jahre 2016/17 befristet und soll einen Abschlussbericht vorlegen, in dem der Handlungsbedarf zu den genannten Themenfeldern dargelegt wird.

Wirtschaft

Ihr Kontakt im BMWi

Referat IV D 3
Telefon: 030 / 18 615 - 7255
Telefax: 030 / 18 615 - 5424
E-Mail: buero-ivd3@bmwi.bund.de

Für den Bereich Elektromobilität:

Referat IV D 4
Telefon: 030 / 18 615 - 6063
Telefax: 030 / 18 615 - 5195
E-Mail: buero-ivd4@bmwi.bund.de