Politik für den Mittelstand

Politik für den Mittelstand
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Mittelständische Unternehmen sind der Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft. Sie sind unverzichtbar für Wachstum, Beschäftigung und Innovation in Deutschland. Insbesondere Familienunternehmen stehen in Deutschland für eine Unternehmenskultur, die die Einheit von Eigentum, Haftung und Leitung verbindet.

Der Mittelstand spielt damit eine entscheidende Rolle in einer modernen und zukunftsgewandten Wirtschaft und Gesellschaft. Mittelständler denken nicht in Quartalszahlen, sondern in Generationen. Sie entwickeln ihre besondere Stärke aus den langfristigen Beziehungen zu ihren Beschäftigten, Lieferanten und Kunden. Ihre traditionell starke regionale Verankerung und ausgeprägte unternehmerische Verantwortungsbereitschaft machen sie zu einer tragenden Säule unserer Sozialen Marktwirtschaft.

Mittelständische Unternehmen: Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Über 99 Prozent unserer Unternehmen (PDF: 250 KB) zählen zum Mittelstand, über 82 Prozent aller Auszubildenden lernen dort, Mittelständler stellen knapp 60 Prozent aller Arbeitsplätze. 56 Prozent unserer Wirtschaftsleistung wird in mittelständischen Unternehmen geschaffen.

KMU-Anteile Deutschland
KMU-Anteile Deutschland

Insbesondere bei den wirtschaftsnahen Dienstleistungen ist der Bestand an mittelständischen Unternehmen in den letzten Jahren stark gewachsen. Rund ein Viertel aller Mittelständler machen die mehr als eine Million Handwerksbetriebe aus, die in nahezu allen Lebensbereichen vor Ort präsent sind. Größere Mittelständler sind besonders stark im Verarbeitenden Gewerbe tätig. Mit ihren Exporterfolgen - auch als industrienahe Dienstleister - tragen sie maßgeblich zu Wachstum und Beschäftigung bei.



Aktionsprogramm Zukunft Mittelstand

Damit der deutsche Mittelstand angesichts vielfältiger Herausforderungen in den Bereichen Globalisierung, demografischer Wandel oder Energiewende vital, stark und innovativ bleibt, hat das BMWi als Mittelstandsministerium der Bundesregierung das Aktionsprogramm Zukunft Mittelstand ins Leben gerufen und in zehn Themenfeldern Maßnahmen vorgestellt.

Zentrale Zukunftsthemen für Mittelstand und Politik sind eine international wettbewerbsfähige Gründungs- und Wachstumsfinanzierung, die erfolgreiche Bewältigung von Unternehmensnachfolgen, die Sicherung von Fachkräften, die Entlastung von Bürokratie und die Gestaltung der Digitalisierung.

Damit der deutsche Mittelstand angesichts der skizzierten Herausforderungen vital, stark und innovativ bleibt, führt das BMWi als Mittelstandsministerium der Bundesregierung mit dem Aktionsprogramm Zukunft Mittelstand Maßnahmen in zehn Themenfeldern durch. Mittelstandspolitik will

  • Unternehmergeist fördern:
    Trotz der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nimmt die Gründungsdynamik in Deutschland kontinuierlich ab. Das Aktionsprogramm Zukunft Mittelstand möchte gezielt den Unternehmergeist in Deutschland stärken und die Begeisterung für den Beruf "Unternehmer/-in", insbesondere bei Frauen, fördern. Ebenso gehört die Unternehmensnachfolge zu den zentralen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft. Der demografische Wandel sowie der Fachkräftemangel machen sich hier bereits bemerkbar. Eine mittelstandsfreundliche Neuregelung der Erbschaftsteuer sowie der Schutz von Arbeitsplätzen und Investitionen bei der Nachfolgeregelung sind daher zentrale Anliegen des Aktionsprogramms Zukunft Mittelstand.
  • Gründungs- und Wachstumsfinanzierung verstärken:
    Der Zugang zu geeigneter Finanzierung ist eine maßgebliche Voraussetzung für die Investitions- und Innovationsfähigkeit des Mittelstands - und damit für seine Zukunftsfestigkeit. Die Mittelstandsfinanzierung durch Kredite läuft derzeit in Deutschland gut. Allerdings gilt es, die Auswirkungen der Finanzmarktregulierung auf den Mittelstand weiterhin zu beobachten. Das BMWi setzt sich dafür ein, dass Mittelständler gegenüber großen börsennotierten Unternehmen nicht benachteiligt und KMU-Interessen berücksichtigt werden. Zudem gilt es, junge, innovative Startups stärker zu fördern und ihnen einen besseren Zugang zu Wagniskapital zu ermöglichen. Das BMWi stellt erhebliche Mittel zur Stärkung des Wagniskapitalmarkts zur Verfügung. Aktuell sind mindestens zwei Milliarden Euro frisches Geld aus öffentlichen Quellen verfügbar. Etablierte Förderprogramme des Bundes wurden und werden erweitert und aufgestockt (z.B. EXIST, ERP/EIF Dachfonds, European Angels Fund, INVEST, High-Tech Gründerfonds III) sowie neue Finanzierungsinstrumente aufgelegt (z.B. Ko-Investitionsfonds coparion mit der KfW und ERP/EIF - Wachstumsfazilität mit dem Europäischen Investitionsfonds).
  • die Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs unterstützen:
    Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist in den nächsten Jahren eine zentrale Herausforderung für die deutsche Wirtschaft. Zum einen steht Deutschland insgesamt in einem schärfer werdenden internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe; zum anderen konkurrieren Mittelständler mit Großunternehmen um geeignete Fachkräfte. Um den Fachkräftebedarf auch künftig zu decken, ist beides gefordert: die optimale Aktivierung der inländischen Fachkräftepotenziale durch Aus- und Weiterbildung sowie die Gewinnung von mehr qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland. Die Attraktivität und gesellschaftliche Anerkennung der dualen Berufsausbildung soll weiter gestärkt werden. Die Allianz für Aus- und Weiterbildung leistet hierbei bereits konkrete Beiträge zur Stärkung der dualen Ausbildung. Die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit hängt entscheidend von passenden Qualifizierungs- und Integrationsangeboten ab. Der dualen Ausbildung und den mittelständischen Unternehmen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Mit dem neuen Integrationsgesetz gestaltet die Bundesregierung die Integration von Flüchtlingen nach dem Prinzip Fördern und Fordern.
  • bessere Rechtsetzung und Bürokratieabbau vorantreiben:
    Eine effiziente Verwaltung und eine moderne, effektive Regulierung sind wichtige Voraussetzungen für eine wettbewerbsfähige Wirtschaftsordnung. Mittelständische Unternehmen sind durch Bürokratie rund viermal mehr betroffen als Großunternehmen. Durch gezielte Entlastung von Bürokratie und Erfüllungsaufwand und schlankere Verwaltungsverfahren könnten sich mittelständische Unternehmen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und damit noch stärker zur Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, Innovationen und Wachstum beitragen. Das Bürokratieentlastungsgesetz und die Vergaberechtsreform führen bereits zu einer Gesamtentlastung von 1,4 Milliarden Euro. Zudem soll es noch in dieser Legislaturperiode ein zweites Bürokratieentlastungsgesetz geben, um die Belastungen dauerhaft zu reduzieren.
  • die Digitalisierung nutzen und gestalten:
    Die mobile Kommunikation und Internetnutzung, Cloud Computing, der Bedeutungsgewinn der sozialen Netzwerke sowie das immense Datenwachstum ("Big Data") verändern unsere Gesellschaft und Wirtschaft rasant. Weit über 90 Prozent der Unternehmen sehen ihre Produktions- und Geschäftsprozesse durch die Digitalisierung beeinflusst, doch viele Mittelständler haben die Bedeutung der Digitalisierung für ihr Unternehmen noch nicht ausreichend erkannt. Eine große wirtschaftspolitische Herausforderung ist daher die Sensibilisierung des Mittelstands für Chancen wie neue Geschäftsmodelle sowie die Optimierung von Geschäftsprozessen, aber auch für Risiken wie Datenschutz und Datensicherheit. Mit der Plattform "Industrie 4.0" besteht bereits ein starkes nationales Netzwerk, das auch den Mittelstand dabei unterstützt, die digitale Transformation voranzubringen. Weiterhin ist ein rascher Ausbau leistungsfähiger Infrastrukturen, wie hochleistungsfähige Breitbandnetze, entscheidend für den weiteren Digitalisierungsprozess sowie die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands.
  • Innovationskraft stärken:
    Innovationsfähigkeit entscheidet über künftige Wettbewerbsfähigkeit. Die Tendenz, dass deutsche Unternehmen immer weniger Innovationen auf den Markt bringen, sollte als Ansporn begriffen werden, das Innovationsverhalten stärker in den Blick zu nehmen. Vor allem geht es dabei darum, das Zusammenwirken mittelständischer Unternehmen in Innovationsnetzen und mit Forschungseinrichtungen zu stärken. Auch mit neuen Formen der Innovation wie "open innovation" im Zusammenspiel mit Kunden, Lieferanten und weiteren externen Partnern müssen sich Mittelständler stärker auseinandersetzen.
  • Mittelstand bei der Globalisierung unterstützen:
    Bis zum Jahr 2030 wird sich das Welthandelsvolumen fast vervierfachen. Vor diesem Hintergrund sollten noch mehr Mittelständler die Globalisierung als Chance erkennen. Für den Schritt auf ausländische Märkte steht die Außenwirtschaftsförderung des BMWi bereit, die zusammen mit der Wirtschaft kontinuierlich weiterentwickelt und bei den Unternehmen noch bekannter gemacht werden soll. Auch der Abbau von Handelshemmnissen kommt insbesondere mittelständischen Unternehmen zugute. Deshalb engagiert sich das BMWi für Handelserleichterungen und den Abschluss von bilateralen und multilateralen Freihandelsabkommen.
  • europäische Mittelstandspolitik aktiv gestalten:
    Der europäische Binnenmarkt hat auch für Mittelständler stark an Bedeutung zugenommen: Über 93 Prozent der mittelständischen Exporteure bedienen den europäischen Markt. Die Interessen von Mittelständlern an einem mittelstandsfreundlichen Binnenmarkt und dem Abbau ungerechtfertigter Hemmnisse müssen deshalb mit starker Stimme in Brüssel vertreten werden. Dabei brauchen wir eine angemessene Balance zwischen der zunehmenden Integration von Märkten und dem Erhalt von bewährten, erfolgreichen Strukturen, wie insbesondere der Selbstverwaltung der Wirtschaft und ihren zentralen Elementen wie der dualen Berufsausbildung, der Meisterpflicht und dem Kammerwesen sowie der Sozialpartnerschaft.
  • Mittelstand in strukturschwachen Regionen stärken:
    In strukturschwachen Regionen haben insbesondere kleinere Mittelständler oft Nachteile aufgrund des begrenzten Fachkräfteangebots und geringerer Verfügbarkeit unternehmensnaher Dienstleistungen vor Ort. Auch die Distanzen zu Kunden und Hauptabsatzmärkten sind meist größer. Wo die Gründungsdynamik gering ist, wie insbesondere in den neuen Bundesländern, besteht das Risiko, dass der Unternehmensbestand mittel- bis langfristig abschmilzt. Deshalb werden in der Mittelstandspolitik regionalspezifische Ansätze in den Bereichen Finanzierung, Innovation oder beim Zugang zu Netzwerken und der Förderung von Wertschöpfungsketten geprüft.
  • die Entwicklung neuer Geschäftsfelder im Rahmen der Energiewende unterstützen:
    Die Energiewende bietet gerade kleinen Mittelständlern umfangreiche Chancen, in neuen Märkten wie Energiedienstleistungen oder energetischer Gebäudesanierung zu expandieren - und schafft damit Arbeitsplätze vor Ort, etwa im Bau und im Handwerk. Für die Wahrnehmung dieser Chancen müssen mittelständische Unternehmen noch stärker sensibilisiert und mit Know-how und geeigneten Finanzierungsmöglichkeiten ausgestattet werden. Der Einsatz von innovativen Effizienz- und Einspartechnologien senkt zudem die Energiekosten vieler mittelständischer Unternehmen.

Weiterführende Informationen zu den konkreten Maßnahmen in den 10 Themenfeldern bietet die Publikation zum Aktionsprogramm.

Im Rahmen des Mittelstandsgipfels 2016 zogen BMWi, ZDH, DIHK, und BDI ihre Zwischenbilanz zum Aktionsprogramm Zukunft Mittelstand. Die Erklärung des Ministeriums und der Verbände können Sie hier (PDF: 158 KB) herunterladen.

In der Erklärung haben sich die Beteiligten zudem darauf verständigt, die Investition weiter anzukurbeln. Private und öffentliche Investitionen zeigen Vertrauen und Gestaltungswillen in die Zukunft. Sie sind ein Schlüssel zu höherer Wettbewerbsfähigkeit auch des Mittelstands. Um die Investitionsdynamik in Deutschland zu stärken, fördert der Bund öffentliche Investitionen durch eine Entlastung der Länder und Kommunen in Höhe von 45 Milliarden Euro (2014-2018). Das eröffnet Spielräume für Investitionen unter anderem im Bildungssektor - von Kinderkrippen und Kitas über Schulen, bis zu Hochschulen und Einrichtungen der beruflichen Bildung. Gleichzeitig setzt der Bund zusätzliche Mittel in Höhe von 15 Milliarden Euro (2014-2018) für Investitionen in den Bereichen Verkehr, Energieeffizienz und Klimaschutz ein.

Integration von Flüchtlingen in Qualifizierung und Arbeit

In der Integration von Flüchtlingen besteht auch eine große Chance zur Sicherung künftigen Fachkräftebedarfs. Der Mittelstand spielt als "Ausbilder der Nation" dabei eine Schlüsselrolle. Viele Unternehmen und Verbände haben das erkannt und ihre Bereitschaft erklärt, Flüchtlinge zu beschäftigen oder auszubilden. Bund, Wirtschaft, Gewerkschaften und Länder arbeiten eng zusammen - beispielsweise in der Allianz für Aus- und Weiterbildung oder der Bereitstellung von unterstützenden Willkommenslotsen. Einen Überblick über sämtliche BMWi-Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen in Qualifizierung und Arbeit finden Sie hier (PDF: 68,8 KB).

Wer zählt zum Mittelstand?

Mittelstand ist in erster Linie ein qualitativer Begriff: Unternehmen gehören zum Mittelstand, wenn Eigentum, Haftung und Leitung in einer Hand liegen. Um aber Bedingungen für Fördermöglichkeiten festzulegen, gibt es eine formale Definition für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland. Laut der Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zählen in Deutschland alle Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 50 Millionen Euro und mit weniger als 500 Beschäftigten zum Mittelstand.

Im europäischen Kontext, nach der KMU-Definition der Europäischen Union, gehören alle Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro (oder einer Bilanzsumme von weniger als 43 Millionen Euro) zum Mittelstand.

Forschung zu aktuellen und strukturellen mittelstandsbezogenen Themen am IfM Bonn

Das BMWi greift bei seiner mittelstandspolitischen Arbeit vielfach auf die fachliche Expertise des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zurück. 

Das IfM Bonn wurde 1957 von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Nordrhein-Westfalen als Stiftung des privaten Rechts gegründet. Das IfM wird seither gemeinsam von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Nordrhein-Westfalen finanziert.

Es hat die Aufgabe, die Lage, Entwicklung und Probleme des Mittelstandes zu erforschen und die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf der Grundlage seiner Forschungsergebnisse berät das Institut seine Stifter bei ihrer mittelstandspolitischen Arbeit. Die Forschung des IfM Bonn greift besonders relevante Fragen für den Mittelstand auf und untersucht aktuelle Entwicklungen in der mittelständischen Wirtschaft. Das IfM veröffentlicht beispielsweise regelmäßig Kennzahlen zum Umsatz, zu Beschäftigten, zu Gründungen oder zur Eigenkapitalausstattung in der mittelständischen Wirtschaft.

weitere Informationen zum Thema

Flyer "Informationen zum Mittelstand aus erster Hand"

Stimmt es, dass über 99 Prozent der Unternehmen in Deutschland Mittelständler sind? Wer ist eigentlich innovativer: Familienunternehmen oder managergeführte Unternehmen? Antworten auf diese und andere Fragen rund um den Mittelstand beantwortet der neue Flyer des Instituts für Mittelstandsforschung (PDF: 629 KB).