Dienstleistungen

Call Center Mitarbeiterin
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Der Dienstleistungsbereich stellt in Deutschland heute rund drei Viertel der Arbeitsplätze. Fast ebenso hoch ist sein Beitrag zur Wertschöpfung (70 Prozent). Innovative, wettbewerbsfähige und qualitativ hochwertige Dienstleistungen erschließen nicht nur selbst Wachstumspotenziale, sondern verhelfen auch gleichzeitig ihren Kunden zu mehr Produktivität und Innovation. Unternehmensdienstleistungen sind heute so eng mit der industriellen Wertschöpfung verzahnt, dass sie zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für Produktion und Warenexport werden. Bezogen auf die deutsche Industrie bedeutet das: Der Industriestandort Deutschland behauptet sich langfristig nur gemeinsam mit produktiven und wettbewerbsfähigen Dienstleistungsunternehmen. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt die Dienstleistungswirtschaft dabei, diese Potentiale auszuschöpfen.

Dienstleistungen sichtbar gemacht: Zahlen und Trends auf einen Blick

Der Dienstleistungssektor ist der wirtschaftlich bedeutendste: Er erwirtschaftet 69 Prozent des BIP und schafft fast drei Viertel aller Arbeitsplätze.

Bruttowertschöpfung in Deutschland in 2013
Infografik: Bruttowertschöpfung in Deutschland in 2013; Quelle: Destatis, VGR
Quelle: Destatis, VGR (PDF: 86 KB)

Erwerbstätige nach Wirtschaftsabschnitten in 2013

Infografik: Erwerbstätige nach Wirtschaftsabschnitten in 2013; Quelle: Destatis, VGR

Quelle: Destatis, VGR (PDF: 85 KB)

Das Spektrum von Dienstleistungen ist vielfältig

Gut 80 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Dienstleistungsunternehmen. Die größten Dienstleistungsbranchen, gemessen an der Bruttowertschöpfung sowie am Anteil der Erwerbstätigen, stellen die öffentlichen Dienstleistungen, Immobiliendienstleistungen und Unternehmensdienstleistungen sowie der Handel dar.

Anteil an Bruttowertschöpfung im Dienstleistungssektor (in Prozent)

Infografik: Anteil an Bruttowertschöpfung im Dienstleistungssektor (in Prozent); Quelle: Destatis, VGR

Quelle: Destatis, VGR (PDF: 117 KB)

Anteil an Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor (in Prozent)

Infografik: Anteil an Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor (in Prozent); Quelle: Destatis, VGR

Quelle: Destatis, VGR (PDF: 121 KB)

Verzahnung von Industrie und Dienstleistungen (Industrie 4.0)

Der Industriestandort Deutschland ist ohne Dienstleistungen kaum noch denkbar. Denn die Güterproduktion ist immer stärker mit Dienstleistungen verzahnt. Wo ein modernes Industrieprodukt die Produktionsstätte verlässt, hat eine lange Reihe von Dienstleistungen zu seiner Entstehung beigetragen, von der Logistik in der Zulieferung über die mechanische Wartung der Produktionsmittel bis zur Softwareunterstützung. Wird es dann an den Abnehmer verkauft, kommen noch deutlich mehr Leistungen hinzu, die der Produktion nachgelagert sind, etwa Marketing, Finanzierung, Logistik und Reparatur.

Dienstleistungen können auch wichtige Türöffner und Wegbegleiter für die Industrie auf fremden Märkten sein, z. B. bei der Errichtung von Infrastruktur in Schwellenländern. Denn in diesem Bereich werden immer häufiger abstrakte Lösungen in Form von Planungs- oder Beratungsdienstleistungen nachgefragt, die erst in einem zweiten Schritt zu konkreten Aufträgen an die Industrie führen. Die Dienstleister sitzen hier an der Schnittstelle und holen Industrieunternehmen in den Markt.

Smart Services

Die Digitalisierung beeinflusst alle Bereiche von Gesellschaft und Wirtschaft. Produktmärkte, physische Dienstleistungen und digitale Angebote stehen nicht mehr getrennt nebeneinander, sie ergänzen sich und werden zu "Smart Services" kombiniert.

Auch im Dienstleistungssektor ist die Digitalisierung ein zentraler Innovationstreiber. Bereits jetzt ist ein großer Anteil von Dienstleistungen digitalisiert oder wird durch digitale Angebote ergänzt. Im Wachstumsbereich der Internetwirtschaft wurde in Deutschland im Jahr 2013 ein Umsatz von knapp 79 Milliarden Euro erzielt. 23 Prozent des Produktivitätswachstums in Deutschland gehen auf Investitionen in der IT- und Kommunikationsbranche zurück (Monitoring - Report Digitale Wirtschaft 2013).

In atemberaubend kurzer Zeit entstehen neue Geschäftsmodelle, Unternehmenskonzepte und -strategien. Das Verhalten der Konsumenten und Nutzer verändert sich. Das Ergebnis sind z. B. Apps, Online-Services für Produkte, digitale Analysen des Produktionsprozesses, Informationsaustausch mit anderen Unternehmen oder Datenträgern. Diese Entwicklungen bringen viele Chancen, aber auch Herausforderungen für die Unternehmen und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit sich. Denn die Digitalisierung ermöglicht es den Dienstleistungsunternehmen, innovativ zu werden und ihre Leistungen noch mehr auf den Kunden abzustimmen. Es bedeutet für die Unternehmen aber auch, sich die notwendigen Kompetenzen aneignen zu müssen, um weiter im Markt bestehen zu können.

Das Bundeswirtschaftsministerium begleitet diese Entwicklungen und entwickelt Maßnahmen, um die deutschen Dienstleistungsunternehmen zu unterstützen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen - neue Möglichkeiten für Wachstum und Beschäftigung

Der Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen ist mit rund einer Million Beschäftigten zu einem wichtigen Wirtschaftszweig herangewachsen und gilt als Wachstumsmarkt. Das Nachfragepotenzial unter den Privathaushalten wird auf rund 40 Prozent geschätzt, bisher jedoch nicht ausgeschöpft. Nur rund 12 Prozent der Haushalte nehmen legale haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch, ein Großteil - fast 90 Prozent - bezieht sie illegal. 

Die Struktur des Marktes für haushaltsnahe Dienstleistungen ist sehr heterogen und geprägt von einer Vielzahl verschiedener Geschäftsmodelle. Neben den klassischen Agenturen gibt es selbständige Einzelunternehmerinnen und -unternehmer und - seit Beginn des Jahres 2014 - zunehmend auch mehr und mehr online-basierte Geschäftsmodelle. Vor allem durch sie gerät der Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen in Bewegung. Denn neben einer zwar wachsenden Zahl klassischer Anbieterinnen und Anbieter ist vor allem die Zahl der sog. Online-Marktplätze für diese Dienstleistungen rasant angestiegen. Diese Plattformen werden von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und intensiv in den Medien diskutiert. Noch ist unklar, wie die neuen Online-Anbieter die Qualität der Dienstleistungen über die Vermittlung hinaus sicherstellen wollen und können.

Studie Professionalisierung haushaltsnaher Dienstleistungen durch Qualitätsstandards

Wie Qualitätsstandards zur Professionalisierung des Marktes beitragen können, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in der von ihm in Auftrag gegebenen Studie zur "Professionalisierung haushaltsnaher Dienstleistungen durch Entwicklung und Etablierung von Qualitätsstandards" untersucht. Demnach wirken sich einheitliche Qualitätsstandards positiv auf die Entwicklung des Wirtschaftszweigs der haushaltsnahen Dienstleistungen aus, weil sie zu einer besseren Qualität und damit zu mehr zufriedenen Kunden führen. Dadurch wird das Image der Branche und somit auch die Wertschätzung dieser Dienstleistungen verbessert. Qualitätsstandards können auch zu besseren Arbeitsbedingungen beitragen und damit die Arbeitgeberattraktivität für die Beschäftigten erhöhen. Ausschlaggebend für den Erfolg von Qualitätsstandards am Markt ist vor allem, dass sie einfach und nachvollziehbar ausgestaltet und damit gut umzusetzen und einzuhalten sind. Sie dürfen nicht zu deutlichen Mehrkosten für Anbieter und Kunden führen, denn die Preisspannen auf dem Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen sind sehr eng und höhere Preise kaum durchsetzbar. 

In der Machbarkeitsanalyse zur durchgeführten Studie (PDF: 571 KB) werden die zentralen Aspekte für erfolgreiche Qualitätsstandards im Hinblick auf Struktur, Inhalte und Umsetzung noch einmal übersichtlich dargestellt. 

Eine Checkliste zur Qualitätssicherung (PDF: 428 KB) gibt Anbieterinnen und Anbietern von haushaltsnahen Dienstleistungen, weiterhin eine praxisorientierte Anleitung sich selbst zu überprüfen. Sie enthält hilfreiche Maßnahmen, wie die wichtigsten Qualitätskriterien erfüllt werden können.