Häufig gestellte Fragen zu Industrie 4.0

Was ist so revolutionär an Industrie 4.0?

Die Digitalisierung der Industrie ändert dramatisch, wie wir produzieren, wirtschaften und arbeiten.

Seit es Industrie gibt, entwickelt diese sich weiter. Durch immer neue Innovationen und Technologien verändert sich die Art und Weise, wie wir Güter produzieren: Dies passiert zum einen relativ stetig, aber manchmal auch sehr sprunghaft, was dann als Revolution bezeichnet wird. Beispiele sind die Entwicklung des ersten mechanischen Webstuhls - als Auslöser der ersten industriellen Revolution - bis zum Einsatz von Elektronik in der Massenproduktion. Heute stehen wir an der Schwelle zur nächsten, der vierten industriellen Revolution.

Das Entscheidende ist: Industrie 4.0 verzahnt die industrielle Produktion mit Hilfe modernster Informations- und Kommunikationstechnik auf intelligente Weise - und das ist revolutionär. Industrie 4.0 vereint Großproduktion mit individuellen Kundenwünschen, kostengünstig und in hoher Qualität. Die Basis von Industrie 4.0 ist dabei die "intelligente Fabrik": In ihr interagieren vernetzte Einheiten wie Produktionsroboter, Transportbehälter oder Fahrzeuge über digitale Schnittstellen eigenständig miteinander. So vereinigen sich die Vorteile der Massenproduktion mit den Ansprüchen der Einzelfertigung.

Was bringt Industrie 4.0 für Deutschland?

Deutschland ist eine starke Wirtschaftsnation - mit einem starken Mittelstand. Damit das so bleibt, müssen wir uns an die Spitze der Digitalisierung der Industrie stellen. Ingenieurskunst "Made in Germany" gepaart mit IT-Kompetenz wird die Zukunft gehören.

Ein Plus von über 250 Milliarden Euro an Wertschöpfung ist in den nächsten 10 Jahren möglich. Diese Potenziale für Wachstum und Arbeitsplätze sollen für den Wirtschaftsstandort Deutschland genutzt werden. 

Ein erster Schritt war die Gründung der Verbände-Plattform Industrie 4.0 durch die Industrieverbände BITKOM, VDMA und ZVEI im April 2013. Die enge Verzahnung von Informationstechnik, Maschinenbau und Elektrotechnik bei Industrie 4.0 erfordert rasche branchenübergreifende Einigungsprozesse in der Wirtschaft. Industrie 4.0 ist jedoch noch mehr. Es werden auch das Arbeiten und die Lebenswelt der Menschen beeinflusst. Daher ist sie eine Gemeinschaftsaufgabe von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gewerkschaft. Um die Herausforderungen mit neuer Kraft anzupacken, verstärken wir die bisherige Verbändeplattform Industrie 4.0 mit einer breiten Allianz aus neuen Partnern.

Das BMWi startet gemeinsam mit dem BMBF, Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Forschung auf der HANNOVER MESSE 2015 - der größten Leistungsschau der deutschen und internationalen Industrie - die neue Plattform Industrie 4.0.

Was ist eine intelligente Fabrik ("Smart Factory")?

Die Fabrik der Industrie 4.0 basiert auf intelligenten Einheiten: Maschinen koordinieren selbstständig Fertigungsprozesse, Service-Roboter kooperieren in der Montage auf intelligente Weise mit Menschen, fahrerlose Transportfahrzeuge erledigen eigenständig Logistikaufträge. Industrie 4.0 bestimmt dabei die gesamte Lebensphase eines Produktes: Von der Idee über die Entwicklung, Fertigung, Nutzung und Wartung bis hin zum Recycling.

Zur gegenseitigen Vernetzung werden die einst passiven Bestandteile der Produktion wie Werkzeuge, Maschinen oder Transportmittel mit digitalen "Augen und Ohren" (Sensoren) und "Händen und Füßen" (Aktoren) ausgerüstet und über IT-Systeme zentral gesteuert. In der intelligenten Fabrik arbeiten so beispielsweise Transportbehälter, die Informationen über die individuelle Kennung, die aktuelle Position und die gegenwärtigen Befüllung über Sensoren via Funkverbindung übermitteln - und so effizient in der Produktion oder Logistik eingesetzt werden können.

Ermöglicht wird die intelligente Fabrik dadurch, dass wir Computer und Sensoren immer kleiner und günstiger herstellen können und dass wir Breitbandverbindungen zur Verfügung haben, um so große Datenmengen schneller und effizienter austauschen und analysieren können.

Wie verändert Industrie 4.0 unsere Wirtschaft?

Industrie 4.0 betrifft bei Weitem nicht nur klassische Industriebereiche wie den Maschinenbau oder die Elektroindustrie. Intelligente Fabriken und Produktionsweisen werden beispielsweise auch in der Landwirtschaft Einzug halten - etwa durch die digitale Vernetzung von Landmaschinen. Kurz gesagt: Überall dort, wo industrielle Prozesse durch digitale Technologien "intelligenter" gemacht werden können, wirkt sich Industrie 4.0 aus.

Industrie 4.0 schafft komplett neue Geschäftsmodelle. Software-Kompetenz und Wissen über digitale Technologien entscheiden mehr als früher über den Unternehmenserfolg. Die intelligente Erfassung und Auswertung von Daten bieten Unternehmen neue Möglichkeiten, auf individuelle Kundenwünsche zugeschnittene Produkte anzubieten - dem Start-up ebenso wie kleinen und mittleren Unternehmen oder großen Konzernen. Möglich werden aber auch intelligente Anwendungen, wie etwa neue Produktentwicklungen, die auf Informationen beruhen, die ein smartes Produkt im Laufe seines Lebens sammelt.

Dabei ist auch klar: Mit der zunehmenden Vernetzung und dem Austausch großer Datenmengen in der Industrie 4.0 steigen auch die Sicherheitsanforderungen. IT-Sicherheit muss von Anfang an mitgedacht werden. Anlagen und Produkte, aber auch Daten und Know-how müssen verlässlich vor unbefugtem Zugriff und Missbrauch geschützt werden.

Wie verändert sich unsere Arbeit durch Industrie 4.0?

Industrie 4.0 bedeutet gute Arbeit, nicht menschenleere Fabriken. Vielmehr verändert sich das Arbeiten: Die Beschäftigten müssen stärker in die Prozesse eingebunden werden, zum Bespiel um Abläufe zu koordinieren, die Kommunikation zu steuern und eigenverantwortlich schnell Entscheidungen zu treffen.

Durch das Zusammenwachsen von Informationstechnologie, Automatisierungstechnik und Software werden Organisationstätigkeiten anspruchsvoller, interdisziplinäre Kompetenzen sind zunehmend gefragt. Selbstverständlich müssen wir dabei auch die Risiken der Digitalisierung im Auge behalten: Was bedeutet es, wenn die Grenzen der Arbeit verschwimmen? Was müssen wir tun, die Beschäftigten für Industrie 4.0 fit zu machen?

Unsere langfristige Chance durch Industrie 4.0: Wir können Industriearbeitsplätze zurück nach Deutschland holen. Denn niedrige Löhne allein werden bei Industrie 4.0 kein Argument mehr für industrielle Standortentscheidungen sein.

Bildung und Weiterbildung sind dabei zentrale Bausteine: Wichtig werden vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Arbeitsorganisation, die das Lernen von Beschäftigten fördert. Die berufliche wie auch die akademische Aus- und Weiterbildung muss sich im Dialog mit der Industrie weiterentwickeln, um Antworten auf die Anforderungen in der neuen Arbeitswelt zu bieten. Hier sind zum Beispiel Partnerschaften zwischen Unternehmen und Hochschulen denkbar.

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