Versorgungssicherheit

Strommasten
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Versorgungssicherheit ist für einen hoch entwickelten Industriestandort wie Deutschland sehr wichtig. Bei der Versorgungssicherheit geht es um mehr als die Sorge um Licht und Komfort. Strom ist heute eine existenzielle Voraussetzung unseres Lebens. Die deutsche Stromversorgung ist im internationalen Vergleich sehr zuverlässig.

Deshalb wird diese durch angemessene Methoden überwacht. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) veröffentlicht regelmäßig einen Bericht zur Versorgungssicherheit am Strommarkt. Dieser erscheint mindestens alle zwei Jahre und betrachtet Deutschland im Kontext des europäischen Strommarktes (Vgl. Weissbuch Maßnahme 18).

Versorgungssicherheit

In Deutschland ist die Versorgungssicherheit zusammen mit der Wirtschaftlichkeit und der Umweltverträglichkeit der Energieversorgung eines der zentralen energiepolitischen Ziele. Gemäß § 1 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) gilt es, eine möglichst sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche Versorgung der Allgemeinheit mit Elektrizität zu gewährleisten, die zunehmend auf erneuerbaren Energien beruht.

Die Gewährleistung eines sicheren Netzbetriebs ist in Deutschland die Aufgabe der Übertragungsnetzbetreiber (§ 12 EnWG). Die Übertragungsnetzbetreiber planen und warten das Höchstspannungsnetz, regeln den Netzbetrieb und stimmen Stromerzeugung und -nachfrage aufeinander ab.
Ein Maß für die Zuverlässigkeit der Stromversorgung ist die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit, d. h. die Zeit des Jahres, während derer ein Letztverbraucher nicht mit Elektrizität versorgt wird. Der Nichtverfügbarkeitswert wird in Deutschland durch die Bundesnetzagentur erfasst und belegt meist ein außergewöhnlich hohes Zuverlässigkeitsniveau. Im Jahr 2014 waren die Menschen bundesweit im Schnitt nur 12 Minuten und 17 Sekunden ohne Strom. So niedrig war der Wert seit seiner erstmaligen Erfassung im Jahr 2006 noch nie. Der Wert zeigt, dass die Stromversorgung auch durch einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien nicht beeinträchtigt wird - 2014 Betrug dieser 27,8 Prozent.

Monitoring der Versorgungssicherheit

Das BMWi führt nach § 51 des EnWG alle zwei Jahre ein Monitoring zur Versorgungssicherheit im Bereich der leitungsgebundenen Versorgung mit Elektrizität durch. Dabei werden unter Berücksichtigung der nationalen und internationalen Marktgegebenheiten die bestehende Versorgungslage und deren Entwicklung untersucht und in einem Bericht dargestellt. Im Zentrum des Berichts steht die Frage, ob und inwieweit die Unternehmen im Bereich der Stromerzeugung sowie bei der Stromübertragung und -verteilung ausreichend Vorsorge getroffen haben, um die Nachfrage nach Strom heute und in Zukunft jederzeit auch in extremen Situationen sicher zu decken.

Der letzte Monitoring-Bericht wurde 2014 veröffentlicht, der nächste Monitoring-Bericht wird 2016 vorgelegt.

Das BMWi entwickelt das Monitoring ständig nach neuen Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung weiter. Ein Gutachten über die Versorgungssicherheit in Deutschland und seinen Nachbarländern aus dem Jahr 2015 hat ein neues Berechnungsverfahren für das Monitoring und die Bewertung von Versorgungssicherheit entwickelt, das insbesondere die Effekte des grenzüberschreitenden Stromaustauschs abbildet. Der Prognose zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass in Deutschland die Stromnachfrage im Jahr 2025 jederzeit gedeckt wird, bei nahezu 100 %. Das Niveau an Versorgungssicherheit wird also - auch im internationalen Vergleich - auf höchstem Niveau gewährleistet.

Das Gutachten setzt neue Maßstäbe für das Monitoring und die Bewertung von Versorgungssicherheit. Die neue Methodik bildet auch den Beitrag des integrierten Strombinnenmarkts ab und liefert so ein realistisches Bild der Versorgungssicherheit in Deutschland und den Nachbarstaaten. Es zeigt, dass Versorgungssicherheit europäisch betrachtet werden muss. Die Bedeutung europäischer und regionaler Kooperation in Strommarktfragen wird durch das Gutachten hervorgehoben.

Die in der Vergangenheit genutzte Leistungsbilanz untersuchte demgegenüber lediglich die Verfügbarkeit von Kraftwerken in Deutschland. Diese Vorgehensweise war mit dem real existierenden Strombinnenmarkt, d. h. mit dem intensiv genutzten grenzüberschreitenden Stromhandel, nicht kompatibel. Daher wird diese Vorgehensweise nicht mehr praktiziert. Dies gilt auch, weil die Bedeutung dargebotsabhängiger erneuerbarer Energien und damit stochastisch verfügbarer Erzeugung wächst. Durch großräumige Ausgleichseffekte bei den nationalen Höchstlasten und dem Beitrag der erneuerbaren Energien zur gesicherten Leistung sowie durch Ausgleichseffekte bei der Verfügbarkeit konventioneller Kraftwerke kann im europäischen Binnenmarkt ein geringerer Bedarf an Erzeugungskapazität, Lastmanagement und Speichern bestehen.

Das Gutachten zeigt weiterhin, dass ein Monitoring von Versorgungssicherheit nur grenzüberschreitend sinnvoll gestaltet werden kann, da das deutsche Stromnetz eng mit den Netzen der Nachbarstaaten verbunden ist, der Strom im europäischen Strommarkt grenzüberschreitend gehandelt wird und länderübergreifende Ausgleichseffekte erheblich zur Versorgungssicherheit beitragen. Durch den länderübergreifenden Stromaustausch kann Versorgungssicherheit zudem zu insgesamt geringeren Kosten gewährleistet werden.

Einen ähnlichen Bericht, mit einer weiterentwickelten Methodik zur Bemessung von Versorgungssicherheit, hatte am 11. März 2015 das Pentalaterale Energieforum vorgelegt. Dieser Bericht schaut bis ins Jahr 2021 und prognostiziert ebenfalls, dass Deutschland in jeder Stunde des Jahres die Stromnachfrage decken kann.

Das Gutachten finden Sie hier hier.