Plattform Energienetze

Strommasten; Quelle: Colourbox.com
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Ziele

Der Ausbau der Stromnetze ist ein zentrales Anliegen der Energiepolitik. Der Stromleitungsbau ist eine der zentralen Voraussetzungen für den Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, insbesondere aus Windenergie. Der Leitungsbau ist gleichzeitig ein entscheidender Wegbereiter des europäischen Wettbewerbs im Strommarkt. Damit der europäische Strombinnenmarkt Realität werden kann, müssen auch die Stromnetze in Deutschland, dem wichtigsten Strommarkt und größten Stromtransitland der EU, erweitert werden.

Aber nicht nur der Leitungsbau, sondern auch die Modernisierung der Stromnetze muss in Angriff genommen werden. Die Netze in Deutschland und Europa müssen leistungsfähiger und intelligenter werden, damit schwankende Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie die Netzstabilität nicht gefährdet.

Nur mit leistungsfähigen und modernen Übertragungs- und Verteilernetzen können ein stabiler Netzbetrieb und eine zuverlässige Stromversorgung gewährleistet werden.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundeswirtschaftsministerium im Februar 2011 die ständige Plattform Energienetze ins Leben gerufen. Hier erarbeiten die wesentlichen Interessenvertreter - Netzbetreiber, Bundes- und Länderinstitutionen sowie Verbände - gemeinsam Lösungsvorschläge zum Netzausbau und zur Modernisierung der Stromnetze.

Folgende inhaltliche Schwerpunkte stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Plattform:

  • gesellschaftliche Akzeptanz des Stromleitungsbaus,
  • Planungs- und Genehmigungsverfahren für Stromleitungen,
  • regulatorische Rahmenbedingungen für Investitionen in Netze,
  • Netzanbindung von Offshore-Windparks,
  • Entwicklung intelligenter Netze und Zähler,
  • Erhalt eines sicheren Netzbetriebs,
  • Netzentwicklungspläne.

Die Arbeit der Plattform Energienetze erfolgt in dem regelmäßig tagenden Plenum und vier themenspezifischen Arbeitsgruppen.

Alle an einem Tisch: Die Akteure diskutieren wichtige Fragen des Netzausbaus und der Netzmodernisierung in der Plattform Energienetze und verabschieden im Plenum Handlungsempfehlungen an die Politik.
Die neue Struktur der Plattform Energienetze
© BMWi

Plenum

Das Plenum formuliert in den regelmäßig stattfindenden Plenarsitzungen durch Vorsitz des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) unter anderem Handlungsempfehlungen an die Politik zu Fragen des Stromnetzausbaus, der Netzmodernisierung und des sicheren Netzbetriebs. Ständige Mitglieder (PDF: 14 KB) des Plenums sind neben dem BMWi die Bundesnetzagentur (BNetzA), Vertreter der Länder, Netzbetreiber, Wirtschafts- und Verbraucherverbände, Umweltschutzorganisationen, die Deutsche Energie-Agentur (dena) sowie die kommunalen Spitzenverbände.

Das Plenum hat sich bei seiner letzten Sitzung am 8. März 2016 mit der Planung und Umsetzung eines bedarfsgerechten Netzausbaus befasst, unter anderem mit der Umsetzung der bereits beschlossenen Netzausbaumaßnahmen im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) und Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG). Zudem wurde dem Plenum ein Einblick in die fünf Schaufenster-Modellregionen gegeben, die für eine Förderung im Rahmen des Förderprogramms "Schaufenster intelligente Energie - Digitale Agenda für die Energiewende" (SINTEG) vorausgewählt wurden. Dazu wurden die Kernthemen der fünf Schaufensterregionen durch jeweils einen Vertreter vorgestellt. Das Ergebnispapier der Plenarsitzung finden Sie hier (PDF: 92 KB).

Arbeitsgruppen

Die vier Arbeitsgruppen erarbeiten Handlungsempfehlungen zur Modernisierung und Beschleunigung des Ausbaus der Stromnetze sowie zu einem sicheren und effizienten Netzbetrieb. In den regelmäßig tagenden Arbeitsgruppen werden drängende, den Netzausbau und die Netzsicherheit betreffende Fragestellungen aufbereitet und Maßnahmen, Konzepte und Handlungsempfehlungen entwickelt, die in den Plenarsitzungen zur Diskussion gestellt werden. Die thematische Ausrichtung der Arbeitsgruppen kann bei Bedarf angepasst werden, um die Prioritäten bei Fragen des Netzausbaus, der Netzmodernisierung und der Netzsicherheit abzubilden.

AG Netzplanung

Nationale Großprojekte wie der Bau von Höchstspannungsleitungen sind oftmals sehr langwierige Prozesse, die bis zu zehn Jahre dauern. Verzögerungen gefährden den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland, die Versorgungssicherheit und das Zusammenwachsen der Strommärkte in Europa.

Die Arbeitsgruppe entwickelt Vorschläge zur weiteren Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. So hat sie an der Entwicklung des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (NABEG) mitgewirkt, welches im Sommer 2011 verabschiedet wurde. Das NABEG soll die Planungs- und Genehmigungsverfahren durch eine Bündelung der Zuständigkeiten bei der BNetzA von zehn auf vier Jahre deutlich verkürzen. Bürger und Verbände werden zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Planungen einbezogen.

Der beschleunigte Ausbau der Offshore-Windenergie hat im Energiekonzept der Bundesregierung eine zentrale Bedeutung. Bis 2030 soll die Offshore-Windleistung auf 25 Gigawatt ausgebaut werden. Insgesamt sollen etwa 75 Milliarden Euro investiert werden. Die Netzanbindung der Offshore-Windparks stellt Windanlagen- und Netzbetreiber allerdings vor erhebliche Herausforderungen. Für zukünftig größere Leistungen und Küstenentfernungen bedarf es neuer Lösungen für die Anbindung an das Landnetz. Dabei muss der Ausbau unter Berücksichtigung des sensiblen Ökosystems Wattenmeer erfolgen.

Vor diesem Hintergrund werden Empfehlungen zur schnelleren Erschließung des Potenzials von Offshore-Windparks erarbeitet. Wichtige Vorschläge waren hierbei die Sammelanbindung von Offshore-Windparks und die Notwendigkeit eines Offshore-Masterplans. Sie sind in das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) aufgenommen worden.

Weitere Themen sind die Begleitung und Diskussion der jährlich von der Übertragungsnetzbetreibern zu erstellenden nationalen (Offshore-) Netzentwicklungspläne und Szenariorahmen, neue Technologien für Übertragungsnetze sowie Möglichkeiten der vorhabenbezogenen Öffentlichkeitsbeteiligung.

AG Regulierung

Der Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze bedürfen sowohl eines hohen Investitionsniveaus als auch zukunftsweisender Innovationen. Hier sind die richtigen Rahmenbedingungen notwendig.

Die Arbeitsgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die regulatorischen Vorgaben an die Netzbetreiber zu prüfen und, sofern erforderlich, Nachjustierungen vorzuschlagen. Für die technischen Herausforderungen sollen die kosteneffizientesten Lösungen entwickelt werden. Beratungsthemen der Arbeitsgruppe sind unter anderem Aspekte der Anreizregulierung und der Stromnetzentgeltsystematik.

AG Intelligente Netze und Zähler

Der Umbau des deutschen Stromversorgungssystems ist eine der großen aktuellen und zukünftigen Herausforderungen. Insbesondere die witterungsbedingt fluktuierende Einspeisung von Strom aus Windenergie- und Photovoltaikanlagen stellt an das Stromnetz erhöhte Anforderungen, den ständigen Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch im System gewährleisten zu können, es also sicher und stabil zu halten. So genannten intelligenten Netzen (Smart Grids) in Verbindung mit intelligenten Stromzählern (Smart Meter) soll es zukünftig gelingen, das schwankende Stromangebot aus erneuerbaren Energiequellen besser mit der Stromnachfrage abzugleichen. Das "clevere Netz" ist als modernisiertes Stromnetz zu verstehen, das eine beidseitige digitale Kommunikation zwischen Versorgern und Verbrauchern zulässt und durch intelligente informations- und kommunikationstaugliche Mess- und Überwachungssysteme (Smart Meter) ergänzt ist. Intelligente Netze und Zähler können so die direkte Interaktion und den Austausch zwischen Nachfragern und Anbietern von Strom steuern. Für Verbraucher sollen sie die Möglichkeit eröffnen, den Stromverbrauch besser zu kontrollieren und Stromkosten zu senken. So ist es vorstellbar, dass intelligente Zähler Preissignale empfangen und elektrische Geräte entsprechend an- und abschalten. Beispielsweise könnten Kühlhäuser gezielt in Phasen günstigen Stromangebots verstärkt Strom beziehen, um die Betriebstemperatur deutlich abzusenken. Dieser Kühlungs-Puffer kann bei höheren Strompreisen aufgebraucht werden. Eine solche gezielte Nachfragesteuerung würde gleichzeitig bedeuten, dass neue Möglichkeiten für die Netzbetreiber entstehen, um das Stromnetz bei schwankender Stromerzeugung zu stabilisieren.

Ziel der Arbeitsgruppe ist es daher, einen Entwicklungsplan für die Einführung von intelligenten Zählern und für die Modernisierung der Verteilnetze zu einem leistungsfähigem intelligenten Netz zu erstellen. In diesem Zusammenhang möchte die Arbeitsgruppe technische, sozio-ökonomische, rechtliche und politische Rahmenbedingungen identifizieren und Handlungsnotwendigkeiten für den Aufbau eines intelligenten Netzes ableiten. Dazu werden u. a. folgende Themen diskutiert:

  • Gewährleistung von Datenschutz und Datensicherheit und die dafür notwendige technische Ausstattung intelligenter Netze und Zähler;
  • Kompetenzen und Möglichkeiten von Netzbetreibern und Marktakteuren im intelligenten Netz;
  • Möglichkeiten eines reduzierten Netzausbaubedarfs in Verbindung mit dem intelligenten Umbau der Verteilernetze.

Die Arbeitsgruppe stand mit ihrer Fachexpertise im regelmäßigen Informationsaustausch mit dem Gutachterkonsortium, das im Auftrag des BMWi eine Studie über den energiewendekonformen Um- und Ausbaubedarf in den deutschen Verteilernetzen erstellt hat. Zudem wurden in ihr die Ergebnisse der "Kosten-Nutzen-Analyse für einen flächendeckenden Einsatz intelligenter Zähler" erörtert.

AG Systemsicherheit

Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die steigende Menge grenzüberschreitender Stromflüsse im europäischen Stromnetz stellen die Stromnetzbetreiber vor neue Herausforderungen. In absehbarer Zeit könnte es beispielsweise Stunden geben, in denen Windenergie- und Photovoltaikanlagen zusammen mehr Strom liefern, als in Deutschland nachgefragt wird. Dies wäre der Fall bei hoher Sonneneinstrahlung und starkem Wind, gepaart mit niedriger Stromnachfrage beispielsweise an einem Wochenende. Die wetterabhängigen Strommengen sind nicht vollständig prognostizierbar. Zudem werden sie zum Teil in kleinen, dezentralen Stromerzeugungsanlagen produziert, so dass lokale Stromnetze hohe Strommengen aufnehmen und möglicherweise auch an andere Regionen weitergeben müssen. Auch fluktuierende Strommengen aus den EU-Nachbarländern werden in wachsendem Maß auf die deutschen Stromnetze einwirken.

Aufgabe und Ziel der AG Systemsicherheit ist es, Maßnahmen zu identifizieren oder ggf. zu entwickeln, die auch in Zukunft einen sicheren Betrieb der Stromnetze garantieren. Um mögliche Systemrisiken frühzeitig zu identifizieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten, diskutiert die Arbeitsgruppe unter anderem folgende Themen:

  • Einhaltung des Systemgleichgewichts (Systembilanz) in Starkwind- und Schwachlastsituationen,
  • Auswirkungen steigender Übertragungsentfernungen und -mengen auf die Netzstabilität,
  • Sicherstellung der Systemdienstleistungen bei einem hohen Anteil erneuerbarer Energien,
  • verbesserte und kurzfristige Informationsflüsse zwischen den Übertragungsnetzbetreibern und Verteilnetzbetreibern über die starke schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Energien, die Verfügbarkeit von Kraftwerken und die Verbrauchssituation,
  • Entwicklungen von Nachrüststrategien für dezentrale Erzeugungsanlagen am Mittel- und Niederspannungsnetz zum Erhalt der Systemsicherheit bei Über- und Unterfrequenz.

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