Intelligente Messsysteme - Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende

Die volatile Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erfordert es, Netze, Erzeugung und Verbrauch effizient und intelligent miteinander zu verknüpfen. Es besteht die Notwendigkeit einer bedarfs- und verbrauchsorientierten Verknüpfung von Erzeugung und Nachfrage.

Smart Meter; Quelle: Gerhard Seybert - Fotolia
© Gerhard Seybert - Fotolia

Informations- und Kommunikationstechnologien werden bei der Verknüpfung der Komponenten der Energiesysteme eine zentrale Rolle spielen. Mit ihrer Hilfe soll eine Überwachung und Optimierung der miteinander verbundenen Bestandteile ermöglicht werden. Ziel ist die Sicherstellung der Energieversorgung auf Basis eines effizienten und zuverlässigen Systembetriebs.

Intelligente Messsysteme ("Smart Meter")

Bisher nutzen Haushaltskunden überwiegend alte elektromechanische Stromzähler (sogenannter Ferraris-Zähler). Im Gegensatz zu intelligenten Messsystemen, den sogenannten "Smart Meter", machen sie dem Kunden weder seinen Verbrauch transparent, noch können sie elektronisch Daten übertragen oder bieten Möglichkeiten für eine automatische Steuerung und Schaltung von Geräten.

Was sind intelligente Messsysteme?

Ein intelligentes Messsystem besteht aus einem digitalen Stromzähler und einer Kommunikationseinheit, dem so genannten Smart Meter Gateway. Das Smart Meter Gateway - versehen mit einem Siegel des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) - ermöglicht eine datenschutz- und datensicherheitskonforme Einbindung von Zählern in das intelligente Stromnetz. Mit intelligenten Messsystemen soll die sichere und standardisierte Kommunikation in den Energienetzen der Zukunft ermöglicht werden.

Ihr Ziel: Erzeugung und Verbrauch von Energie intelligent verknüpfen

Durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Wind stehen wir vor der Herausforderung, mit schwankenden - sogenannter "volatilen" Energien - umzugehen. Intelligente Messsysteme können hier eine wichtige Rolle beim Ausbau erneuerbarer Energien spielen und es dem Energieverbraucher ermöglichen, aktiv am Energiemarkt teilzunehmen.

Sie können auch einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es darum geht, die Erzeugung und den Verbrauch von Strom besser miteinander zu verknüpfen. Hierzu ist eine sichere und moderne Mess- und Steuerungstechnik im Stromversorgungsnetz erforderlich, die zuverlässige Einspeisewerte und Netzzustandsinformationen liefert. Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen dies. Zudem können intelligente Messsysteme als sichere Kommunikationsplattformen für ein intelligentes Netz genutzt werden.

Sicherheit hat oberste Priorität

Grundvoraussetzung ist dabei die Gewährleistung von Datenschutz und Datensicherheit. Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) enthält deshalb erste Vorgaben für einen bereichsspezifischen Datenschutz und ermächtigt die Bundesregierung, Regelungen zu technischen Mindestanforderungen an intelligente Messsysteme zu erlassen. Dadurch wird sichergestellt, dass zukünftig ausschließlich solche Geräte zum Einsatz kommen, die den notwendigen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit genügen.

Um hierbei größtmögliche IT-Sicherheit und Schutz vor Hacker-Angriffen gewährleisten zu können, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) frühzeitig das BSI mit der Entwicklung sogenannter Schutzprofile und Technischer Richtlinien für den sicheren Einsatz von intelligenten Messsystemen beauftragt.

Gesetzentwurf des BMWI stellt Weichen für sichereren und effizienten Einsatz von intelligenten Messsystemen

Am 4. November 2015 hat das Bundeskabinett den vom BMWi vorgelegten Regierungsentwurf für ein Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende (PDF: 718 KB) beschlossen. Die Bundesländer und Verbände konnten sich zuvor bis Oktober 2015 zu dem Regelungsentwurf äußern. Die mit Einverständnis des jeweiligen Absenders zur Veröffentlichung eingereichten Stellungnahmen finden Sie hier. Das BMWi hatte im Februar 2015 Eckpunkte (PDF: 119 KB) für ein Regelungspaket präsentiert, die den Einsatz intelligenter Messsysteme sicher und kosteneffizient vorantreiben soll.

Das Gesetz befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um intelligente Messsysteme und den Gesetzesentwurf haben wir hier zusammengestellt - ein verständliches Faktenblatt (PDF: 570 KB) fasst alle wichtigen Informationen zusammen.

Zentrale Aspekte des Gesetzentwurfs:

  • Technische Mindestanforderungen gewährleisten Datenschutz und Datensicherheit:
    Das Gesetz soll Schutzprofile und technische Richtlinien für intelligente Messsysteme zur Gewährleistung von Datenschutz, Datensicherheit und Interoperabilität für verbindlich erklären. Diese wurden im Auftrage des BMWi vom BSI gemeinsam mit Branchenvertretern unter enger Einbindung des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, der Bundesnetzagentur sowie der Physikalisch-Technischen-Bundesanstalt erarbeitet. Die Dokumente sind auf den Internetseiten des BSI veröffentlicht. Sie beinhalten einen technischen Standard für ein "privacy by design"
  • Kosten und Nutzen werden sinnvoll in Einklang gebracht:
    Mit einem neuen Regelungs- und Regulierungsrahmen soll ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen geschaffen werden. Dazu soll es eine klare Kostenregelung mit Preisobergrenzen geben. Diese sollen sicherstellen, dass die Kosten den erwarteten Nutzen auch individuell nicht übersteigen. Der Einbau der intelligenten Messsysteme soll darüber hinaus stufenweise erfolgen: Größere Verbraucher und Erzeugungsanlagen sollen beim Einsatz moderner Mess- und Steuerungstechnik die Vorreiterrolle übernehmen, kleinere Stromverbraucher folgen später. Die in den verbrauchsstarken Gruppen gemachten Erfahrungen können dann dafür genutzt werden, Erfahrungen auch für den Haushaltsbereich zu sammeln.
  • Den zulässigen Datenverkehr abschließend regeln:
    Der Entwurf enthält detaillierte Regelungen, wer wann auf welche Daten zugreifen darf. So wird einerseits ein hohes Maß an Datenschutz gewährleistet, andererseits können die Daten, die für die Energieversorgung erforderlich sind, genutzt werden.

Energie

Video

Gabriel zu den energiepolitischen Beschlüssen des Bundeskabinetts - Fundament für Strommarkt der Zukunft steht. Bundesminister Gabriel am 04.11.2015

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Häufige Fragen zu intelligenten Messsystemen