Kernenergie und Uran

Atommeiler; Quelle: istockphoto.com/Michael Utech
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Kernenergienutzung in Deutschland

In Deutschland sind derzeit noch acht Kernkraftwerke (KKW) mit einer elektrischen Leistung von ca 11.000 MW in Betrieb. Diese werden gestuft bis Ende 2022 abgeschaltet.

Deutschland hat die gesellschaftliche Grundentscheidung getroffen, seine Energieversorgung in Zukunft weitestgehend aus erneuerbaren Quellen zu decken. Im Herbst 2010 hat die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept die Weichen für den Einstieg in das Zeitalter der erneuerbaren Energien gestellt. Der Kernenergie wurde darin eine Brückenfunktion zugeschrieben, bis die erneuerbaren Energien zuverlässig und wirtschaftlich ihre Rolle übernehmen können sowie die dafür notwendige Energieinfrastruktur verfügbar ist.

Nach der Havarie des japanischen Kernkraftwerks Fukushima wurde die Rolle der Kernkraft nochmals überdacht. Der Reaktorunfall machte es notwendig, die Restrisiken der Kernkraft gesellschaftlich neu zu bewerten. Die Reaktorsicherheitskommission legte eine umfassende Analyse der Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke vor. Die Bundesregierung berief zudem eine unabhängige Ethikkommission, die zu allen Fragen der zukünftigen Energieversorgung Stellung nahm. Die Ergebnisse dieser Kommissionen waren die Richtschnur bei den folgenden energiepolitischen Entscheidungen.

Vor diesem Hintergrund wurde im Sommer 2011 beschlossen, die Energiewende zu beschleunigen und schrittweise bis Ende 2022 vollständig auf die Stromerzeugung in deutschen Kernkraftwerken verzichten.

Kernkraftwerke in Deutschland

Seit 1962 wurden in Deutschland insgesamt 37 Kernkraftwerke (KKW) errichtet, die den kommerziellen Leistungsbetrieb aufgenommen haben. Einige davon waren nur kurz am Netz.

Im Zeitraum von 1962 bis zum Ende 1980 wurden 24 KKW in Betrieb genommen. Im gleichen Zeitraum endete bei 5 KKW die Erlaubnis zum Leistungsbetrieb.

Von 1981 bis einschließlich 2000 nahmen weitere 13 KKW den kommerziellen Leistungsbetrieb auf. In diesem Zeitraum wurden auch 13 KKW stillgelegt. Diese 13 stillgelegten KKW umfassen 6 KKW der ehemaligen DDR (1 Block in Rheinsberg und 5 Blöcke in Greifswald - erbaut von 1966 bis 1989), die 1990 stillgelegt wurden. Ende 2000 waren noch 19 KKW im kommerziellen Leistungsbetrieb.

Die Übersicht rechts zeigt die Kernkraftwerke, die von 2001 bis 2011 und darüber hinaus bis max. 2022 die Berechtigung zum kommerziellen Leistungsbetrieb verloren haben bzw. noch verlieren werden.

2015 ist das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz gegangen. Bis Ende 2017 werden das Kernkraftwerk Gundremmingen B, bis Ende 2019 das Kernkraftwerk Philippsburg 2 und bis Ende 2021 die Kernkraftwerke Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf vom Netz gehen. Die drei jüngsten Anlagen Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 werden spätestens mit Ablauf des Jahres 2022 abgeschaltet.

Stilllegung und Rückbau von Kernkraftwerken: Finanzierung und Rückstellungen

Bis 2022 soll der sogenannte "Rückbau" der deutschen Kernkraftwerke erfolgen. Bis dahin sollen alle Meiler vom Netz genommen und deren Abbau eingeleitet werden. Laut Atomgesetz gilt bei der Finanzierung das Verursacherprinzip, wonach die Betreiber der Kernkraftwerke uneingeschränkt alle Kosten des Rückbaus und der Entsorgung radioaktiver Abfälle zu tragen haben. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Kommission zur Überprüfung des Kernenergieausstiegs

Das Bundeskabinett hat am 14. Oktober 2015 eine unabhängige "Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) (PDF: 269 KB)" eingesetzt. Die Expertenkommission sollte Empfehlungen erarbeiten, wie die Sicherstellung der Finanzierung von Stilllegung, Rückbau und Entsorgung so ausgestaltet werden kann, dass die Unternehmen auch langfristig wirtschaftlich in der Lage sind, ihre Verpflichtungen aus dem Atombereich zu erfüllen. Erste Arbeitsgrundlagen der Kommission waren die am 10. Oktober 2015 veröffentlichten Ergebnisse des durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegebenen Gutachtens zur Überprüfung der Rückstellungen im Kernenergiebereich (sog. "Stresstests").

Am 27. April 2016 hat die Kommission ihre Handlungsempfehlungen an den Staatssekretärausschuss Kernenergie übergeben und ihre Arbeit damit beendet. Der Bericht wird nun durch die Bundesregierung geprüft, um anschließend erforderliche Maßnahmen umzusetzen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Gutachten zur Überprüfung der Kernenergie-Rückstellungen ("Stresstest")

Das BMWi hat am 10. Oktober 2015 ein Gutachten zur Überprüfung der Kernenergie-Rückstellungen (Stresstest) vorgelegt, wonach die Energieversorgungsunternehmen in der Lage sind, die Kosten für den Rückbau und die Entsorgung zu tragen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Weitere kerntechnische Anwendungen

Neben der kommerziellen Stromerzeugung aus Kernenergie, die bis 2022 ausläuft, wird in Deutschland Kerntechnik ebenfalls in vielfältigen Verfahren der Medizin, der Industrie sowie der Forschung angewendet. Diese Nutzung als Hochtechnologie wird in Deutschland auch über 2022 hinaus gebraucht und die erforderlichen Vorsorgemaßnahmen wie kerntechnische Sicherheit und Strahlenschutz sind weiter zu gewährleisten.

Kerntechnische Industrie

In Deutschland sind eine ganze Reihe verschiedener Unternehmen der kerntechnischen Industrie ansässig: Uranversorgungsunternehmen, Unternehmen auf dem Gebiet der Urananreicherung und der Brennelementherstellung, Planer und Errichter kerntechnischer Anlagen sowie Unternehmen, die sich mit dem Transport von Kernbrennstoffen, der Behandlung und Lagerung radioaktiver Abfälle und mit Stilllegung und Sanierung befassen, einschließlich ihrer Zulieferer und Dienstleistungsunternehmen. Viele dieser Firmen sind auch im Export tätig.

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