Gas

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Erdgasversorgung in Deutschland

Erdgasversorgung in Deutschland

Erdgas spielt mit einem Primärenergieverbrauchsanteil von 21 Prozent eine wichtige Rolle im Energiemix Deutschlands.

Erdgas: Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Auch in den nächsten Jahrzehnten wird Erdgas einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland leisten. Der weitaus wichtigste Markt für Erdgas ist nach wie vor der Wärmemarkt. Gas ist heute allerdings nicht auf die Erzeugung von Wärme beschränkt, sondern zeichnet sich - neben seiner Funktion als Einsatzstoff v. a. in der Chemieindustrie - auch als flexibler und vielfältiger Energieträger für die Stromerzeugung, die Speicherung von Energie und als Zukunftsperspektive als Ausgleichsspeicher für regenerativen Strom aus. Zudem ist Erdgas im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern klimafreundlicher, da der Einsatz mit geringeren CO2-Emissionen einhergeht. Schließlich spielt Erdgas als kostengünstiger und klimafreundlicher Treibstoff bei der Mobilität eine immer wichtigere Rolle.

Biogas (Biomethan) lässt sich mit entsprechender Aufbereitung auf Erdgasqualität veredeln und in vorhandene Erdgasnetze einspeisen. So kann es zur Entlastung im Wärmemarkt, im Strombereich und im Kraftstoffbereich beitragen.

Erdgaskraftwerke können eine wichtige Rolle beim Ausgleich von Stromschwankungen aus erneuerbaren Energiequellen, die je nach Wetterlage und Jahreszeit erheblichen Produktionsschwankungen unterliegen, spielen.

Für das Erdgasnetz zeichnet sich eine weitere wichtige und zukunftsträchtige Anwendung ab. Indem regenerativer Strom in Wasserstoff oder Methan umgewandelt und in das Erdgasnetz eingespeist wird, könnte es als riesiger Speicher für mehrere Milliarden Kilowattstunden (kWh) Energie dienen. Derzeit laufen hierzu vielversprechende Forschungs- und Demonstrationsprojekte mit dem Ziel, diese Technologie im nächsten Jahrzehnt zum Großeinsatz zu bringen.

Erdgas ist nach Mineralöl der zweitwichtigste Primärenergieträger im deutschen Energiemix. Im Jahr 2015betrug sein Anteil am Primärenergieverbrauch (d. h. der Energiemenge, die in einem Land jährlich insgesamt genutzt wird) 21 Prozent. Der deutsche Inlandsverbrauch betrug laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V. (AGEB) 2.804 PJ (Hu).

Die größten europäischen Gasmärkte sind Deutschland, das Vereinigte Königreich und Italien. Deutschland wird auch zukünftig in hohem Maße von Erdgasimporten abhängig sein. Dabei kann derzeit noch nicht seriös berücksichtigt werden, ob und inwieweit eine zukünftige Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten (Tight Gas, Schiefergas [Shale Gas], Kohlegas [Flözgas, Grubengas], Aquifergas und Gashydrat) diesen Anteil wieder senken könnte.

Maßgeblich für die Entwicklung der Inlandsnachfrage sind die Verbrauchsentwicklungen in den einzelnen Sektoren. Im Sektor der privaten Haushalte ist Erdgas mit einem derzeitigen Anteil von ca. 40 Prozent wichtigster Energieträger am Wärmemarkt. Zu über 90 Prozent wird das Erdgas in diesem Bereich zur Wärmeversorgung eingesetzt.

Erdgas und Biogas (Biomethan) als Kraftstoff sind wichtige Bausteine im zukünftigen Kraftstoffmix. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren am 1. Januar 2015 81.423 mit Erdgas betriebene Personenkraftwagen angemeldet. In Deutschland bestehen derzeit 917 Erdgas-Tankstellen.

Infrastruktur

Für Transport und Verteilung des Erdgases sind die Rohrleitungen, aus denen sich das Gasnetz zusammensetzt, von substanzieller Bedeutung. Sie ermöglichen die sichere -Lieferung unterschiedlichster Gasmengen über weite Strecken. Über deutsches Territorium werden erhebliche Gasmengen in andere EU-Staaten transportiert. Die wesentlichen Erdgasfernleitungen sowie deren Grenzübergangspunkte in Deutschland gehen aus nachfolgender Grafik hervor:

Das deutsche Gas-Fernleitungsnetz im Überblick
Das deutsche Gas-Fernleitungsnetz im Überblick
© Fernleitungsnetzbetreiber


Hinzu kommt ein eng vermaschtes Gasverteilungsnetz bis hin zum Endverbraucher. Das deutsche Gasnetz hat insgesamt eine Länge von 505.000 km. (Infografik PDF: 407 KB)

Mit dem Dritten Binnenmarktpaket wurde ein Planungsinstrument für den Aufbau und den Erhalt einer Netzinfrastruktur geschaffen, die für die Verwirklichung eines einheitlichen EU-Binnenmarktes notwendig ist. Demnach müssen die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) den Regulierungsbehörden regelmäßig einen zehnjährigen Netzentwicklungsplan vorlegen. Entsprechend des in Umsetzung des Binnenmarktpakets erlassenen neuen § 15a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) haben die FNB am 1. April 2012 erstmals einen gemeinsamen deutschlandweiten Netzentwicklungsplan Gas (NEP Gas) vorgelegt.

Der NEP Gas, der jährlich aktualisiert wird, enthält Maßnahmen zum bedarfsgerechten Ausbau des Netzes und zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit, die für einen sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb erforderlich sind.

Am 1. September 2015 hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) das Verfahren zum vierten NEP Gas abgeschlossen. Der NEP Gas 2015 enthält 84 Maßnahmen zum Ausbau der nationalen Gasinfrastruktur. Die geplanten Investitionen umfassen 810 km Leitungsneubau und Neubau bzw. Erweiterung von Verdichtern mit einer Leistungserhöhung von 393 Megawatt (MW). Das Investitionsvolumen steigt bis 2025 auf insgesamt 3,3 Mrd. Euro an. Weitere Informationen finden Sie hier (PDF: 8 MB).

Die EU-Kommission hat am 18. November 2015 eine überarbeitete Liste mit "Vorhaben von gemeinsamem Interesse" beschlossen, die sogenannte PCI-Liste. Sie enthält 195 Infrastrukturprojekte im Energiebereich - 108 Projekte bei Strom, 77 bei Gas, 7 im Erdölbereich und drei im Bereich der intelligenten Netze. Die PCI-Liste ist hier zu finden.

Bei den PCI-Projekten bestehen beschleunigte Genehmigungsverfahren und verbesserte regulatorische Bedingungen. Die Genehmigungsverfahren dafür müssen innerhalb von 3,5 Jahren abgeschlossen sein, zudem soll nur eine einzige nationale Behörde für die Projektabwicklung zuständig sein. In Deutschland ist dies die BNetzA. Die Unternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Unterstützung im Rahmen des Kreditprogramms "Connecting Europe" (CEF) beantragen. 5,35 Mrd. Euro stehen dafür für die Jahre 2014 bis 2020 von der EU zur Verfügung.

Regulierung und Handel

Die BNetzA und die Landesregulierungsbehörden sind für die Regulierung der Elektrizitäts- und Gasversorgungsnetze zuständig.

Der deutsche Gasmarkt zeichnet sich durch eine Vielzahl privatrechtlich organisierter Marktakteure in den Bereichen Gasnetze, Speicherbetrieb und Handel aus. Es gibt derzeit zwei Marktgebiete (NCG und Gaspool), mit je einem Marktgebietsverantwortlichen, der für die effiziente Abwicklung des Gasnetzzugangs und des Marktgeschehens sorgt. Auf dem deutschen Gasmarkt agieren derzeit 16 Gasfernleitungsunternehmen. Weitere Akteure sind die Verteilernetzbetreiber, Speicherbetreiber sowie Handelsunternehmen.

Mit dem EU-Binnenmarktpaket zur Strom- und Erdgasmarktliberalisierung, zuletzt geändert mit dem Dritten Binnenmarktpaket, werden die Tätigkeitsbereiche der Marktakteure neu festgelegt. Um den Wettbewerb zu fördern, werden die Betreiber von Gasversorgungsnetzen und Speichern vom Erdgashandel getrennt.

Erdgasimporte und Eigenproduktion

Der gesamte Gasverbrauch auf dem deutschen Gasmarkt lag 2015 bei rd. 88 Mrd. m³. Die Prognosen für den künftigen Erdgasbedarf gehen von einem leichten Rückgang auch infolge technischen Fortschritts und Energieeinsparung aus.

Prospektive Gebiete, Erdgasfelder und charakteristische Erdgasstrukturen
Prospektive Gebiete, Erdgasfelder und charakteristische Erdgasstrukturen
© LBEG Hannover


Derzeit können aus heimischer Erdgasproduktion knapp 7 Prozent des Gasverbrauchs abgedeckt werden, die inländische Produktion ist aber leicht rückläufig (Infografik PDF: 344 KB). Daher wird Deutschland auch zukünftig in hohem Maße von Erdgasimporten abhängig sein. Derzeit werden mehr als 90 Prozent des Gesamtbedarfs ausschließlich über Pipelines aus verschiedenen Lieferländern bezogen. Von den Gasimporten entfielen nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e. V. (AGEB) im Jahr 2015 40 Prozent auf Russland, 20 Prozent auf Norwegen, 31 Prozent auf die Niederlande und 2 Prozent auf Sonstige. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) veröffentlicht den Grenzübergangspreis für deutsche Importe.

Das Statistische Bundesamt (StaBu) führt im Bereich Gaswirtschaft monatliche bzw. jährliche Erhebungen durch.

Aufgrund der hohen Importabhängigkeit spielen die Instrumente zur Gasversorgungssicherheit eine zentrale Rolle. Weitere Informationen zu den Instrumenten der Gasversorgungssicherheit erhalten Sie hier.

Preise und Kosten

Wie für andere Waren und Dienstleistungen werden die Preise für Erdgas auf der Basis von Angebot und Nachfrage frei gebildet. Unterschiedliche Kostenbestandteile liegen den Preisen zu Grunde.

Die Beschaffungskosten beinhalten den Gaseinkaufspreis sowie alle Transportkosten. Die Verteilungskosten sind alle Kosten der Weiterleitung des Erdgases an die Endkunden. Darin enthalten sind auch alle Kosten, die mit dem Ausbau und der Instandhaltung des Erdgasnetzes verbunden sind.

Der Erdgassteuer liegt das Energiesteuergesetz zugrunde. Mit ihm wird die Verbrauchsmenge an Erdgas in den verschiedenen Einsatzbereichen besteuert.

Die Konzessionsabgabe müssen die Netzbetreiber an die jeweilige Gemeinde entrichten, da sie öffentliches Gebiet für das Verlegen und Betreiben von Gasleitungen nutzen.

Weitere Informationen zu den Gaspreisen erhalten Sie hier.